positionswechsel: I want to ride no bicylce

eine lady genießt und schreibt

 

Dass Autofahren für mich untrennbar mit Sex verbunden ist, habe ich hier bereits ausgeführt. Anders sieht es da mit dem Fahrradfahren aus: Nichts könnte mich mehr abtörnen. Schuld daran ist ein prägendes Erlebnis während meines Auslandssemesters. Da lernte ich Florian kennen – Sportfreak und Gesundheitsapostel, Nachbar im Studierendenheim. Ich war so verschossen in den Kerl, dass ich vor dem Einschlafen nur noch an ihn und seine Dehnungsübungen in Lauf-Shorts denken konnte und mich zu kindischen Lügen hinreißen ließ. Rauchen? Ich? Wie eklig! Unsere Dates liefen – obwohl wir absolut gar nichts gemeinsam hatten – überraschend gut, nur meinen wilden Sex-Träumen war ich noch nicht mal einen Kuss nähergekommen. Drei Wochen vor meiner Abreise dann die verheißungsvolle Einladung: Sein Mitbewohner war verreist, ich könnte doch bei ihm übernachten. Davor: ein Radausflug. Die Frage nach meiner Sportlichkeit beantwortete ich nicht ganz wahrheitsgemäß – die Pfandflaschenrückgabe mit der Sporttasche war zu dieser Zeit meine regelmäßigste Anstrengung –, sondern stimmte begeistert dem Angebot zu, das Mountainbike seines Mitbewohners benutzen zu dürfen. Das Schicksal schlug zurück. Zwar überstand ich die Hinfahrt röchelnd mit stechendem Schmerz in der Brust, doch auf dem Rückweg zog just auf einem Steilstück mitten im Wald ein heftiges Gewitter auf. Während erste Äste auf den Weg stürzten und Florian panisch „Los, das ist gefährlich!“ schrie, strampelte ich völlig durchnässt um mein Leben. Nach dreihundert Metern Bergfahrt war ich so fertig, dass Florian nicht nur sein eigenes, sondern auch mein Rad schieben musste. Zurück in der Zivilisation parkten wir wortlos unsere Räder im Keller und Florians Gesichtsausdruck zeigte mir, dass ich diese Nacht nicht in seinem Bett verbringen würde. Einsam in der StudentInnenbude verfluchte ich Fahrradtouren, alle Drahtesel und ganz besonders Mountainbikes – die einem doch tatsächlich die Nacht des Lebens versauen können.

 

Lotta Luise wünschte, die Mountainbike-Tour wäre die einzige Dummheit, die sie aus sexueller Gier begangen hat.

 

Illustration: Nadine Kappacher

Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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1 Kommentar

  1. Liebe Lotta Luise,

    ich finde es schade, dass du nun Mountainbikes verfluchst. Grund für deine kleine „Niederlage“ war ja nur dein Untrainiertsein und das ist ein Umstand den man ja prinizipiell ändern kann. Was man nicht ändern kann, ist das unsportliche Verhalten von Florian im Anschluss. Seine eigene Frustration über eine „misslungene“ Radtour hätte er doch einfach in Ermutigung und Sportsgeist umwandeln können. Die Tatsache, dass er dich wegen deines „Versagens“ (was in meinen Augen keines ist) nicht mehr bei sich schlafen ließ, ist viel mehr Grund ihn statt Mountainbikes zu verfluchen. Und außerdem: Solche Menschen braucht man doch eh nicht, die einem nicht den nötigen Support geben. Denn dann hätte dieser Ausflug trotz Unfitness und nassen Klamotten auch wildromantisch enden können.

    Ermutigende Grüße von einer Mtb-Begeisterten.
    Eva

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