heimspiel: Post-Coolness

leben mit kindern

Medien für bürgerliche Jungeltern thematisieren oft die Frage, wie der Spagat zwischen der Fortführung eines jugendlichen Lebensstils und der Elternschaft zu meistern ist (Leitbild „hip parents“). Ich dachte bisher, über dieses Alter sei ich hinaus: Ich muss und will nicht die Nacht durchfeiern, wenn ich am nächsten Morgen um sieben aus dem Bett krakeelt werde. Ich kann auch häufig der Versuchung widerstehen, meine Tochter als Litfaßsäule für meinen Kleidergeschmack zu instrumentalisieren. Und mein lang gehegtes Vergnügen an der Durchforstung von Veranstaltungskalendern ersatzbefriedige ich mit der Durchsicht des Programm­angebots für Kindernachmittage am Wochenende. Und es ist die meiste Zeit okay, weil ich mir sagen kann, ich hätte das kinderlose Leben lange genug ausgekostet, um jetzt eben mal ein paar Jahre kleinfamiliäre Aktivitäten in den Vordergrund zu stellen. Es ist ja auch eine interessante Abwechslung. 

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Illustration: Nadine Kappacher

Aber es gibt Momente, da gerät diese Selbstsicherheit ins Wanken: Wenn am Freitag ein Freund anruft, um mich zum Besuch der Party mit DJ X zu animieren, der erstmals seit dem legendären Abend vor Jahren wieder auflegt – worauf ich antworten muss, dass ich das Wochenende in einer kinderfreundlichen Therme am Land verbringe. Und ich jetzt leider Schluss machen müsse, weil der Auftritt des Hausmaskottchens Kasimir beginnt. Oder wenn meine dreijährige Tochter von einem Sechsjährigen belehrt wird, dass es baby-mäßig sei, sich vor dem Verzehr das Schnitzel in lauter kleine Stücke schneiden zu lassen. Und ich dann feststellen muss, dass ich das nicht nur bei ihr, sondern auch gleich bei meinem eigenen Essen gemacht habe.

Auch die Abschottung von der Außenwelt hilft nicht. Denn die Herausforderung reift im Kreis der Kleinfamilie: In Gestalt jenes Alters, in dem Kinder sich für ihre Eltern zu schämen beginnen. „Papa, du bist so peinlich!“ Wie lange dauert es noch bis dahin? Fünf Jahre? Acht? Zehn? Schnell noch die verbleibende Zeit nützen, um – voll uncool – abends schon um zehn schlafen zu gehen!

Beat Weber ist eine Autorenleihgabe der Zeitschrift „MALMOE“.

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