lebenslauf: Totenbetthupferl

auch feministinnen altern

 

Frauen leben länger, super, immerhin. Vielleicht hängt es an unsern tollen Doppel-X-en? Nicht nur, die Herren sind bezüglich Jenseitsbeförderung deutlich motivierter. Was sie alles tun bzw. nicht tun! Couch potatoes auf Steinzeitdiät. Sie duellieren sich häufiger, neigen zu Risiko und Raserei und haben im Raufen und Saufen immer noch einen Vorsprung. Letzteres, unfair, wegen ihrer extrem strapazierfähigen Leber, die sie dann, what else?, überstrapazieren. Frauen, so liest frau häufig, seien dafür generell strapazierfähiger, würden mit ihren Ressourcen haushalten und dann eben hausfraulich ein paar Jahre mehr für sich herausschinden. Durch die Pamper Canyons zu robben ist zwar nicht der Thrill, aber mit deutlich weniger unmittelbarem Ablebenspotenzial verbunden als von einer schroffen Klippe ins Nada zu jumpen. Wenn die von der XY-Abteilung sich mit Drogen zudröhnen, gehen sie meist auch radikaler ans Werk. Selbst bei der Gottesdroge machen sie gern einen auf Ex. Statt einfach mal an die Luft zu gehen, sprengen sie sich in dieselbe. Sie gehen eben gern aufs Ganze, und dann eben drauf. So sind sie halt.
Späterer Exitus, streng, aber gerächt! Ein Trost für trostlose Etappen, allein Stehen, allein Liegen, allein Erziehen? Für all die Spagate, die akrobatischen Kunststücke, um es allen recht zu machen, in allen Rollen nicht aus der Rolle zu fallen, es sind meist keine Prinzessinnenrollen? Gut, Mütterchen, ein paar Jährchen gibt’s noch drauf. Jetzt hast du Ruhe, vor der ewigen, es kann plötzlich sehr ruhig werden, wo sind sie plötzlich alle? Eben sind mir noch alle auf der Nase herum getanzt.
Old school boys’ and girls’ stories, bald Legenden aus fernen Zeiten?, grübelgrübelt Greisin. Weil Männer und Frauen ja bald ganz andere sind und jede(r) einfach nur sie_er selbst, was wahrscheinlich auch nicht einfach ist.
Wie auch immer, ein kleines Totenbetthupferl. Lotte Ingrisch, die in ihrer Hofburgwohnung bei Rotwein und Schokolade mit Gespenstern konversiert, kann ihren Tod kaum erwarten. Sterben ist DER Orgasmus! Für alle. Auch für Männer.
Schon ok, wir sind ja nicht so.

 

Michèle Thoma geht auf die hundert zu.

 

Kolumne Lebenslauf

Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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