bonustrack: „Talentbefreite 3-Chord-Pampe“

„Ich hasse das so sehr, dass ich meinen kompletten Verlauf gelöscht habe, damit nichts, was dem ähnlich ist, erneut bei mir angezeigt wird.“ So übersetze ich den Kommentar des Typen auf Youtube unter einem Ankathie-Koi-Video. Solche Kommentare sind recht erheiternd, da vergleichsweise sehr harmlos zu früheren Erlebnissen dieser Art. „Absolut fürchterliche Gestalten“, lautete ein Facebook-Kommentar nach unserem TV-Auftritt bei „Willkommen Österreich“, damit waren die Fijuka-Damen gemeint;
Egal, ich liebe diesen Beruf. Ich liebe es, Musikerin zu sein. Aber was ich immer hasse: Doppelmoral. Denn es gibt definitiv strengere äußerliche „Auflagen“ für Frauen in der Popmusik als für ihre männlichen Kollegen. Als Frau fällt man viel schneller durch das Raster. Fact.
Dass nicht jedes der Outfits von „Koi“ für jeden verträglich ist und auch gerne manchmal ein klein wenig an der Grenze zum Geschmacklosen, nun ja – schrammt, ist mir bewusst. Dass nicht jeder versteht, was ich damit meine, wenn ich sage: „Ich habe es noch nie so genossen, eine Frau zu sein, aber ich habe es auch noch nie so genossen, mich auf der Bühne so männlich zu gebärden wie heute“, ist mir ebenfalls bewusst. Da liegt schon noch Arbeit vor uns. Call me dumb, aber ich verstehe trotzdem nicht, dass es Lady-Gaga-Fans gibt, die meine Kleidung mit „äußerlich absolut drüber, völlig übertrieben, eine menschliche Miss Piggy, was konsumiert die Alte eigentlich?“ kommentieren.
Ein Herr B. hat damals im „Willkommen Österreich“-Chat vorgeschlagen, dass sie doch mal jemand einladen sollen, der nicht so „Kacke“ und „schwer talentbefreite 3-Chord-Pampe“ macht. Ich dachte, vielleicht ist der nette Herr eher im Jazz oder in der E-Musik bewandert. Doch beim ersten Blick auf die laut ihm für dieses Format besser geeignete Band sprang mir sogleich der Song „Dicke Titten“ ins Gesicht. Mir persönlich egal, wie jemand seine Songs tituliert (das hat jetzt auch gar nichts mit jener Band zu tun und tatsächlich ist es sogar ein Anti-Dicke-Titten-Song!), ich bin nicht streng und mit einem äußerst guten Humor gesegnet. Aber bei Herrn B. steig ich irgendwie aus. Und gleichzeitig ist meine Welt auch wieder in Ordnung. Irgendwie.

 

Ankathie Koi ist Sängerin und Komponistin. Als exaltierte Sängerin des Duos Fijuka bekannt geworden, wird sie im April diesen Jahres das Debütalbum „I hate the way you chew“ ihres Soloprojekts „Ankathie Koi“ veröffentlichen.

 

Illustration: Ankathie Koi

Illustration: Ankathie Koi

 

 

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