positionswechsel: Be-Bop-A-Lu

eine lady genießt und schreibt

1984, inmitten der konservativen Reagan-Ära in den USA, sorgte ein Popsong bei konservativen Eltern für entsetzte Gesichter: „She Bop“ von Cyndi Lauper. Ein Lied über weibliche Masturbation – quel scandale! Die Aufregung ging gar so weit, dass „She Bop“ vom Parents Music Resource Center (eine Initiative züchtiger Politikergattinnen, die für die „Parental Advisory“-Aufkleber verantwortlich zeichnet, mit denen vor expliziten Songtexten gewarnt wird) auf die Liste der „Filthy Fifteen“ gesetzt wurde – quasi die Hitparade der anstößigsten Popsongs der 1980er. Als Lauper-Fan trällerte ich in meinen Teenie-Jahren eifrig zu „She Bop“ mit – die Bedeutung der Textzeilen (Cyndis Wichsvorlage: schwule Erotikmagazine mit knackigen Jungs in engen Jeans) kapierte ich allerdings erst Jahre später.
Auch in der Sache selbst war ich ein ziemlicher Spätzünder. In meinem Elternhaus war Sexualität ein absolutes Tabu, von Selbstbefriedigung ganz zu schweigen. An die Gruselmärchen, dass Masturbation zu Blindheit führe, unfruchtbar und debil mache, hatte ich nie geglaubt – wie denn auch, hatte ich doch keinen Dunst, wie das überhaupt gehen soll: sich selbst befriedigen. Ab und zu fummelte ich orientierungslos zwischen meinen Beinen rum, von „good vibrations“ jedoch keine Spur. Erfüllende Selbstliebe, das gab es nur in (heimlich geschauten) B-Filmchen zu mitternächtlicher Stunde.
All das änderte sich unversehens nach meinem ersten Date: Zwar war kein Sex im Spiel – doch allein die Küsse, die wir austauschten, waren so heiß, dass ich beinahe den Verstand verlor. Als ich wieder zuhause war, rannte ich schnurstracks in mein Zimmer, verriegelte die Tür und warf mich aufs Bett. Ungeduldig nestelte ich bei mir rum – bis ich plötzlich kam. Ich war geschockt. Und begeistert! Vollkommen euphorisiert von meiner Entdeckung machte ich es mir daraufhin nicht bloß alle paar Tage, sondern gleich paar Mal am Tag … Be-Bop-A-Lu She bop! Auf die vielen schönen und verdammt praktischen Seiten von Solosex (der übrigens nicht immer alleine stattfinden muss) komme ich noch ein anderes Mal zu sprechen. Hand aufs Höschen!

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Illustration: Nadine Kappacher

Suzy Fountains Lieblingssager „Every time you masturbate … God kills a kitten“, stammt nicht von panischen christlichen Fundis, sondern zierte einst das Cover des College-Satiremagazins „The Gonzo“.

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