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Ein Trend geht um: Fixies (kurz für „Fixed Gear”) und Singlespeeds sind das neue Lifestyle-Accessoire urbaner Biker_innen. Ohne technischen „Schnickschnack” (auch bekannt als Bremse, Licht und Gangschaltung) versprechen die neuen Bikes vor allem eines – Distinktion. Pur, authentisch und „straight forward” soll das Fahrerlebnis mit Fixie & Co. sein, die in den 1980ern in der Fahrradkurier-Szene New York Citys zum Kult erhoben wurden. Wie auch bei den „exzentrischen” metropolitanen Messengers schwingt bei den hippen Fahrrädern der Generation 2.0 ein Hauch Rebellion mit: Von der „Ein-Gang-Gang” ist in Medienberichten zur Fixomania die Rede, „wilder als die Polizei erlaubt” und „im täglichen Kampf durch den Asphaltdschungel”.
Das klingt nicht nur nach ordentlich strammen Wadeln, sondern auch nach jeder Menge Männerschweiß. Nicht selten geriert sich männlicher Bike-Nerdism als Alternativkultur. Ein Schweizer Bike-Shop etwa definiert den Fixie-Coolness-Faktor mit den Worten: „Etwas für harte Mädels und Kerle. Und solche, die es werden wollen.”
Übrigens: Olle Spandex-Radlerhosen und hässliche Kunststoffschüsseln am Kopf sind passé, seit einiger Zeit setzen Designer-Bike-Wear und -Helme auf die Kaufkraft von Bobos und Lohas. Vor zwei Jahren zerbrachen sich Studierende der Köln International School of Design darüber den Kopf, wie Fahrradhelme für Frauen aussehen könnten: Der gemeine „Helm zerstöre die Frisur, lasse sich schlecht mit der Kleidung kombinieren, verhunze die Gesichtszüge und sei schlecht fürs Make-up”, wurden die Ergebnisse ihrer – nicht repräsentativen – Umfrage in der „FAZ” zitiert.
Ziemlich stereotyp mutet zunächst auch der Titel einer länderübergreifenden Studie an, die 2008 von der britischen Darlington Media Group initiiert wurde: „Beauty and the Bike”. Das Projekt untersuchte die Mobilitätskulturen von Mädchen und jungen Frauen in Bremen und Darlington und ihre soziokulturellen Implikationen: Wie bewegen sich Mädchen und Frauen durch die Stadt, und unter welchen Bedingungen ist Radfahren für sie attraktiv?
Während die Bremerinnen das Fahrrad vor allem dazu nutzen, um ihre Wege zu erledigen, fahren die Mädchen in Darlington mit dem Bus, gehen zu Fuß oder sind auf ihre mit dem Auto fahrenden Eltern angewiesen. Einer der Gründe: Das Rad ist in Großbritannien weniger Teil der Alltags- und Freizeitkultur als beispielsweise in Deutschland und wird als reines (männliches) Sportgerät identifiziert. Radler_innen im Verkehrsalltag gelten als „Weirdos”. Gegenüber Autos muss mit entsprechend mehr Selbstbewusstsein aufgetreten werden, „nahezu machohaft”, wie es in der Projektbeschreibung heißt.
Paradoxerweise lag in den Anfängen der modernen Fahrradkultur die Beteiligung von Frauen in Großbritannien wesentlich höher als in Deutschland. Als das Fahrrad Ende des 19. Jahrhunderts zum Massenprodukt wurde und hier wie dort immer mehr Frauen – entgegen allen Schicklichkeitsgeboten – auf’s Rad stiegen, wurde heftig um die „anständige Bekleidung” der Damenwelt gestritten, die zum Fahren Korsett und bodenlange Röcke ab- und stattdessen Hosen anlegten. „Das Bicycle hat zur Emanzipation der Frauen aus den höheren Gesellschaftsschichten mehr beigetragen als alle Bestrebungen der Frauenbewegung zusammengenommen”, konstatierte Rosa Mayreder zu Anfang des 20. Jahrhunderts.
Doch zurück zu „Beauty and the Bike”: „It’s the infrastructure, stupid!”, kommt die Studie zum Schluss. Die Entwicklung des Radverkehrs sei nämlich nicht nur an die im jeweiligen Land herrschende Verkehrskultur gebunden, sondern vor allem von konkreten lokalen Maßnahmen und Angeboten abhängig – und beginne schon bei der Planung und Gestaltung der Verkehrswege.
Gendersensible Mobilitätserhebungen und Gender-Budgeting im Verkehrsbereich fordert hierzulande neben anderen auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Allein in Wien sind laut Statistiken 72 Prozent der Frauen mit Öffis, per Rad oder zu Fuß unterwegs (Männer: 59 Prozent).
Indes entstehen – neben überteuerten stylishen Bike-Shops, Special-Interest-Medien und Großevents – immer mehr selbstorganisierte, aktivistische Zusammenschlüsse von Radfahrer_innen. Dyke-Bike-Gang, bitte kommen! |