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Fakten zertrümmern Mythen |
Mythos: Frauen arbeiten nur Teilzeit, weil sie das so wollen. Fakt ist: Rund vierzig Prozent der Frauen in Teilzeit geben an, dass dies aufgrund von Betreuungspflichten notwendig sei. Fast zehn Prozent aller erwerbstätigen Frauen wünschen sich längere Arbeitszeiten. Bei den Männern wünschen sich das nur knapp drei Prozent, wobei über siebzig Prozent ohnehin schon vollzeitbeschäftigt sind. Außerdem findet jede fünfte Frau, dass ihre Tätigkeit nicht ihrer Qualifikation entspricht. Mythos: Frauen verdienen nur deshalb weniger, weil sie öfter Teilzeit arbeiten. Fakt ist: Selbst wenn das Lohngefälle um Effekte wie geringere Beschäftigung, Segregation, Alter und Ausbildung bereinigt wird, verdienen Frauen immer noch um 18 Prozent weniger – ohne ersichtlichen Grund. Auch vollzeiterwerbstätige Frauen verdienen nur 78 Prozent des Einkommens der Männer. Mythos: Frauen sind deshalb nicht in Führungspositionen, weil sie schlechter ausgebildet sind. Fakt ist: Frauen sind mittlerweile besser ausgebildet als Männer. Berufliche Weiterbildung müssen sie im Gegensatz zu Kollegen jedoch öfter in der Freizeit absolvieren – trotzdem tun sie es häufiger als Männer. Nicht zuletzt führt die hohe Teilzeitrate bei Frauen dazu, dass sie die Karriereleiter nicht hinaufkommen. Insgesamt benötigen Frauen ein besseres Bildungsniveau, um bestimmte Positionen zu erreichen, die von Männern auch mit geringerer Qualifizierung eingenommen werden. Mythos: Frauen wollen keine Kinder mehr, weil sie lieber Karriere machen. Fakt ist: Junge Frauen wünschen sich mehr Kinder; wenn sie älter werden, zeigt sich aber, dass das nicht zu realisieren ist. Eine Frau in Österreich bekommt durchschnittlich 1,4 Kinder. Rund zwanzig Prozent der Frauen bleibt kinderlos. Mythos: Frauen mit Kindern sind durch Sozialleistungen sehr gut versorgt, immerhin gibt der Staat viel Geld dafür aus. Fakt ist: Alleinerzieherinnen und Haushalte mit vielen Kindern zählen zu den am stärksten armutsgefährdeten Gruppen. Der Lebensstandard von Frauen ist oft von der Höhe der Einkünfte des Partners abhängig. Allein lebende Frauen haben einen um 17 Prozent geringeren Lebensstandard als allein lebende Männer. Mythos: Frauen dürfen fünf Jahre früher in Pension gehen als Männer und das ist nicht fair. Fakt ist: Der tatsächliche Unterschied im Pensionszugangsalter ist nur gering. Frauen können sich eine frühere Pensionierung nämlich schlichtweg nicht leisten. Und außer der Anerkennung der Kindererziehungszeiten wurden bisher auch kaum weitere Schritte für den Ausbau der eigenständigen Alterssicherung gesetzt. Zudem ist die letzte Phase der Erwerbsarbeit vielfach geprägt durch die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen bei gleichzeitiger finanzieller Abhängigkeit vom Ehepartner. Ist das fair? Mythos: Wir haben keinen Pflegenotstand. Fakt ist: Für viele Frauen herrscht Notstand, denn sie müssen ihre PartnerInnen und Eltern pflegen – neben oder statt Job, Karriere und Freizeit. Und angesichts der demografischen Alterung wird sich die Situation noch massiv verschärfen: Bis 2030 werden um zwei Drittel mehr Männer Pflegegeld beantragen und um zwei Fünftel mehr Frauen. Mythos: Wir brauchen keine Zuwanderung, MigrantInnen nehmen uns nur Arbeitsplätze weg. Fakt ist: Frauen migrantischer Herkunft sind in geringerem Maße erwerbstätig als im Inland geborene Frauen, sie sind deutlich öfter arbeitslos, verdienen nur rund zwei Drittel des Durchschnittseinkommens von Österreicherinnen und sind mehr als doppelt so oft armutsgefährdet. Frauenbericht 2010. Bericht betreffend die Situation von Frauen in Österreich im Zeitraum von 1998 bis 2008. Hg. Von Bundesministerium für Frauen. Bestellung: broschuerenversand@bka.gv.at |