heimspiel: Sexualerziehungs-Zuckerl für Schulen

leben mit kindern

 

Wenn die katholische Kirche, phobische Sexualpädagog*innen und ein Pharmakonzern sich in Bayern zu einem flotten Dreier zusammenfinden, kommt das dabei raus, – eine deutschland- und österreichweite weiße-hetero-binäre-Reproduktions-Veraufklärung.
My Fertility Matters” heißt das Programm, das nun „Mädchen und Jungen in die Pubertät begleiten” will und Workshops an Schulen anbietet.
Ich bin froh, dass unserer Tochter* das MFM-Mitmachtheater „KörperWunderWerkstatt“ in ihrer vierten Klasse erspart bleibt. Ihre andere Mutter* hat Eltern und Lehrerin* überzeugt, sich gegen den fast schon gebuchten Workshop auszusprechen.
Die MFM-Dreifaltigkeit (1) preist ihre Sexkunde als progressive Körperkompetenz bildende Vertiefung zum Biologieunterricht an, kann dabei jedoch nicht über ihren weißen binären Schatten springen und verkauft stur tradierte hetero Zwei-Geschlechter-Körperbilder als funktionierende Reproduktionsapparaturen. „Sich nicht vor der Fruchtbarkeit schützen, sondern sie zu beschützen!“ – so der Leitspruch, der vor allem durch eine „wertschätzende Sprache“ von den Kids verinnerlicht werden soll. Die Östrogene werden so zu den „besten Freundinnen der Frau“ (ich habe meine Androgene eigentlich viel lieber!) – und die Gebärmutter ist die „Bühne des Lebens“. Wo spielt nochmal die Musik? Im Großraum Klitoris, Anus, Finger, Ohrläppchen, Zehenzwischenraum, im Kopf oder lieber vorerst gar nicht?
Homo-/Bi-/Trans-/Inter-Körper, -Identitäten und Sexualitäten existieren – auf explizite Nachfrage – nicht im Programm, weil sie die Schüler*innen „verunsicherten“.
Mit so einem klerikalen Apotheken-Cocktail werden die Lebensrealitäten und das Wissen von zum Beispiel muslimischen und jüdischen Schüler*innen einfach runtergespült. Und progressiv vertiefen lassen sich mit MFM nur die ohnehin im staatlichen Unterricht verordneten Rassismen, Homophobien und Körpernormierungen.

 

Theo Hoffnungsthal ist pendelnde Mutter* zwischen zwei Ländern und bedankt sich bei ihrer Ex für ihre Überzeugungsarbeit und Suche nach wertschätzender Sexpädagogik vor Ort und für ihre Nerven aus Stahl.

 

(1) Klerus, Homo-/Bi-/Trans-/Inter-Phobie und Boehringer Ingelheim GmbH & Co KG

 

 

Illustration: Nadine Kappacher

Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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