Vom Flugblatt zum Fanzine, von der Lesbenpresse zu TV-Magazin: Feministische
Medien haben die Welt verändert. Anlässlich 25
Jahre an.schläge feiern wir die feministische Medienvielfalt:
Mit einem Symposium, drei Workshops, sechs Inputs, zwei Podiumsdiskussionen,
einer VJ, einer Show mit zwei Drag Kings, einer Ausstellung, einer Rampensau,
einem Geburtstagsständchen, vier Bands, einem Screening und mit zwei
DJanes.
Symposium feminist press|ure
28.11., 14-18.00
VOM FLUGBLATT ZUM FANZINE ZUM FERNSEHEN
… FRAUENBEWEGUNGEN UND IHRE MEDIEN
14.00: Eröffnung
14.15 ELISABETH KLAUS Von Golden Girls zu Alphamädchen:
Überlegungen zum Verhältnis von Medienfeminismus und feministischer
Öffentlichkeit
Einen Feminismus außerhalb der Massenmedien gibt es nicht. Unter
dem Begriff des Medienfeminismus wird im Vortrag die mediale Inszenierung
eines “neuen" (Post-)Feminismus gefasst. Dieser artikuliert
sich sowohl in unterhaltenden, oft aus den USA stammenden Fernsehserien,
die die zur Verfügung stehenden Frauenbilder erweitern, als auch
in populären Sachbüchern, die eine Vielzahl von Feminismen zur
Diskussion stellen. Der Medienfeminismus stellt ein ambivalentes Phänomen
dar, in dem Ermächtigung und Einfriedung gleichermaßen sichtbar
werden. Kann die mediale Feminismusdebatte für die Stärkung
einer feministischen Öffentlichkeit genutzt werden? Welche Spielräume
zwischen Öffnung und Abgrenzung lassen sich finden?
14.45 GABI HORAK: Feministische Zeitschriften
in Österreich. Feministischer Journalismus arbeitet nach anderen
Qualitätskriterien
Feministischer Journalismus muss zwar ganz allgemein als alternative Öffentlichkeit
definiert werden, die sich sowohl in eigenen Medien manifestiert, als
sie auch subversiver Teil traditioneller Medien sein kann. Trotzdem ist
Medienkritik weiterhin ein elementar wichtiges Charakteristikum von feministischem
Journalismus. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft dabei die viel beschworene
Objektivität von Berichterstattung. Feministische Medienmacherinnen
haben sie als Androzentrismus entlarvt. Damit wurden auch klassisch journalistische
Qualitätskriterien, wie sie in traditionellen Medien angewandt werden,
in Frage gestellt – allen voran die vorgebliche Trennung von Nachricht
und Meinung. Als spezifische Qualität von feministischem Journalismus
gilt stattdessen, dass die feministische Kritik und Parteinahme immer
transparent ist.
15.15 Pause
15.30 GISELA NOTZ: Der gefährliche Einfluss
der Frauen-Blätter. Beispiele für alternative Zeitschriften
der Zweiten Frauenbewegung in der BRD
Frauenzeitschriften gab es nicht erst innerhalb der Neuen Frauenbewegungen.
Dennoch kam den beiden im Zuge der 1970er Bewegungen gegründeten
bundesweiten Zeitschriften Courage und Emma besondere Bedeutung zu. Courage
war gewissermaßen ein Sprachrohr der Frauenbewegungen und musste
1984 ihr Erscheinen einstellen. Die beiträge zur feministischen theorie
und praxis konnten sich bis März 2008 halten. Sie waren die älteste
und größte Zeitschrift der autonomen Frauenbewegung der BRD.
Sichtbare beiträge und effiziente Methoden, damit die Frauenbewegung
wieder Courage bekommt wären angesichts der aktuellen Situation dringend
notwendig.
16.00 ELKE ZOBL: Kultureller Widerstand und kritische
Reflexion in internationalen feministischen Zines
Feministische Zines – selbständig produzierte Magazine, meist
in kleinen Auflagen kopiert, selbst geheftet und über Freundinnen
oder in Buchhandlungen oder Plattengeschäften vertrieben –
stehen in der langen Tradition der freien feministischen Medienproduktion
und in Interaktion mit anderen sozialen, künstlerischen und politischen
Bewegungen.
