„Kunst ist für mich Freiheit“

Die bildende Künstlerin IRIS KOPERA malt starke Frauen – und kämpft als Peer-Beraterin für die Rechte von Menschen mit Lernschwierigkeiten. KATHARINA PAYK hat mit ihr über Inspiration, Inklusion und die türkis-blaue Regierung gesprochen.

 

an.schläge: Im Rahmen der WIENWOCHE, die eine Crip Convention hostet, stellen Sie einige Ihrer Bilder aus. Sind darauf auch Bitches und Witches zu sehen?

Iris Kopera: Ja, auf jeden Fall! Meine Bilder sind bunt und stark. Ich merke manchmal gar nicht, dass ich auch Bitches und Hexen male. Das schießt einfach so raus. Meine Bilder sind politisch. Ich verarbeite negative Einflüsse von außen in meinen Bildern. Plötzlich habe ich das Gefühl, malen zu wollen. Manchmal inspirieren mich auch Zeitschriften. Und ich male Porträts.

Ist Ihre Kunst feministisch?

Ich male nur Frauen. Einmal sollte ich einen Mann malen – den habe ich dann sehr „weiblich“ gemalt. Grundsätzlich sollte für jede Künstlerin die Freiheit da sein, so zu wirken, wie sie das will. Jede Frau sollte sich außerdem so ausdrücken können, wie sie will – nicht wie irgendwelche Menschen, Männer, dies vorgeben. Es ist gut, dass Frauen sich gegen Diskriminierung wehren.

Beeinflusst Ihre Behinderung Ihre Werke, und was macht das Kunstschaffen mit Ihnen?

Ja. Vielleicht sehe ich viele Dinge, die andere nicht sehen. Ich eröffne andere Blickwinkel.
Im Kunstschaffen fühle ich mich frei. Ich bestimme, was ich male. Ich handle für mich selbst. Kunst ist für mich Freiheit.

 

Iris Kopera © Magdalena Fischer

Iris Kopera ist Künstlerin und Mitarbeiterin im Selbstvertretungszentrum für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Im Rahmen der CRIP CONVENTION zeigt sie ihre künsterlischen Arbeiten. © Magdalena Fischer

 

In Ihrer Kunst kommen oft Körper- und Gesichtsausdrücke vor.

Menschen sind mir wichtig. Und ich bin ja auch Schauspielerin – Emotionen und ihre Darstellung interessieren mich sehr. Die haben die meiste Aussagekraft.

Und es geht oft um Liebe und Selbstfürsorge sowie politische Themen.

Ohne Liebe kann kein Mensch bestehen. Es reicht nicht, dass ein Mensch „versorgt“ ist, etwa mit Essen, jeder Mensch braucht Liebe und Fürsorge. Und das ist auch sehr politisch. Unter unserer letzten Regierung z. B. habe ich mich überhaupt nicht wohlgefühlt. Da war alles so negativ gegen die Menschen. Man hat das überall gespürt. Die Menschen hatten Angst. Ich habe das Gefühl, die Menschen in Österreich sind jetzt wieder offener, entspannter. Weil man nicht mehr ständig eine grausame Maßnahme oder Aussage von der Regierung befürchten muss. Z. B. die Aussage, wer nicht um acht Uhr morgens arbeitet, sei nichts wert. Die Leistungsgesellschaft überfordert Menschen. Zu viel Leistung von Menschen zu erwarten, ist nicht liebevoll. Aber arbeiten an sich ist für jeden Menschen wichtig.

Arbeit ist für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder körperlichen Behinderungen oft ein besonderes Thema.

Ja. Denn man ist gegenüber Menschen mit Behinderung sehr voreingenommen, traut ihnen nichts zu, vertraut nicht darauf, dass der Mensch sich einbringen kann. Darum ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderungen gestärkt werden in ihrem Auftreten.
Inklusion wird kaum wirklich gelebt in der Arbeitswelt. Wenn man Inklusion machen will, dann muss man alle Menschen ansprechen und nicht gesondert über „die“ Menschen mit Behinderungen sprechen. Meistens läuft da etwas falsch. Es gibt kein wirkliches Miteinander. Auch wenn Menschen einfach mit „Du“ angesprochen werden, ist das kein Inklusionswert.
Geschlechterdiskriminierung muss man auch immer mitbedenken. Frauen verdienen ja oft weniger oder haben es schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Bei Frauen mit Behinderung wird das dann noch deutlicher.

Sie arbeiten als Peer-Beraterin bei der Selbstvertretung Wien, einer Initiative, die deutlich macht, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten selbst Sprecher_innen für ihre Rechte und ihres gesamten Lebens sind. Was machen Sie da genau?

Sich selbst, also die eigenen Interessen und Bedürfnisse, vertreten zu können, bedeutet Selbstwert zu entwickeln. Selbstvertreter_innen mischen sich etwa in die Politik ein. Ich als Peer-Beraterin stärke vor allem die Menschen in ihrem Selbstwert, ich berate und „coache“ gewissermaßen.

 

Iris Kopera ist bildende Künstlerin und lebt in Wien. Sie berät Menschen mit Lernschwierigkeiten nach dem Motto „Gleiche beraten Gleiche“ im Selbstvertretungszentrum. Sie ist Theaterschauspielerin und macht gerne bei sportlichen Wettkämpfen mit.

 

 

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