positionswechsel: Paranoid Android

eine lady genießt und schreibt

 

Nach Jahren überzeugter Handarbeit ließ ich mich dennoch kürzlich wieder einmal dazu hinreißen, einen Sexshop zu besuchen. Vor einer Wand voller Dildos stehend kamen mir alte Erinnerungen in den Sinn. Erinnerungen an meinen ersten und einzigen Dildo. Die Erwartungen konnten nicht erfüllt werden, nach zahlreichen Versuchen war klar: Es funktioniert einfach nicht. Nicht mal im Alleingang.
Aufgereiht wie eine auseinandergenommene Matrjoschka standen da also die verschiedenen Formen und Größen und als letzte und kleinste Version: das damals von mir gewählte Modell. Und trotzdem zu groß für mich? Gibt’s das?
Zurück daheim machte ich mich an die Recherche und siehe da! Nach mehreren absurd klingenden Suchanfragen, unzähligen Foren, in denen Frauen von schmerzhafter Penetration berichteten, und noch mehr Websites über die menschliche Anatomie konnte ich die Puzzleteile endlich zusammensetzen: Ich habe ein androides Becken. Einen engen Vaginaleingang in steilem Winkel. Ich bildete es mir also nicht ein. Und die Frauen im Internet auch nicht. Da ist ein Schambein im Weg, um das manövriert werden muss. Vielleicht hätte ich mir auch schon eher Gedanken gemacht, hätten meine Partner_innen im wahrsten Sinne des Wortes keine(n) Finger gekrümmt bzw. hätte ich mehr mit unbiegsamem „Sexspielzeug“ zu tun gehabt. Erwähnt wird diese anatomische Variante leider nur in Zusammenhang mit dem Gebären. Scheint ja das Wichtigste zu sein, das Frauen mit ihrem Körper tun können bzw. wollen sollen. Würde dieses Thema auch anderweitig besprochen, so wären derartige sexuelle Schwierigkeiten einfacher lösbar. Den Winkel bzw. die Stellung verändern und beim Spielzeugkauf auf die notwendige Form achten. Aber woher soll man das wissen, wenn niemand darüber spricht? Das Gute an meiner Geschichte ist immerhin, dass ich durch meine intensive Recherche über eine Website (wetforher.com) gestolpert bin, die schon vorab ein Bedürfnis befriedigt: Ein Sexshop, bei dem jegliche Größenangabe mit der Anzahl von Fingern erklärt wird.

 

Lily Kastro hat immer noch kein Faible für Sexspielzeug. Trotzdem: Wieder was gelernt.

 

© Sabrina Wegerer

© Sabrina Wegerer

 

 

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