positionswechsel: Think kink!

eine lady genießt und schreibt

Ich gehöre sicher nicht zu jenen Nostalgiker_innen, die behaupten, früher seien die Dinge besser, schöner oder authentischer gewesen. Und doch gibt es einiges, das ich vermisse, wenn ich im lesbisch-queeren Nachtleben der Stadt unterwegs bin. Wie zum Beispiel die coolen Cliquen der BDSM-Lesben (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism). Sind sie tatsächlich verschwunden oder bloß weniger sichtbar? Ich vermute, es liegt zum einen am Generationenwechsel innerhalb der Lesbenszene, zum anderen an der Kommerzialisierung von „Kink“, die die traditionellen Grenzen zu BDSM-Subkulturen aufweicht.
Ich erinnere mich noch gut an die toughen Lesben in Lack und Leder, die stolzen Ganges ins Lokal spazierten und die ehrfürchtigen Blicke von uns Junglesben auf sich zogen. Insbesondere Karin, eine kuhle Wampe von SM-Butch, die direkt den heißesten Lesbenträumen entstiegen zu sein schien. Einmal tauchte Karin bei einer Party mit ihrer Freundin auf, die sie an einer straff um den Hals gespannten Hundeleine durch die Menschenmenge führte. Mir und meinen Baby-Butch-Freundinnen gingen die Augen über.
Zugegeben, nicht wenige von ihnen waren ziemliche Machos, die sich etwas zu gerne in Szene setzten. Trotzdem waren die BDSM-Dykes für mich die Ausgeburt an Coolness: unangepasst, sichtbar queer und die Antithese zum gängigen Klischee vom lesbischen Blümchensex. Gleichzeitig flößte mir die Sache auch einen gewissen Respekt ein. Sadomaso? War lesbisch sein nicht schon pervers genug?
Es war auch noch gar nicht so lange her, da meinte man: Wer im Bett mit ’ner Augenbinde anfängt, wird als Axtmörder_in enden. Insbesondere unter Feminist_innen der Generation Alice Schwarzer hatte (und hat) Sadomasochismus einen üblen Ruf – sie sei eine Form von Gewalt gegen Frauen, weiblicher Masochismus sei die Verinnerlichung einer gesellschaftlich vorgegebenen Rolle. Und dass Sadomaso eine Zeitlang unter Lesben „propagiert“ wurde, sei der Schwulenszene geschuldet, so die homophobe Haltung der von Schwarzer gegründeten Zeitschrift „Emma“. Dass gerade die BDSM-Kultur einen wichtigen und differenzierten Diskussionsbeitrag zur Definition von „Konsens“ und „Zustimmung“ geleistet hat, wie sie in feministischen Auseinandersetzungen über sexuelle Gewalt diskutiert wird, wird dagegen bis heute leider übersehen. Feminismus & BDSM? Da geht noch was!

positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

Illustration: Nadine Kappacher

Suzy Fountain findet, dass auch Blümchen-Sex (aka Vanilla) ganz schön aufregend sein kann.

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