heimspiel: „Alles Schlampen außer Mami“

leben mit kindern

… sagen meine Kinder routiniert, bevor sie mir am Abend einen Gute-Nacht-Kuss geben, um danach sofort einzuschla­fen und bis zum Morgen keinen Pieps mehr zu machen. Nach drei Jahren Schlafentzug und mindestens genauso viel Anstrengung, um dessen Resultate – wie z.B. dunkle Augenränder, Schwitzen, Genervtheit bis latente Aggressi­vität – möglichst vor anderen Menschen, aus dem normalen (queeren, meist kinderlosen) Leben, zu verbergen, verstehe ich verbale Entgleisungen wie „Go the fuck to sleep!“und wünschte, ich wäre tendenziell etwas phlegmatischer.
Wir haben zwei unendlich wundervolle Kinder! Und ja, wer hätte das gedacht, die Nächte werden tatsächlich besser und dem Schlafentzug sowie dem damit einhergehenden lesbi­schen Szeneentzug, weil man für wirkliches Ausgehen eh zu müde ist, lässt sich auch wieder besser begegnen.
Aber kann man eigentlich eine gute Mutter sein, wenn man sich in der Nacht auf einer Burlesque-Bühne amüsiert, blöde Sprüche ins Mikrophon macht, Sekt ohne Ende trinkt und viel zu viele Zigaretten raucht für eine, die eigentlich damit aufgehört hat? Ist es okay in der Früh beim Aufwachen die falschen Wimpern den Kindern als Bart aufzukleben und sich dabei gemeinsam totzulachen? Es ist nicht so, dass ich eine komplett verschreckte, unsichere und permanent an mir zweifelnde Person bin, aber keine bisherige Kunstkrise und keine Versagensängste vor Auftritten – und ich schwöre, mit meinem Lampenfieber will so schnell auch niemand tauschen – haben nur annähernd die Dimension gehabt wie meine Angst, es als Mutter nicht gut genug zu machen.
„Okay is good enough!“ sagt der Supervisor, und ich sage: „Zwei Mamas sind zwei Mamas, und eine ist einfach nur eine!“

Heimspiel. Leben mit Kindern

Illustration: Nadine Kappacher

Elsa Hohlwein ist eine von zwei lesbischen Müttern, sie haben (natürlich) die tollsten Kinder der Welt und leben in Graz. Sie kann nicht verstehen ,warum immer noch so viele Eltern diese „Es ist alles ganz easy“-Performance aufführen und ist davon überzeugt, dass 50/50-Aufteilung in Familien ein absolutes Muss ist, um nicht wahnsinnig zu werden.

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