positionswechsel: 300 PS

eine lady genießt und schreibt

 

„La- la- la- la- la- lass mich nicht los, le- le- le- le- le- leg dich zu mir“ – kennt ihr, ne? Das trällern die postpubertären Burschen von Bilderbuch in ihrem Song „Maschin“, dem eine besonders subtile Performance sexueller Inhalte attestiert wird. Aber seien wir mal ehrlich: So subtil ist das nicht. Und es geht dabei nicht um Maurice Ernst, der am Fensterheber herumfummelt, sondern um den Protagonisten des dazugehörigen Musikvideos: den gelben Lamborghini.
Der Grund, warum ich hier unter Pseudonym unterwegs bin, ist folgendes Geständnis, das mir einen sofortigen Verweis aus der Interessensgemeinschaft Feminismus und der Grünen Partei (wäre ich denn Mitglied) bescheren würde: Ich finde Autos sexy. Schlimmer noch: Ich weiß, wie der V8-Motor eines Maserati Gran-Turismo klingt (wie purer Sex), wer 2006 Formel-1-Weltmeister wurde, und ich habe die Vorzüge deutscher Autobahnen bereits mit mehreren Leihwagen erfahren (da darf es auch mal ein Audi sein). Schuld an dieser Fixierung ist vermutlich mein provinziell-proletarisches Aufwachsen: Umgeben von Jugendlichen, die auf ihren ersten tiefergelegten Honda Civic mit Sportauspuffsparten, erwartete ich nichts sehnlicher als den Führerschein, um meinen um zwei Jahre jüngeren Boyfriend und die damit verbundenen sexuellen Abenteuer zu erreichen. Das Ergebnis waren postkoital-berauschte Fahrten durch die Nacht und die Erkenntnis, dass Autofahren nach dem Orgasmus ebenso bedenklich ist wie nach drei Bier.
Mit dem bildungsbürgerlichen Aufstieg veränderten sich auch meine Vorlieben: Eine schnelle Testfahrt in einem Mazda MX5 befriedigte mich nicht mehr, der Traum vom Mercedes SLK Roadster erwachte. Nicht, dass ich jemals so viel Geld (das ich nicht habe) für diese pervers teure Karre ausgeben würde. Aber noch heute ziehe ich mir gelegentlich nachts diese kleinen schmutzigen Filmchen rein, die Marketing-Menschen der Autoindustrie auf ihre Websites stellen. Und lösche danach beschämt den Browserverlauf. Maschiiin.

Lotta Luise findet – wenig überraschend – „Bad Girls“ von M.I.A. ziemlich gut.

 

Illustration: Nadine Kappacher

Illustration: Nadine Kappacher

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1 Kommentar

  1. heißer Text!

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