Zarte Füße, dicke Hintern

Zwischen Diätplan und Rebellion: VINA YUN hat sich durch einen Stapel klassischer und neuer Kinder- und Jugendbücher gelesen und vergibt Donut-Punkte für widerständiges Potenzial.

 

wanda Name: Wanda
Statur: Rund wie eine Christbaumkugel
Wird verspottet als: „Wanda Walfisch dick und rund, Wanda Walfisch hundert Pfund!” (Chor der dünnen Mädchen)
Fühlt sich am unwohlsten: Im Schwimmbad
Markenzeichen: Macht Riesenfontänen, wenn sie ins Wasser springt. Nicht minder aufsehenerregend: Wandas grün-orangefarbener Oma-Badeanzug mit den weißen Punkten.
Diäten: Null
Romantische Verwicklungen: Ein rothaariger Knirps namens Arthur. Wer nach einer rührseligen Kleinmädchen-Love-Story sucht: Vergessen Sie’s!
Message: Die Kraft der Gedanken machen Kilos zählen überflüssig. Wenn du leicht sein willst, denke Feder. Wenn du aber eine coole Riesensupermegafontäne hinlegen willst – denk Superwal!
Donut-Faktor: 5 von 5
Davide Calì, Sonja Bougaeva: Wanda Walfisch, Atlantis 2010, ab 5 Jahren
prinzessin zartfuss

Name: Hermine aka Prinzessin Zartfuß, 12 Jahre alt
Figur: Besonders groß und „schwer wie zwei Prinzessinnen”. Hätte das Zeug zur Gewichtheberin.
Wird gescholten als: Fräulein Trampel, Fräulein Übergröße, das dicke Monsterkind, das fette Kind
Besonderes Talent: Die mit den Elefanten tanzt (und dabei Berge versetzt).
Diäten: Wenn man auf einem Vulkangebirge festsitzt (noch dazu mit lauter verrückten Erwachsenen), hat man wahrlich andere Sorgen.
Beziehungsstatus: Nur Tiere sind deine wahren Freunde.
Botschaft: Riesen dürfen niemals aussterben. Und an alle „wunderschweren” Mädchen: Tanzt euch ins Glück!
Donut-Faktor: 4 von 5
Albert Wendt, Maria Blazejovsky: Prinzessin Zartfuß und die sieben Elefanten, Jungbrunnen 2007, ab 7 Jahren