Unter Verwendung der Methode des Do-It-Yourself können Zines als
partizipative Plattformen für den Ausdruck von kulturellem Widerstand,
feministischen Aktivismus und kritischer Reflexion funktionieren. Und
sie haben das Potenzial Momentum in die gegenwärtige Frauenbewegung(en)
zu bringen. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in das Netzwerk internationaler
feministischer Zines und reflektiert die Bedeutung und Limitationen von
Zines.
16.45 Podiumsdiskussion: Feministische Formate
INA FREUDENSCHUß (dieStandard), ELKE ZOBL (grrrl zines), KARO RUMPFHUBER
(Orange 94.0), ANNA GUENTCHEVA (AUF-Eine Frauenzeitschrift), ANDREA WALD
(fiber. werkstoff für feminismus), LEA SUSEMICHEL (an.schläge
tv)
Moderation: SASKYA RUDIGIER
29.11., 10-17.00
POLITIK, POP, POSTKOLONIALISMUS, PREKARISIERUNG
...
(SPANNUNGS-)FELDER FEMINISTISCHER MEDIENARBEIT
10.00 JO BUCHER: Zeitschriften und Archivmitbringsel
– von aktuellen und vergangenen Medien feministischer Kritik
Work to do! Selbstorganisation in prekären Arbeitsbedingungen, Titel
einer thematischen Projektreihe der Shedhalle in Zürich, benennt
zugleich eine Realität von feministischem Medienschaffen. Mit der
Ausstellung Skype Meetings (29. März -8. Juni 2008) befragte die
Shedhalle innerhalb jener Projektreihe das Thema der Selbstorganisation
unter dem Aspekt der Kommunikation.
In meinem Beitrag werde ich zwei Teilprojekte aus Skype Meetings vorstellen:
Die Entstehung und Präsentation eines aktuellen Archivs feministischer
Zeitschriften sowie dessen Nutzungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund
einiger Notizen aus der Geschichte der Frauenbewegung.
10.15 FRANKA FIESELER: Vernetzte Netze – vielfältige
Foren. Zur Geschichte lesbisch-feministischer Zeitschriften in Deutschland
Im Netzwerk feministischer Zeitschriften im Kontext der autonomen Frauenbewegung(en)
seit den 1970er Jahren nahmen vier überregionale Zeitschriften in
Deutschland eine Sonderstellung ein, da sie dezidiert lesbische Perspektiven
ins Zentrum ihres Schaffens rückten: Lesbenpresse (1975-1982), UKZ
– Unsere kleine Zeitung (1975-2001), Lesbenstich (1980-1993) und
Ihrsinn (1990-2004). In der Unterschiedlichkeit ihrer Ziele, Verfahren
und Strategien fungieren sie auch als Zeichen der Differenz in lesbisch-feministischer
Identität und beweisen, dass die Identitätskonstruktionen „lesbische
Feministin“ oder „feministische Lesbe“ auf verschiedene
Weisen artikuliert werden können, ohne darüber beliebig zu werden.
An ihnen offenbaren sich aber auch die Grenzen der Konstruktionen „Frau“,
„Lesbe“ und „Feministin“ in besonderem Maße.
Grenzen, die – auch und gerade durch mediale Festschreibungen –
zur ihrer Durchque(e)rung, Verschiebung, Ausdehnung und manchmal auch
zu ihrer Umkämpfung immer neu anregen.
10.45 VINA YUN: Popkritik, Popjournalismus, Popfeminismus
Pop in feministischen Medien
Rund um das Jahr 2000 entstanden neue feministische Printmedien wie female
sequences und nylon, die durch ihren Fokus auf das kulturelle Feld –
genauer auf die Populärkultur – gekennzeichnet waren. Rückblickend
stellen sich die genannten Zeitschriften als Orte dar, an denen sich hierzulande
erstmals ein explizit „feministischer Popjournalismus“ bzw.
eine „feministische Popkritik“ artikulierte. Die damals eröffneten
diskursiven Räume sowie die im Umfeld der Zeitschriften entstandenen
feministischen Netzwerke reichen bis in die Gegenwart hinein. Der Beitrag
versucht, das junge Phänomen „Popjournalismus“ und seine
geschlechterspezifischen Implikationen zu skizzieren und stellt die Frage
nach den Möglichkeiten der Historisierung feministischer Popschreibe
im deutschsprachigen Raum.
