leib & leben: Die Schöne ist ein Biest

Unlängst fragt mich eine Freundin: Sag mal, warst du eigentlich immer schon so hair-positive? Ich gucke sie verblüfft an und sage: Hell, no! Meine Haare und ich, das ist eine wilde On-off-Beziehung und dabei eher off als on. Wobei ich sagen muss, dass wir uns mittlerweile mehr Freiraum lassen und uns ganz neu ineinander verliebt haben, auch weil wir viel Kontakt mit anderen hatten. Wir können halt nicht ohne einander. Also, hier unsere Liebesgeschichte:
Die Haare zwischen meinen Augenbrauen hab ich zuerst gezupft, das kannte ich so von meiner Mutter. Immer wenn ich als kleine Elfjährige darauf angesprochen wurde, zischte ich zurück: Es heißt Augenbrauen – und nicht Nasenbrauen!
Die Haare unter den Achseln habe ich sehr lange Zeit nicht mehr gesehen, nachdem mir in der sechsten Klasse klar wurde: wegmachen oder nie wieder Schwimmunterricht.
Die Haare über und unter meinen Lippen hab ich zuerst gebleicht (Stichwort Asterix!) und dann mit Wachsstreifen ausgerissen, wobei manchmal ein bisschen Haut von der Lippe mit auf dem Streifen landete. In meiner Klasse glaubten alle, ich hätte Herpes.
Die Haare an meinen Beinen – Klassiker: rasiert, rasiert, rasiert. Auch als ich älter war, fuhr mir beim Knutschen auf der Party oft dieser Gedanke durch den Kopf: Scheiße, ich kann ihn nicht mit nach Hause nehmen, Stoppelalarm.
Die Haare um meine Brustwarzen wurden einzeln ausgezupft und ehrlich gesagt war da auch ein bisschen Befriedigung dabei. Aber noch ehrlicher gesagt, hing der Enthaarungseifer meist davon ab, mit wem ich ins Bett ging. Bei cis-Männern riss ich sie raus, bei Frauen* ließ ich sie stehen.
Die Haare um meine Vulva waren immer zu viele und immer zu hart und hatten von allen das größte Widerstandspotenzial. Sie sträubten sich gegen den Namen „Schamhaare“ und forderten meine radikale Anerkennung. I am so proud!
Nicht zuletzt: Die Haare auf meinem Kopf trage ich seit Neuestem kurz geschoren, wobei ich meine Locken und das Durch-die-Haare-Wuscheln sehr vermisse. Aber das findet ja weiter unten noch statt.

 

Franziska Damenbart Kabisch hat zusammen mit Sophie Utikal die YouTube-Serie „Bauch, Beine, Pommes“ konzipiert. Sie liebt Haare und hat eine Schwäche für Friseur*innen, die eigentlich immer schon einen Gedichtband veröffentlichen wollten: Haarmonie, GmbHaar, Hairgott, Chaarisma, Haireinspaziert, Vorhair Nachhair, Haarnachie, Love is in the Hair …

 

© Flickr/sepp

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