heimspiel: Wie machst du das eigentlich?

leben mit kindern

Als Alleinerzieherin eines mittlerweile Zweijährigen falle ich weiterhin nicht auf. Wochentags in einem stark frequentierten Wiener Schwimmbad kann ich die amtlich bestätigten 14 Prozent nicht ausfindig machen, die sogenannten „Ein- Eltern-Familien“ mit Kindern unter 15. Ich sehe jedenfalls bis zum Badeschluss eine ganze Masse von mindestens 98 Prozent Frauen im Kinderbereich. Ich werde auch nur noch selten gefragt: „Sag, wie machst du das eigentlich?“, denn die Mütter in meinem Bekanntenkreis sind selbst sehr beschäftigt. Zugegeben, ich spreche hier über AkademikerInnen mit Wohnsitz innerhalb des Gürtels bzw. in gentrifizierten Bezirken. Also echt nicht der Durchschnitt. Von dieser Gruppe bekommen jene, die bisher ohne Job nur ihr Kind betreuten, demnächst das zweite oder haben begonnen, wieder zwei, drei Tage die Woche zu arbeiten. Ich habe mich schon öfters gefragt, wie machen die das eigentlich? Nur Kind wäre mir nämlich viel zu anstrengend gewesen, wenn ich sehe, wie ausgebucht diese Mütter waren: Die Termine führten sie von der Osteopathin über die Beikostberatung in die Elternabende der Pikler-Gruppe und zurück. (Emmi Pikler war die Gründerin einer Bewegungsphilosophie im Ungarn der 1950er Jahre.) Dazwischen gab es noch Baby- Schwimmkurse, und die aktivsten meiner Bekannten haben zudem sogar Gehörlosensprachkurse besucht. Ehrlich, das ist jetzt total in, damit kann frau nämlich mit dem Nachwuchs schon vor der Spracherlernung kommunizieren!
Für den Baby-Schwimmkurs war ich zugegeben zu faul, außerdem fand ich ihn unverschämt teuer. Und wie mache ich das eigentlich? Ich arbeite 31 Stunden, mein Sohn ist im Kindergarten und lebt jeweils zwei Tage pro Woche bei meinen Eltern. Die restliche Zeit ist „quality-time“ für uns, womit ich sehr zufrieden bin. Einige meiner Freundinnen aus „Zwei-Eltern-Familien“ waren unlängst zum ersten Mal abends wieder im Kino. In diesen Kreisen aber eine Frage der Prioritäten und nicht des Geldes. 

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Ilustration von Nadine Kappacher

Alice Ludvig ist seit über zwei Jahren aus freien Stücken Alleinerzieherin und lebt in Wien.

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