an.sage: AUF geht’s

Ein Kommentar von GABI HORAK

 

Ja. Die österreichische feministische Bewegung verliert mit „AUF – Eine Frauenzeitschrift“ ein wichtiges Medium – einen Fels in der Brandung seit 36 Jahren. Nein. Die Bewegung ist deshalb noch lange nicht am Ende. Sie wird sich nur weiterhin verändern und eben „in Bewegung“ bleiben. Als die AUF-Redaktion in der aktuellen Ausgabe ankündigte, dass das kommende AUF-Heft Nr. 153 auch das letzte sein würde, war die feministische Szene ein wenig geschockt. Ausgerechnet die älteste feministische Zeitschrift muss aufgeben, eine Ära geht zu Ende, das „Flaggschiff“ geht unter, der Anfang vom Ende? Ganz so dramatisch ist es selbstverständlich nicht, und Insiderinnen waren auch wenig überrascht. Wie andere Zeitschriften und feministische Projekte auch, hatte die AUF-Redaktion schon seit Jahren Probleme: Es gibt immer weniger Leserinnen, ältere Redakteurinnen werden müde und verändern sich, junge Frauen haben neben prekären Arbeitsverhältnissen kaum Zeit und Energie für ehrenamtliche Arbeit, Medienlandschaft, Rezeptionsgewohnheiten und Bedürfnisse junger Leserinnen sind im Wandel. Vom chronischen Geldmangel ganz zu schweigen.

„Die Bewegung kann trotzdem weitergehen“, versucht Eva Geber, seit 35 Jahren AUF-Redakteurin, zu beruhigen. „Ich war immer schon der Meinung, dass es mehrere feministische Zeitschriften nebeneinander geben soll – je mehr umso besser!“ Tatsächlich ist die feministische Medienlandschaft ein Spiegelbild der Szene: So heterogen und vielfältig wie die feministischen Strömungen und Politiken im Land, sind auch ihre Medien. Und sie funktionieren nach anderen Regeln als große, traditionelle Medien: Die Mitarbeiterinnen sind Medienmacherinnen aus feministischer Leidenschaft, großteils ehrenamtlich, sie schaffen mit jeder Ausgabe das Unmögliche. Kein/e HerausgeberIn eines großen Magazins würde sich mit so wenig Budget auch nur die Mühe machen, die Redaktion aufzusperren. Deshalb sollten wir uns freuen, dass feministische Zeitschriften unter diesen Bedingungen – zumindest vereinzelt – sogar Jahrzehnte überdauern und so ein Ort der Kontinuität für die Bewegung sind. Und es ist schön, dass es immer wieder neue Medienprojekte gibt, (junge) Frauen, die ihre Perspektiven einbringen. Sie kommen mit Themen, die „älteren“ Feministinnen oft ganz neu sind. Ja, auch die Gründerinnen-Generation kann noch überrascht und begeistert werden. Das Überleben eines feministischen Mediums hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut es die Generationen-Übergabe meistert. Und damit sind weniger Alters-Generationen gemeint, sondern Generationen von Feministinnen, Aktivistinnen mit jeweils unterschiedlicher theoretischer „Herkunft“, unterschiedlichen Perspektiven, unterschiedlichen Zielen. Wobei ich keinen „Generationen-Konflikt“ konstruieren, sondern einfach betonen möchte, dass auch feministische Bewegungen nicht frei sind von Hierarchien. Leidenschaftliche Medienmacherinnen, die Freizeit und Energie investieren in „ihr“ Projekt, sind keine gut bezahlten Managerinnen, die von einem Magazin zum nächsten hüpfen, je nachdem, wer gerade mehr bietet. Dementsprechend schwer fällt es ihnen auch loszulassen, neue Frauen mit neuen Politiken zu akzeptieren. Ich selbst habe in den an.schlägen schon mehrere Generationen-Wechsel miterlebt, die mehr oder weniger gut funktioniert haben. Ich weiß nur zu gut, wie schwer das Loslassen fällt, das Abgeben von Macht und Einfluss. Aber das Medium muss sich verändern, um auch neue LeserInnen anzusprechen. Die Redaktion muss da irgendwie mitkommen – und dieser ständige Wandel ist unheimlich schwer zu bewältigen neben der täglichen Arbeit. Deshalb ist es verständlich und vielleicht auch keine so schlechte Strategie, dass immer wieder neue Medien auftauchen, die eine Zeit lang funktionieren und dann gibt es sie nicht mehr, dafür aber wieder andere. Wir sollten dieser Dynamik überwiegend Positives abgewinnen, denn sie sichert unsere heterogene, blühende feministische Medienlandschaft!

Auch wenn die AUF in dieser Form, mit dieser Redaktion dem Ende zugeht, steht einem Neubeginn nichts im Wege: Der Name „AUF – Eine Frauenzeitschrift“ kann weiter bestehen – wenn sich Frauen finden, die das Projekt selbstständig auf neue Beine stellen. Der Generationen-Übergabe geht dann eben eine etwas tiefere Zäsur voran als üblich. AUF geht’s! Das ist nicht der Anfang vom Ende der Bewegung, sondern irgendwie halt der Lauf der Dinge.

Flattr this!