„Ohne Fett und Zucker kommt kein Kuchen aus“

Am 1. Juli erhält Wien seinen ersten Kuchenladen nach Berliner Vorbild: Das „Fett+Zucker“ wird eröffnet. SYLVIA KÖCHL bekam zwar keine Torte, dafür aber die Entstehungsgeschichte aus erster Hand erzählt.

 

Erst muss sie noch rasch am Handy mit einem ihrer Handwerker ein Detail wegen des Fußbodens klären, aber dann widmet sich Eva Trimmel, genannt IiF, bei einem Kaffee am Wiener Karmelitermarkt ganz entspannt meinen Fragen. Es geht dabei immerhin um die in der ganzen Stadt schon heiß ersehnte Eröffnung ihres Lokals „Fett+Zucker“, die für den 1. Juli festgesetzt ist. „Fett+Zucker“ steht bereits jetzt für leckere Kuchenkreationen, die IiF seit etwa einem halben Jahr bei Special Events, wie aktuell beim Filmfestival „Identities“, anbietet. Und die mehr als 400 Fans auf ihrer Facebook-Seite können es nun kaum noch erwarten, endlich einen fixen Ort für die Schlemmereien zu bekommen.

Brownies mit Erdnussbutter. Vor etwa drei Jahren hat die Vorstellung, einen eigenen Kuchenladen zu eröffnen, für IiF langsam Gestalt angenommen. Seit einigen Monaten werden nun Nägel mit Köpfen gemacht: IiF fand ein geeignetes Lokal im 2. Bezirk, stellte die Finanzierung und die notwendigen Bewilligungen auf und begann mit Umbau, Sanierung und Renovierung. Auch die Speisekarte hat sie schon im Kopf: Sie wird zunächst täglich fünf verschiedene Kuchen anbieten – Brownies mit Erdnussbutter, Banana Bread, veganer Apfelstreusel, Mohnkuchen mit Vanillecreme und Cheesecake –, vor allem in Letzterem „ist alles drin, was böse ist“, verrät IiF grinsend.

Wer „Fett+Zucker“ googelt landet gleich in einem Forum mit der Frage: „Was ist schlimmer: Fett oder Zucker?“ Beides sei gleich schlimm, lacht IiF, und auch ihr Lokalname sei bewusst provokant gewählt, um diesen beiden wesentlichsten Kuchenzutaten ihr schlechtes Image zu nehmen. Beim „Untertitel“ des Lokals „Kuchen macht glücklich!“ sei ihr aber auch schon vorgeworfen worden, er entschärfe die Kritik an Essver- und geboten, die durch den Namen „Fett+Zucker“ ja implizit ausgesprochen wird.

IiF ist es aber durchaus wichtig, dass ihre Kund_innen selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit den Kalorienbomben pflegen, während sie sich diese positiv aneignen. Und ihre zukünftigen Kund_innen, die wie sie aus queer-feministischen Szenen kommen, werden außerdem, so ist sie überzeugt, gemeinsam mit ihr das „Fett+Zucker“ zu einem Ort machen, an dem Sexismus und Homophobie keinen Platz haben: „Dafür werden alle sorgen, die sich bei mir wohlfühlen wollen.“

Banana Bread & veganer Apfelstreusel. Für die D.I.Y.-Note, die das Lokal statt dem üblichen In-Styling erhalten soll, sorgen schon jetzt einige Freund_innen, die beim Renovieren helfen. Und apropos D.I.Y.: IiF ist gelernte Architektin, nicht Bäckerin, und ist auch erst über Umwege zum Backen gekommen. „Ich koche schon lange sehr gern, habe aber das Backen vermieden, weil man sich dabei immer an bestimmte Mengen bei den Zutaten halten muss.“ In der Küche experimentiert sie nämlich lieber. Bei ihren vielen Berlinbesuchen ist ihr aber aufgefallen, dass es dort eine richtig feine Kuchenkultur mit unzähligen kleinen Kuchenläden gibt, die sie in Wien vermisste. So begann sie zunächst für sich und ihre Freund_innen zu backen, verwendete teilweise Rezepte ihrer Mutter, versuchte, Variationen herzustellen, die z.B. vegan oder laktosefrei sind, weil das immer mehr gewünscht ist. „Leicht ist das nicht, denn ohne Fett und Zucker kommt kein Kuchen aus.“ Und das Ziel sei immer ein guter Geschmack.

Als Ladeninhaberin und Bäckerin ist IiF also komplette Quereinsteigerin und sie appelliert „an die p.t. Gäst_innen, am Anfang Nachsicht zu üben“. Aus finanziellen Gründen wird sie sich nämlich zunächst ganz allein in den Laden stellen. Manche der Kuchen können zwar am Vortag vorgebacken werden, andere aber wird sie während der Öffnungszeiten herstellen. Zudem will sie „als Abwechslung zu dem ganzen süßen Zeug“ auch Quiche anbieten. Für die Zeit, wenn der Laden dann mal läuft und Routine einkehrt, hat IiF schon Erweiterungspläne: ein veganer Mittagstisch, Frühstück am Wochenende oder auch kleine Events wie Buchpräsentationen oder Ausstellungen.

Aus persönlichem Interesse habe ich dann noch eine letzte Frage, nämlich ob „Fett+Zucker“ ein Raucher_innen- oder ein Nichtraucher_innen-Lokal wird. „Es wird nicht geraucht, vor allem weil der Geruch von kaltem Rauch nicht mit Kuchengeruch harmoniert“, stellt IiF kategorisch fest. Aber sie hat bereits um die Genehmigung für einen Schanigarten auf der Gasse vor dem Lokal angesucht. Und damit wäre dann der Sommer auch für die mehrfach Süchtigen – nach Nikotin und nach Zucker – gerettet.

Fett+Zucker Hollandstraße 16 1020 Wien
Mi bis So 11.00 bis 19.00, www.fettundzucker.at

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