heimspiel: The Space Age of Elternzeit

leben mit kindern

 

Was musst du eigentlich mitbringen, um Astronautin zu werden? Einen Universitätsabschluss in Astrophysik, eine hervorragende körperliche Verfassung, überragende zwischenmenschliche Skills für die Raumstation? Die Antwort ist natürlich viel einfacher: Einen Mann brauchst du. Dass der sich wirklich und wahrhaftig ein Jahr Elternzeit nimmt, um die Kinder zu betreuen, das ist so atemberaubend, dass Herr E. selbst vielen Qualitätsmedien eine Meldung wert war. Ach, viel mehr war er wert, nämlich 5000 Euro. So viel bekommt der „Spitzenvater des Jahres“ als Preisgeld. Wie seine Frau, diese Astronautin, hieß, weiß ich übrigens nicht, denn sie wurde im Artikel namentlich nicht genannt.
Über Herrn E. will ich mich an dieser Stelle gar nicht lustig machen, schließlich tut er das Richtige. Dass er die 5000 Euro annimmt und nicht wohlmeinend irgendeinem guten Zweck spendet, will ich stark hoffen. Jeder, der ein Jahr lang mit wahnsinnigen Kindern – alle Kinder sind wahnsinnig! – zubringt, ist mit 5000 Euro noch zu niedrig bezahlt. Deswegen bekommen ja auch alle Mütter, die insgesamt immer noch den Löwenanteil der Elternzeit und der Reproduktionsarbeit leisten, 5000 Euro bar auf die Kralle! Pro Jahr! Pro Kind! Und werden einmal im Jahr mit Farbfoto in der Zeitung gefeiert. Oder? Ich kann es hinter dem Wäscheberg und den Formularstapeln für mein Kind mit Inklusionsbedarf gerade nicht so richtig erkennen.
Huhu, an alle Astronautinnen in der Umlaufbahn: Ihr habt doch den Überblick. Funkt es bitte mal runter. Schirmherrin des Preises für Spitzenväter ist übrigens die deutsche Familienministerin, die findet, dass Väter bei getrennten Paaren einfach zu wenig Rechte haben. Wie viel Prozent der getrennten Väter zahlen noch mal ordnungsgemäß Unterhalt? Und zwischen all diesen Fakten gibt es keinen Zusammenhang, oder? Ground Control to Major Wiehießsiedochgleich, bitte mal von oben draufgucken, I am floating in a most peculiar way hier.

 

Jasper Nicolaisen lebt in Berlin und arbeitet mit Texten und Menschen, momentan noch auf der Erde.

 

© Sabrina Wegerer

© Sabrina Wegerer

 

 

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