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Der Anlass, zu dem sich vor acht Jahren die Sisters Keepers analog zu den Brothers Keepers gründeten, war ein denkbar trauriger: Im Juni 2000 war der aus Mosambik stammende Alberto Adriano in einem Dessauer Park von Rechtsextremen zu Tode geprügelt worden. Als Statement gegen Rassismus und Xenophobie aus afrodeutscher Perspektive veröffentlichten die Brothers Keepers im Winter 2001 das Album „Lightkultur“, auf dem auch zwei Stücke der Sisters Keepers enthalten waren. Knapp acht Jahre später ist der weibliche Teil des Kollektivs, unter dem prägnant verkürzten Bandnamen Sisters neu zusammengesetzt, mit einem ersten kompletten Album zurück. Der Titel Gender Riots macht deutlich, dass dem kritischen Blick auf Fremdenhass noch die Sicht auf die spezifisch weibliche Form der Unterdrückung hinzugefügt wurde, um so die leidige „triple oppression“ aus „race, class, gender“ kontern zu können. Die Texte der sieben Musikerinnen, die von vier Gast-Stars unterstützt werden, sprechen auf englisch und deutsch von Solidarität unter Frauen („Ich bin mein sister’s keeper“), rufen zur Kollektivierung auf („Unite“) und erinnern an die Lebensrealitäten der weniger Begünstigten (z. B. an „Uschi“, die ihre „Muschi“ verkaufen muss). Musikalisch bewegt sich die von Matthias Arfmann produzierte Platte zwischen gängigen Neu-Standards aus Pop, Reggae, HipHop und Soul und präsentiert dabei Unkantiges, das es vielleicht auch in die Hitparaden schaffen könnte.
Mehr Ecken und Kanten haben die beiden furchtlosen Ladies des aus Tampa, Florida stammenden HipHop-Duos Yo Majesty und sind dabei nichts weniger als eine Sensation. Denn wann hat es das schon einmal gegeben, dass zwei schwarze Butch-Lesben unverblümt über „Kryptonite Pussy“ und angeberische Männer rappen? Noch dazu über undogmatisch-eklektische Sounds zwischen Punkrock und Booty Bass, die so aggressiv zum Tanzen auffordern, dass sich der Einladung garantiert niemand verweigern kann? Eben. Yo Majestys Futuristically Speaking … Never Be Afraid ist jetzt schon eine der Platten des Jahres – auf keinen Fall verpassen.
HipHop hat in den USA im Unterschied zu hier schon längst mit Pop gleichgezogen – Rap dominiert den Mainstream, die HipHop-Kultur ist in der US-amerikanischen Populärkulturproduktion längst kein Minderheiten- oder gar Außenseiterthema mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. So verwundert es nicht, dass immer mehr queer-politische Künstler_Innen und Bands im Riot-Grrrl-Stil auch HipHop für sich einnehmen.
Für das Subgenre des Lo-Fi-HipHop stehen Scream Club, die auch schon Mal Österreich besucht haben. Cindy Wonderful und Sarah Adorable kombinieren Electrosounds mit durchaus anrüchigen und sexuell expliziten queeren Texten. Nach einer Kollaboration mit Peaches gibt es demnächst einen neuen Scream Club-Song, diesmal mit Beth Ditto of The Gossip-Fame. Scream Club haben, ganz in der Tradition ihrer Heimatstadt Olympia/Washington, wo ja auch K-Records und Kill Rock Stars beheimatet sind, ein eigenes Label, Crunks not Death, gegründet, um weitere queere Künstler_Innen zu featuren und zu förden: „We want to make you dance and make you think“.
Einer der Künstler auf Crunks Not Death ist Katastrophe aus San Francisco, der derzeit gerade seine dritte CD fertig stellt und sich als Transmann seinen Platz in der HipHop-Welt hart erkämpfen musste. Die Beats sind eher Grime-lastig, die Texte politisch explizit. Genauso wie die Lyrics vom Athens Boy Choir, der entgegen seines Bandnamens nur aus Katz besteht, ebenso wie Katastrophe FTM. Da hören die Parallelen aber auch schon wieder auf. Während Katastrophes Musik eher einen düsteren Grundton hat, ist Athens Boy Choir beschwingt und ironisch, wie zum Beispiel beim wunderbaren „Fagette“ (inklusive noch wunderbarerem Video): Eine pansexuelle Hymne „for the girls, the boys, the others“, die uns neu buchstabieren lehrt: „GLBTQILMNOP, apples and oranges, they're all fruits to me!“ Athens Boy Choir hat soeben die CD Bar Mitzvah Superhits of the 80s 90s and Today herausgebracht.
Ein weiterer Anspieltipp sind Team Gina, mit dem „Butch/Femme Song“ oder gleich der Film „Pick up the mic – The Evolution of Homohop“, in dem zwölf queere Artists über ihre Welt, ihre Musik und – wie kann es anders sein – auch über ihre Probleme mit homophobem HipHop erzählen.
Sisters: Gender Riots
Yo Majesty: Futuristically Speaking … Never Be Afraid
Scream Club:
Katastrophe:
Athens Boy Choir:
Team Gina:
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