Täglich grüßt das Murmeltier

Eine interministerielle Arbeitsgruppe soll an der Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage von Künstlerinnen arbeiten. Nur ändern soll sich nichts.
Von Barbara Klein und Daniela Koweindl

Frauenförderung! Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit! Mindestens fünfzig Prozent der (administrativen wie gestalterischen) Führungspositionen für Frauen! – Wer kennt sie nicht, diese Forderungen, die uns seit Jahr und Tag begleiten und ihrer Verwirklichung harren? Gebetsmühlenartig ziehen sie sich durch die diversen Forderungskataloge, dazu ein paar Studien, die die ungleichen Lebens- und Erwerbsrealitäten empirisch belegen.
Warum sollte es in der Kunst anders sein? Frauen verdienen mit künstlerischer Arbeit 36 Prozent weniger als ihre Kollegen. Sie verfügen bis zu fünfzig Prozent seltener über eine langfristige Zusammenarbeit mit Vermarkter*innen (je nach Sparte: Galerien, Verlage, Agenturen etc.) und sind deutlich öfter einer hohen Belastung ausgesetzt.
Seit die Ergebnisse der jüngsten Studie zur sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler bekannt sind, werden die Alarmrufe der Kunstschaffenden und ihrer Interessenvertretungen ernster genommen. Scheint es. Im April 2009, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung der Studie, hat das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) begonnen, interministerielle Arbeitsgruppen (IMAG) einzurichten, um mit Kunstschaffenden Wissen über Probleme und Schieflagen auszutauschen und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Zunächst sind Künstler*innen, Interessenvertreter*innen und Mitarbeiter*innen diverser Ministerien und Institutionen am Zug. Mit den Ergebnispapieren ist anschließend insbesondere Ministerin Claudia Schmied gefordert, Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage umzusetzen bzw. bei ihren Minister*innen-Kolleg*innen durchzusetzen.
Lag vor dem Sommer der Fokus vor allem auf Fragen rund um Sozial- und Arbeitslosenversicherung, bildete im Herbst eine IMAG zu „Frauen in der Kunst“ den Auftakt zu weiteren Themen. Auch bei der vom BMUKK veranstalteten Konferenz „Prekäre Perspektiven? Zur sozialen Lage von Kreativen“ im Juni 2009 hatte sich bereits eine Arbeitsgruppe mit Frauenförderung befasst und einmal mehr Forderungen zusammengetragen. Die Ergebnisse (aller Arbeitsgruppen) sind auf der Website des BMUKK nachzulesen und waren Ausgangsbasis auch dieser IMAG – soweit der Blick durch die rosarote Brille auf das bisher Geschehene. Denn der Hund liegt im Detail begraben.
Bei der IMAG „Frauen in der Kunst“ waren feministische Initiativen eher zufällig anwesend, in der ersten Einladungsliste gar nicht vorgesehen. Die Federführung wurde an das Frauenministerium abgetreten. Als Tagesordnung dienten Ergebnisse aus der vorangegangenen Konferenz in entstellter Form. So war bei der Forderung nach einem honorierten Mentoring-Programm das Wörtchen „honoriert“ verschwunden. Wer meint, dass ein schlichter Hinweis zu einer Korrektur geführt hätte, irrt. Im Gegenteil: Unbezahltes Mentoring sei doch auch eine gute Sache. Eine leitende Beamtin bekräftigte dies aus eigener Erfahrung – bei Bezug eines monatlichen Gehalts am sicheren Arbeitsplatz. Aber welche freischaffende Künstlerin kann schon Anregungen für unbezahlte Arbeit brauchen? Als Maßnahme zur Verbesserung der ökonomischen und sozialen Lage? Trotz wiederholter unmissverständlicher Wortmeldungen der anwesenden Künstlerinnen („Bei Männern heißt dies Consulting und ist hoch dotiert“) und wohlwollender Erklärungen, warum hierfür ein Budget zur Verfügung stehen müsse, blieb im später versendeten Protokoll nicht mehr zu lesen, als dass „Abgeltung bzw. Sponsoring zu prüfen“ wären.
Ähnlich irritierend der Umgang mit der Forderung nach Offenlegung von Gehältern, um auf Basis entsprechender Transparenz gezielter gegen Ungleichbehandlungen vorgehen zu können sowie die Verhandlungspositionen von Frauen zu stärken. Aus Datenschutzgründen sei dies jedoch nicht möglich, auch nicht anonym, so Diskussionsleiterin Vera Jauk aus der Abteilung für Grundsatz- und Rechtsangelegenheiten im Frauenministerium. Lediglich eine freiwillige Offenlegung sei vorstellbar. Aber, so letztlich das Zugeständnis, eine rechtliche Überprüfung hinsichtlich einer Verpflichtung zur Offenlegung soll vorgenommen werden. Umso verblüffender, dass am Tag darauf – anlässlich des Equal Pay Day – Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek mit der Forderung nach verpflichtender Offenlegung von Gehältern an die Öffentlichkeit ging.
Zu den diskutierten Themen „Gender Budgeting“ sowie „Frauen in Führungspositionen“ blieben im Protokoll die Spalten für die weitere Vorgangsweise überhaupt gleich leer. Was aus den anderen „Anregungen“ wird (als solche sind die Aufgaben zur weiteren Vorgangsweise jeweils ausdrücklich betitelt), will das Frauenministerium zu einem späteren Zeitpunkt in einem Umsetzungsprotokoll festhalten. Eine Fortsetzung dieser IMAG ist nicht geplant. Das ist nach zermürbenden zwei Stunden wohl allen Anwesenden vergangen. Forderungskataloge gibt es zur Genüge. Frauen, die in solche Arbeit viel Erfahrung, Zeit und Wissen investiert haben, ebenso.
Sollen sich die Entscheidungsträger*innen erst mal daran machen, diese ernst zu nehmen.
Forderungen siehe z.B.:
Frauenvolksbegehren 1997;
Forderungskatalog der österreichweiten Vernetzung von Frauen in Kunst und Kultur (www.frauenkultur.at);
frauen.fordern.kultur (www.fiftitu.at);
wahlpartie Forderungen (www.no-racism.net/wahlpartie);
BMUKK-Konferenz „Prekäre Perspektiven?“, Arbeitsgruppenprotokolle (www.bmukk.gv.at/kunst/bm/studie_soz_lage_kuenstler.xml)

Barbara Klein ist Intendantin des KosmosTheaters.
Daniela Koweindl ist kulturpolitische Sprecherin der IG BILDENDE KUNST.