dicke didi Name: Didi
Gewicht: So schwer, dass sich auf der Wippschaukel fünf (schlanke) Kinder ans andere Ende setzen müssen, um sie hochzubringen.
Auch bekannt als: Elefantenbaby, „die Blade”, Schwabbelkugel
Ist dick, weil: Die Oma sagt, es sind die Drüsen.
Fühlt sich am unwohlsten: Am Schulwandertag
Kompetenzbereiche: Mathematik (Genie-Status). Hard-Rock-Musik.
Diäten: Ein großer langer Wutlauf („Anpassen, dünn werden, was sonst noch! Scheiße!”), gefolgt von einer manischen Sportphase (Schwimmen, Hunde ausführen, Rollerbladen, Unkraut jäten) während der Sommerferien.
Lustobjekt: Der fette Felix. Als ihr geliebter Freund dünn wird (Mumps sei Dank), will Didi nicht mehr dick sein. Das nennt man wohl „maßlose Liebe”.
Motto: Abnehmen ist gut, Solidarität mit Dicken ist besser. Fat Rights für die Siedlung Eintracht am Wiener Stadtrand!
Donut-Faktor: 3 von 5
Christine Nöstlinger: Dicke Didi, fetter Felix, Dachs Verlag 1998, ab 10 Jahren
Name: Gretchen Sackmeier, 14 Jahre alt
Fühlt sich: „Fetter als ein Kübel voll Gänseschmalz” bei 1,60 Meter Größe und 64 Kilo Gewicht
Ist dick, weil: Vererbung, sagt die Großmutter. Nicht umsonst regiert bei den Sackmeiers der Hüftspeck.
Kriegt Stress: Im Turnsaal
Wird schwach bei: Billigen Heftchenromanen über Schicksale aus dem Hochadel
Diäten: Keine. Verliert aber ein paar Pfunde, als sich die Eltern trennen.
Beziehungsstatus: Zum allerersten Mal verliebt. In den Florian Kalb, dessen „Tapsch-Grapsch-Sitzungen mit Küsschen” aber bald öde werden. Der Hinzel hat schreckliche Zähne, ist dafür intellektuell interessanter.
Resümee: Erwachsenwerden ist furchtbar kompliziert. Wenn sich erwachsene Frauen von ihren Ehemännern emanzipieren, steht am Anfang eine Diät (siehe Gretchens Mama).
Besonderheiten: Während auf dem Buchcover der Originalausgabe ein dickes Mädchen mit Schaumrolle und Groschenroman zu sehen ist, gleicht Gretchen bei der Neuauflage von 2005 einer Beauty-Prinzessin. Rosa Herzchenheft inklusive.
Donut-Faktor: 4 von 5
Christine Nöstlinger: Gretchen Sackmeier, Verlag Friedrich Oetinger 1981, ab 12 Jahren
du bist zu dick Name: Isabella
Selbstwahrnehmung: Wie ein „preisgekrönter Mops”
Kriegt Namen wie: Fetti, dicke Nudel, Dickmadam, Tönnchen
Größter Albtraum: Seilklettern im Turnunterricht
Ist dick, weil: Im Grießbrei ein extra Stück Butter schwimmt und Schokolade auf’s Butterbrot geraspelt wird. Von wem? Der Oma natürlich.
Markenzeichen: Eindeutig: Aus dem Mädchen spricht die Pädagogin (= Autorin).
Diäten: Eine. „Zufälligerweise” ist der Vater der neuen besten Freundin Arzt und erstellt einen Diätplan.
Romantik-Level: Hansi Eisenstein ist zum Reden gut. Aber sonst: zu hässlich.
Motto: „Gefüllte Kühlschränke sind der Tod aller Dicken.”
Donut-Faktor: Was sind Donuts?
Sibylle Mews: Du bist zu dick, Isabella, Jugend & Volk 1982, ab 12 Jahren
dick angezogen Name: Paulina Seemann, Maturantin
Kleidergröße: 52, bei ca. 120 kg
Fühlt sich wie: „Austria’s next Speckschwarte”
Leidenschaften: Liebt Bollywood-Filme. Hängt in Galerien und Museen rum. Angehende Kunststudentin in Barcelona. Tanzt super. Ihre Schildkröten hat sie Demi und Ashton getauft.
Diäten: Vor Beginn der Geschichte hat „Paulchen” bereits mehrere Hungerkuren hinter sich gebracht, das erste Mal mit 13. Jetzt ein Mix aus ärztlichem Diätplan, TCM, Weight Watchers. Gewichtsverlust: insgesamt ca. 50 Kilo in neun Monaten.
Objekt der Begierde: Mit Marcus Mepié purzeln die Kilos fast wie von selbst. Die verliebte Paulina will aber richtig abspecken, um es zu tun.
Was bleibt: Dickes Mädchen findet (schwarzen) Traumprinzen. Und: „Ich werde wohl mein Leben lang aufpassen müssen.” Fette Mädchen sind sich selbst der größte Feind.
Donut-Faktor: 1 von 5
Chantal Schreiber: Dick angezogen, Planet Girl/Thienemann 2010, ab 13 Jahren
bitterschokolade Name: Eva, 15 Jahre alt
Statur: 67 Kilo, „nicht besonders groß”
Ist dick, weil: Der heimliche Hering-Mayonnaise-Salat im Park, Fressattacken in der Nacht. Plus: Wird von der Mutter gefüttert.
Kommt sich vor wie: Ein „Elefantenkörper”
Fühlt sich am unwohlsten: Im Badeanzug in der Umkleidekabine, ganz dicht vor dem Spiegel
Talente: Super Tänzerin. Ansonsten deutet Leonard Cohen auf die üblichen Teenager-Depressionen hin.
Diäten: Ja – heimlicher Kauf eines Diätbuchs, mit anschließendem Outing vor der Mutter (die sich begeistert zeigt, was „Leichtes” für die ganze Familie zu kochen).
Beziehungsstatus: Ein romantischer Sommer mit Michel, der immer pleite ist. Und er will mehr, trotz „Wabbelschicht”.
Erkenntnis: Wenn man den Geist scharf stellt, gibt es überall schöne Dicke.
Donut-Faktor: 3 von 5
Mirjam Pressler: Bitterschokolade, Beltz & Gelberg 1980, ab 13 Jahren
die erde mein hintern Name: Virgina Shreves
Fühlt sich: Nicht schwabbelig dick. Eher pummelig dick. Trägt Größe XXL. „Wenn sie noch einen Film wie ,Schweinchen Babe in der großen Stadt’ drehen würden, bekäme ich die Hauptrolle.”
Fühlt sich am unwohlsten: Im Schwimmbad
Attitüde: Mit Ani DiFranco und Virginia Woolf fängt die feministische Laufbahn an. Und beim Kickboxen kann man die Wut so richtig rauslassen.
Diät: Ja, zusammen mit Dr. Love, dem netten Jugendarzt.
Romantische Verwicklungen: Froggy Welsh der Vierte küsst und fummelt eindeutig besser als sein Name.
Botschaft: Fitness-besessene Mütter sind die Hölle, Väter sollten überhaupt die Klappe halten, wenn es um „Figurprobleme” geht. Der Hintern ist zwar noch immer dick, aber beim Grooven „macht es viel mehr Spaß, mit dem Allerwertesten zu wackeln.” Und: „Jetzt und für alle Zeiten: Ich hasse Salat.”
Donut-Faktor: 4 von 5
Carolyn Mackler: Die Erde, mein Hintern und andere dicke runde Sachen, Carlsen 2004, ab 13 Jahren
hungry

Name: Crystal Renn
Bekannt als: Amerikas Plus-Size-Model Nr. 1
Motto: „Ich bin nicht die beste Freundin aus den Filmen. Ich bin das scharfe Mädel.”
Sagt Ja zu: Erdnussbutter. Statt der typischen Model-Ernährung aus „Blattsalat an Fliegenschiss” gibt’s drei volle Mahlzeiten am Tag. „Das Klischee besagt, dass Models hirntot sind, aber einige von uns sind bloß am Verhungern.”
Diet or Riot?: Um als „Straight Size”-Model arbeiten zu können, hungerte sie sich als Teenager innerhalb eines Jahres fast die Hälfte ihres Körpergewichts vom Leib, auf unter 50 Kilo. Seitdem hat Crystal Renn nie wieder Diät gemacht.
Romantik: Auch im wirklichen Leben gibt es ihn, den Traummann für das dicke Mädchen. Ein amerikanisches Happy-End.
Message: Im heutigen Nordamerika als Mädchen heranzuwachsen bedeutet zumeist, „sich gegen den eigenen Körper zu richten”. Und: „Das Problem ist nicht das Gewicht – es ist die Gewichtsbesessenheit.”
Donut-Faktor: 5 von 5
Crystal Renn: Hungry, Heyne 2009, ab 13 Jahren