positionswechsel: Switch, please!

eine lady genießt und schreibt

 

Ich verliere mich nicht selten in Gedankenspiralen – und denke dann z. B. darüber nach, wie ich wohl von außen wahrgenommen werde. Mit „außen“ meine ich all jene, die sich mit mir im queeren Wien tummeln – wie die Heterowelt mich sieht, ist mir inzwischen klar. Nämlich als 16-jährigen Jungen, der unbedingt Zigaretten und Alkohol kaufen will, um mit seinen viel älteren Freundinnen mitzuhalten. Aber zurück in die queere Parallelwelt: Es häufen sich die Beweise, dass viele meiner Mitqueers mich tendenziell als Butch lesen würden. Doch aus Gründen, die mir selbst nicht immer klar sind, sträube ich mich gegen dieses Label. Aufgrund meines äußeren Erscheinungsbildes kann ich diese Einordnung zwar irgendwie nachvollziehen, aber ich fühle mich einfach nicht butch-y. Viel wohler fühle ich mich bei dem Gedanken an einen androgynen Raum, den ich als Person bewohnen darf, die sich dennoch als Frau definiert. Was das alles mit meinem Sexleben zu tun hat? Als Mitbegründerin der „Femme Appreciation Society“ lag für mich leider der Gedanke nah, dass von mir als vermeintliche Butch auch im Bett (oder woanders) eine gewisse Rolle erwartet wird. Eine Rolle, die ich zwar erfüllen kann, aber nicht immer will. In meinen Augen war ich eine Disappointment Butch. Enttäuschend für jene Partnerinnen, die, wie ich, Butch mit Top in Verbindung brachten, und enttäuschend für mich selbst, weil ich mich die längste Zeit nicht getraut habe, aus der (falschen) Rolle zu fallen und den Sex zu leben, den ich eigentlich gerne gehabt hätte. Eine Lose-lose-Situation, dachte ich. Falsch gedacht. In einem Moment der Offenheit durfte ich nämlich doch die Erfahrung machen, dass es Femmes gibt, die es genießen zu toppen – auch ich selbst war also letztlich nur unnötigen und unwahren Klischees auf den Leim gegangen.

 

Lily Kastro ist und bleibt letztlich Switch mit Leib und Seele. Dennoch überlegte, sie sich auf das Label der Disappointment Butch einzulassen. Die passende Failure Femme wäre bestimmt trotzdem nicht enttäuscht.

 

© Sabrina Wegerer

© Sabrina Wegerer

 

 

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