positionswechsel: Im Namen des Arsches

eine lady genießt und schreibt

 

Ich liebe Hintern. Nein, richtig ist: Ich liiiieeeebe Hintern! Schon in der Schule schielte ich gern auf den Po meiner Altersgenoss_innen. Ich selbst war (und bin) in Hinblick auf meine vier Buchstaben eher mager ausgestattet – platt wie eine Flunder und ohne nennenswerte Rundungen. Umso interessierter zeigte ich mich am kurvigen Rückenende der anderen. Die meisten meiner Schulfreundinnen erklärten ihren Hintern jedoch zur permanenten Problemzone: zu groß, zu breit, zu fett! Für mich vollkommen unverständlich. Was sie verächtlich „Stockerlarsch“ schimpften, fand ich einfach hinreißend.
Angeblich kennt die deutsche Sprache über hundert (regionale) Synonyme für den Allerwertesten, aber es ist dennoch vor allem das Englische, das einen Berg an Bezeichnungen für das Hinterteil parat hat. Ob butt oder buns, fanny oder caboose, rump oder tush – die US-Popkultur hat nicht nur eine Fülle an Namen und Bildern, sondern auch alternative Schönheitsideale im Namen des (weiblichen) Arsches in Umlauf gebracht: Baby got back.
Eigentlich könnte ich mich über so viel Booty-Präsenz freuen. Aber die Tatsache, dass das dicke Ende mit einer Reihe von kolonialistisch-rassistischen Stereotypen belegt und seine Kommerzialisierung meistens arg sexistisch ist (vielsagend der Begriff „money maker“), verwickelt meine Hinternliebe auch in Widersprüche. Zugegeben, ich kann nicht weggucken, wenn Kim Kardashian auf dem berüchtigten „Paper“-Magazincover ihr Derrière präsentiert. Aber statt dieses retuschierten, schablonenhaft geformten Pfirsichgesäßes, das glänzt wie ein glasierter Donut, würde ich gerne Pos „au naturel“ in den Zeitschriften sehen: mit Dellen, Dehnungsstreifen und Falten, mit Haaren und Muttermalen. Kleine und große, alte und junge, flache und volle. Kurzum: ein Sprung mit dem Arsch ins Photoshop-besessene Gesicht dieser Gesellschaft.

Suzy Fountain fühlt sich seelenverwandt mit Peggy Bundy aus der TV-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“, die im Bett immerzu nur das eine will: „Reib mir den Hintern!“

 

positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

Illustration: Nadine Kappacher

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