Babyfeministinnen

Eine an.schläge-Anekdote aus der an.schläge-REDAKTION

 

„Voll aufregend, endlich lerne ich mal eine lesbische Frau kennen.“ Ich war Mitte zwanzig, heterolebend, Babyfeministin und hocherfreut über diese Begegnung. Etwa zu zehnt sind wir damals korrekturlesend rund um den Tisch gesessen und besagte Redakteurin hat mir auch geduldig meine Frage „Warum steht da FrauenLesben? Lesben sind doch Frauen, soll ich das als Korrektur anstreichen?“ beantwortet. Meine Unbedarftheit hat sie nicht davon abgehalten, sich mit mir anzufreunden, und das ist bei Weitem nicht die einzige Freundinnenschaft, die ich in meiner zehnjährigen an.schläge-Mitarbeit geschlossen habe. Das Kollektiv war damals groß, die meisten von uns waren mitten im Studium und hatten gut Zeit für unbezahltes Engagement.
Dann wurden die an.schläge 25 und ich habe wieder nichts verstanden: Nachdem ich einen riesigen Berg T-Shirts eingekauft und siebbedruckt hatte, fragte mich besagte Freundin, warum ich denn nur welche mit „weiblichem“ Schnitt gekauft hatte. Ganz ehrlich, ich wäre damals nicht auf die Idee gekommen, auch in der Männerabteilung einzukaufen. Und so zog sich meine Unbedarftheit über die Jahre. Zu einem Zeitpunkt, als ich keine Ahnung von innerfeministischen Kopftuchdebatten hatte, war ich es, die eine Pro- und Contra-Autorin suchen und anfragen sollte. Noch vor meinem Praktikum wurde ein einseitiger Text von mir veröffentlicht – mein erster journalistischer Text ever. Ich hatte von so wenig eine Ahnung, doch die an.schläge haben mir von Anfang an vertraut. Und neben den wunderschönen Begegnungen mit neuen Menschen verbinde ich mit ihnen genau das: Solidarität, Empowerment und Förderung junger Frauen. Happy Birthday, an.schläge!

 

Bettina Enzenhofer war von 2006 bis 2016 an.schläge-Redakteurin.

 

 

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.