„Von Beruf bin ich Rechtsanwalt, Feministin sein ist mein Hobby“

HELENE KLAAR ist feministische Scheidungsanwältin in Wien. IRMI WUTSCHER hat sie erzählt, warum sie trotz allem für die Ehe und gegen die Scheidung ist.

 

an.schläge: Sie gelten als Wiens „feministischste Scheidungsanwältin“ – warum?

Helene Klaar: Am Anfang meines Berufslebens war ich noch keine engagierte Feministin, sondern hatte ganz andere Ambitionen. Aber das Schicksal wollte es, dass keine reichen Generaldirektoren und Künstler mit Urheberrechtsstreitigkeiten zu mir gekommen sind, sondern arme Hausbesorgerinnen, denen der Mann davon ist und nichts für die Kinder gezahlt hat. Und was man oft und gut macht, macht man irgendwann gerne. Mittlerweile vertrete ich wesentlich mehr Frauen, aber auch Männer. Ich sage immer: Von Beruf bin ich Rechtsanwalt, Feministin sein ist mein Hobby, aber es deckt sich natürlich zu einem gewissen Bereich.

Würden Sie Frauen raten, zu heiraten? Oder eher nicht?

Wenn eine Beziehung länger andauert und man gemeinsam Vermögen erwirbt oder Kinder hat, bin ich unbedingt dafür, dass Frauen heiraten! Die Idee, dass wir auf freiwilliger Basis in Freiheit und Gleichheit leben, solange es uns freut, klingt wahnsinnig toll, ist aber für die beteiligte Frau nie von Vorteil, vor allem wenn sie Kinder hat. Ich bin eine große Freundin der Eheschließung, aber keine der Ehescheidung! Ich versuche es vielen Klientinnen auszureden. Man hat mir einmal den Spruch entlockt: „Besser eine Ehe ohne Liebe als eine Scheidung ohne Geld“. Es ist eine Schnapsidee zu glauben, dass man heiratet und danach ist man täglich 24 Stunden glücklich. Und eine nicht mehr im siebenten Himmel schwebende Ehe kann deutlich angenehmer sein als die Schmerzen und finanziellen Nachteile einer Trennung.
Wer die Ehe scheut, weil er für die Partnerin keine Verantwortung übernehmen will, kommt derzeit gut weg. Ich wäre dafür, dass man auch Lebensgemeinschaften mit einem Mindestmaß an rechtlicher Absicherung ausstattet, um diese krassen Ausbeutungsverhältnisse zu vermeiden, die sich vor allem bei heterosexuellen Lebensgemeinschaften oft ergeben. Da könnte man schon ein paar Eckpfeiler einziehen, damit die scheinprogressive Vermeidung der spießigen Ehe nicht zu einer Ausbeutung der widerwärtigsten Form führt.

Lebensgemeinschaften sollen also anerkannt werden, ohne dass sie auf dem Papier als solche ausgewiesen sind?

Man könnte Lebensgemeinschaften registrieren lassen, zur leichteren Beweisbarkeit. Für die Gutwilligen. Es müssen nicht die gleichen Rechte erwachsen wie aus der Ehe, denn man muss zur Kenntnis nehmen, dass es eben Menschen gibt, die das nicht wollen. Bei der registrierten Form ist dann klar, dass hier eine Lebensgemeinschaft vorgelegen hat. Ansonsten hat der, der etwas möchte, Beweise dafür zu erbringen.

Bei der Eingetragenen PartnerInnenschaft gibt es ein „Vertrauensverhältnis“ anstatt Pflicht zur „sexuellen Treue“ wie bei der Hetero-Ehe. Wie ist das bei Ehescheidungen, ist Untreue da ein großes Thema?

Natürlich. Wenn es passiert, ist es meistens eine tiefe Kränkung. Und wenn eine Ehe schon schlecht läuft, ist eine anderweitige Beziehung immer Anlass, eine Scheidung zu überlegen. Aber der hauptsächliche Scheidungsgrund ist das zweite Kind. Damit meine ich die Belastung durch die wenig familienfreundlichen Verhältnisse: Es können nicht beide Partner vierzig Stunden arbeiten, sich um Kinder und Haushalt kümmern und auch noch ein Liebesleben haben. Das geht sich in den 24 Stunden eines Tages nicht aus. Leider tendieren die Leute dazu, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, anstatt zu erkennen, dass die hohen Mieten, eine Vollzeitarbeits-Woche und die kinderunfreundliche Umgebung das Problem sind. Der Mann kann dann leichter abspringen, besonders wenn er eine andere findet.

Hatten Sie es auch schon mit Partnerschaftsauflösungen zu tun?

Vor Jahren, als es die Eingetragene PartnerInnenschaft noch gar nicht gab! Da haben sich zwei Frauen um gemeinsames Mobiliar gestritten, und ich habe eine vertreten. Das war ähnlich emotionsgeladen wie bei der Trennung von Ehepaaren. Von den bisherigen etwas über tausend Eingetragenen Partner­Innenschaften haben sich aber erst 13 getrennt. Es ist also noch zu früh, um darüber etwas zu sagen.

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  1. übers heiraten. | futblog.at - [...] aufnahmefähig, blätterte die an.schläge mit dem heirats-dossier durch, las unter anderem das interview mit einer feministischen scheidungsanwältin und so…

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