bonustrack: Detouring with Luise Pop

Take me out / And don’t slow down / Let’s leave this town / It’s dangerous to turn around

Dienstag, 3:30 p.m., back in Berlin, bei Kaffee am Küchentisch, der schweigsame Pianist aus dem Seitenflügel stimmt eben wieder sein alltägliches impressionistisches Etüdenspiel an. Am Ostersonntag ist die Time is a Habit/ Čas je zvyk-Spring-Tour 2012 der Gruppe Luise Pop mit einem Abschied am Hauptbahnhof in Dresden zu Ende gegangen. Ja, wir haben auch ein wenig Tschechisch gelernt! In Brno mit Tomás und Mara begonnen, die Setliste zu übersetzen, leider den Zettel tags darauf verloren, den Anfang aber gemerkt: 1. Černá Kočka/Black Cat, 2. Chlapci/Boys. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Auenland in Tschechien liegt! Das wird mir schlagartig klar, als ich abends in Beroun, einer Kleinstadt südlich von Prag, mit Pepin rauche. Nach der Show schlafen wir wieder in Prag, oberhalb vom Chapeau Rouge, wo wir am Vorabend gespielt haben, gleich hinterm Altstädter Ring: Einfach der TouristInnenherde folgen, dann kommst du zur Karlsbrücke. Ja, Prag ist schrecklich, äh, schrecklich schön. Am nächsten Tag führt uns die Straße nach Ostrava mit seinen rauchen-den Schornsteinen, Fabriksruinen und papierenen Plattenbauten. Das Konzert im Plan B Hardcore Café wird von den Einheimischen unerwartet euphorisch aufgenommen: Mehrere Biere werden auf und neben der Bühne vergossen, Mikroständer verabschieden sich immer wieder, es ist sehr lustig.
Die tschechische Konzertkultur haben wir lieben gelernt: Der Soundcheck ist dort Teil der Show, das Publikum tanzt vom ersten Ton an. Am nächsten Tag geht es über die Grenze in die Slowakei, wo das Licht klarer und die Architektur nüchterner ist als im Auenland, südlich der Tatra entlang, vorbei am majestätischen Spišský Hrad nach Košice. Hmmm, die Farben, der Himmel über der hügeligen Steppe: Am liebsten möchten wir in die Ukraine weiterziehen. Daraus wird diesmal leider nichts. Dafür verfahren wir uns auf dem Rückweg ausführlich in Budapest, wo das Licht golden ist, auch sehr zu empfehlen.

bonustrack_mai_2012

Illustration: Lina Walde

Vera Kropf ist Gitarristin und Sängerin und verfährt sich mit Luise Pop und Half Girl in und zwischen diversen europäischen Städten.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.