11.15 Pause
11.30 SONJA EISMANN: Alles aus Liebe. Feministische
Medienarbeit zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung
Die Ambivalenz zwischen Selbstorganisation und Selbstausbeutung ist ein
scheinbar unauflösbares Dilemma feministischer Medienarbeit. Eröffneten
Do-It-Yourself-Strategien in der alternativen Medienarbeit anfangs antikapitalistische
Freiräume, entstanden recht bald unerfreuliche Parallelen zum Diktat
neoliberaler Eigenverantwortung. Der Inputvortrag widmet sich den Problemen
und Potenzialen von feministischer Medienarbeit im geschichtlichen Konnex,
um neben der Chance für die Formulierung radikaler, nicht kooptierbarer
Standpunkte auch die Marginalisierung durch die Mehrfachbelastungen feministischer
Medienmacherinnen aufzuzeigen.
12-13.00 Podiumsdiskussion: Probleme, Paradigmenwechsel,
Perspektiven
VINA YUN (MALMOE), FRANKA FIESELER, HELGA NEUMAYER (Frauensolidarität),
RUBIA SALGADO (MigraZine – ein Online Magazin von und für Migrantinnen),
IRIS BOROVCNIK (LILA – Blattform für generationenübergreifende
feministische Diskurse)
Moderation: LEA SUSEMICHEL
13.00 Mittagspause
15-17.00 WORKSHOPS
WS I: Medien abseits des Mainstreams: Qualitätskriterien
und Herausforderungen Gabi Horak (an.schläge. Das feministische
Magazin)
Journalistische Qualitätskriterien sind für traditionelle Medien
hinreichend definiert, etwa die Trennung von Nachricht und Meinung, Objektivität,
Nähe und Prominenz. Für feministischen Journalismus können
und dürfen viele dieser Kriterien nicht gelten, aber was gilt sonst?
Der Workshop bietet die Möglichkeit, gemeinsam Qualitätskriterien
feministischer Medien zu definieren und zu entwickeln. Und weil Qualität
kein starres Paradigma ist, sondern sich mit den Gegebenheiten ändert,
müssen diese Überlegungen auch aktuelle und zukünftige
Herausforderungen feministischer Medienproduktion miteinbeziehen.
WS II: Zwischen Theorie und Praxis – Zum politischen
Gehalt visueller Bildgestaltung Redaktion fiber. werkstoff für feminismus
Wir, das Redaktionskollektiv von fiber. werkstoff für feminismus
vertreten die Auffassung, dass praktische feministische Intervention ebenso
von theoretischen Überlegungen bedingt ist wie auch Theorie nicht
abseits von Praxis gedacht werden kann. Es ist jene Dialektik von Theorie
und Praxis, die in der Arbeit an fiber stets mitreflektiert wird.
In diesem Zusammenhang sind wir uns bewusst, dass Kommunikation ebenso
wie Fragen zu feministisch-politischer Intervention und Engagement, keineswegs
auf das geschriebene und gesprochene Wort reduziert werden können,
sondern in einem wesentlich weiteren Rahmen gefasst werden müssen.
Unser Workshop wird sich einem Bereich von Kommunikation widmen, der fiber
ein besonderes Anliegen ist: der feministischen Bildpolitik sowie der
Frage nach deren politischen Gehalt.
