thema.transgender

In diesem Sommer jähren sich die New Yorker Stonewall Riots zum vierzigsten Mal. Sie sind Symbol für den Beginn des „Gay Rights Movement“ in den USA, das die politische Selbstbezeichnung „gay“ erst formulierte.
Heute ist generell von „LGBTI“ die Rede, doch zu oft verschwindet das „TI“ in der additiven Bewegungslogik und damit auch die Positionen und Forderungen von Trans* und Inter*Personen von der politischen Agenda. Schon 1970 gründete die afroamerikanische transgender Aktivistin Marsha P. Johnson, die selbst an den Stonewall Riots beteiligt war, als Kritik an lesbisch-schwulen Organisationen die „Street Transvestite Action Revolutionaries“ (STAR).
Kritik muss sich jedoch insbesondere auch die feministische Bewegung gefallen lassen. „Transgender“ blieb nicht nur von feministischer Theoriebildung lange Zeit unberücksichtigt, transgender Personen wurden darüber hinaus aus feministischen Räumen und Organisationen dezidiert ausgeschlossen – und bleiben es teilweise bis heute.
Auch in der 25-jährigen Geschichte der an.schläge wurde Trans*/Inter*Themen und Autor_innen nicht immer mit gleichbleibender Offenheit begegnet. Obwohl transidente Autor_innen seit längerem explizit willkommen sind und es zunehmend das Bemühen gab, Transgender als Querschnittsthema einzubinden, blieben Trans*/Inter* auch in den an.schlägen häufig im „etc.“ der Kategorien gesellschaftlicher Ungleichheit unsichtbar.
Der erweiterte Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe soll ein erster Schritt sein, um das zu ändern. Er nimmt das jüngste Erkenntnis des österreichischen Verwaltungsgerichtshofes zur (formellen) Aufhebung des Operationszwangs für transgeschlechtliche Menschen zum Ausgangspunkt, um die herrschenden rechtlichen Regulierungen zu untersuchen und Ausschlüsse von Transgender und Intersex – auch in den alternativen Öffentlichkeiten der feministischen und lesbischen/schwulen/queeren Bewegungen –, aber ebenso politische Handlungsansätze zu reflektieren. Im Vordergrund steht dabei die Perspektive selbstorganisierter Zusammenhänge und ihre Forderung nach vielfältigen und vor allem selbstbestimmten Geschlechteridentitäten. Der wir uns selbstverständlich anschließen.




„Es ist eine Revolution“

Transgender Personen müssen sich in Österreich zukünftig wohl keinen genitalverändernden Operationen mehr unterziehen, um ihr Geschlecht offiziell zu ändern. Eva Fels, Obfrau des Vereins TransX, freut sich über das neue Urteil, fordert aber, dass für die staatliche Geschlechtsfestlegung generell nur die selbst gewählte Geschlechtsidentität relevant sein soll. Ein Interview zum Status Quo der Transgender-Bewegung von Lea Susemichel.


Was heißt hier „transgender“ …?
Zufällig ausgewählte, aber authentische Notizen aus dem Leben einer Frau (was immer das heißt) mit Vorgeschichte (was immer das heißt). Von Iris Hajicsek

TransPersonen & Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt ist eingebunden in die heteronormativen Gesellschaftsstrukturen und somit ein Ort von Diskriminierung und Ungleichbehandlung – auch für TransPersonen, was bisher in Österreich kein öffentliches Thema war. Von Persson Perry Baumgartinger und Vlatka Frketic, Verein ][diskursiv

Wissen schafft Geschlecht
Transgender Studies als akademisches Feld. Von A. Koch-Rein

Definitionsmacht gewinnen
Auch in Deutschland steht eine Änderung des sogenannten Transsexuellen-Gesetzes an. Julia Ehrt, Jannik Franzen und Ins A Kromminga sprechen von einem enttäuschenden Gesetzesentwurf und fordern eine nicht-pathologisierende Perspektive, die das Selbstbestimmungsrecht von Trans* und Inter* Menschen zum Ziel hat.
Ein Interview von Vina Yun.