WS III: How to start a feminist magazin … Sonja Eismann (Missy Magazine)
Wieso gibt es in Deutschland kein Magazin, das die Berichterstattung über
coole Frauen, Popkultur, Politik und Style mit einer feministischen Haltung
verbindet? Weil es bisher noch niemand gemacht hat. Weil wir so ein Heft
unbedingt lesen wollen und glauben, dass es vielen anderen Frauen genauso
geht, machen wir Missy. Wir glauben, dass es sich trotz Widrigkeiten und
großer Finanzierungsprobleme lohnt, das Utopische umzusetzen und
eine Lücke zu füllen, die scheinbar von sehr vielen gefühlt
wird.
feminist press|ure Fest
29.11., 20.00, Einheitspreis: 8,- Euro
Konzert: Cindy Wonderful von SCREAM
CLUB, Kat Frankie, Fist
Receiver, Pop:sch (con gas) Performance: Dragking-Show von königindernacht
und Kronprinz Ernesto I DJing: Frau Letschnig und Ina Freudenschuss VJing: VJ L.S.E. mit VJtheDJ Moderation: Irmi Wutscher und Helen Zangerle
ACTS
Die freakige Rapperin Cindy Wonderful von
SCREAM
CLUB ist eine Hälfte des Electro-Sex-Hop-Hip-Pop-Punk-Rock-Arty-Glam-Rap-Duos
aus Olympia, WA. Ihre „gaysymmetrischen“ und energiegeladenen
Superheldinnensongs über Herzschmerz, Politik oder Girl Gangs verbreiten
sie schon seit fünf Jahren, manchmal sogar mit Hilfe von Peaches
und Beth Ditto von GOSSIP.
Das Duo FIST RECEIVER, Mach-es-Selbst-Bravado
und Post-Punk-Haltung bemühend, setzt gern „queer“ vor
das Folk-Skelett, das es seinem Publikum vor die Ohren legt. FreundInnen-Musik,
die elektrisch schnurrt und in sympathischer Proportion eskaliert. Besetzung:
Andrea B. Braidt (guit., electr., voc.); Franz Ellinger (ukul., voc.).
Die australische Singer-Songwriterin Kat
Frankie singt über „Universelle Dinge“ und
beweist: Traurige Lieder übers Schlussmachen können auch hoffnungsvoll
sein. Zwischen Folk und Pop positioniert die Wahlberlinerin ihre Musik
für „zornige Frauen, Grautöne und die miese Seite von
Beziehungen“.
Pop:sch
(con gas) ist Elektro-Pop aus Wien. Diesmal haben Fräulein
Potmesil, Alex und Flo auch ihre nächtlichen Wet dreams, die Cranberries
und Martina dabei. Wer immer schon zu Trennungsschmerz und Ex-Gay-Heuchlern
abtanzen wollte, ist hier nicht ganz falsch!
Die zwei selbsternannten dragischen Monarchen (in spe) königindernacht
& Kronprinz Ernesto I haben ihr Kingdom längst über
Wiens enge Grenzen gezeichnet, Heimspiele sind jedoch immer noch ihre
Lieblingsspeise.
Was sie drängt, das sind ihre 3 heiligen Prinzipien: _ Aneignung-_
Ekstase-_Selbst& Fremd-Ironie.
_–Will heißen: sie nehmen sich, was immer noch nicht allen
gehört – das sind nämmliche Sprechpositionen, verdammte
Unverschämtheiten, Großkotzigkeit und Postpotenz.
_–Sie blühen auf im Rampenlicht, zergehen Angesichts ihres
fraglichen Publikums, feiern sich selbst und Euch bei orgiastischen Melodien.
_ ..
Die Mittel zum Zwecke reichen dafür von transregionalem und gezeitigtem
Getanze über plotloses Storytelling und verfremdete Selbstdarstellung
– mit und ohne BH (BartHalter).
Das Videoprogramm VjtheDJ von VJ
L.S.E. ist eine Zusammentragung von Found Footage Material der
gängigen Online-Video-Plattformen. Eingepackt sind die größten
Hits: Vom tanzbaren Heimorgelkonzert bis zu den schönsten Elecktroröcken
ist alles dabei: Von Madonna bis MC Hammer, von Sandra zum Tölzer
Knabenchor und zurück. Eine seicht-harte Mischung vom Feinsten. Die
PerformerInnen sind Privatpersonen, die in heimischer Atmosphäre
und in den versprochenermaßen schönsten Wohnzimmern der fünf
Kontinente ihre LieblingsinterpretInnen zum Besten geben oder die größten
Hits Arme schwingend darbieten. Zur Katharsis wird direkt im Anschluss
und quer rein, das Original in altbekannter Formvollendung gereicht. Es
leben die 90er! www.youtube.com/VJLSE (Playlists)