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Eine verschleierte Person läuft kichernd zu einer anderen und nimmt ihr die Kamera aus der Hand. Im Kurzfilm „Poster“ von Samer Barkaoui sind zwei Frauen mit Schleiern zu sehen, die auf einer Holzbank sitzend vor einer Kamera posieren. Die Fotografin, ebenfalls ganz in Schwarz, taucht im Bild auf und setzt sich, um sich filmen zu lassen. Die dritte junge Frau übernimmt lachend die Kamera. Das Bild bleibt dadurch immer gleich: Es zeigt zwei verschleierte Personen. Was unterscheidet nun diesen Film von z. B. der nackten Mädchen-Statue mit Kopftuch, die wie der Kurzfilm im project space der Kunsthalle
Wien gezeigt wurde? Und zugleich: Was macht die „Kunst des Feminismus“ (Abigail Solomon-Godeau) aus? Das Kichern der Mädchen, ihre Freude am Agieren mit der Kamera, das flotte Hin- und Herlaufen weisen ihre künstlerische Aktivität als die von autonomen Subjekten aus. Die drei dürften Stärke aus ihrem kleinen Netzwerk ziehen. Schwarzes Gewand hin oder her, sie erkennen sich im Film. Im Vergleich wirkt die kleine dünne Statue verängstigt und einsam, sie verbreitet Angst. Er habe sich nicht getraut, eine Frauenfigur zu verwenden und verwendete stattdessen eine Mädchenfigur, die zum Beschützen anregen soll, sagte der deutsche Künstler Olaf Metzel im Ö1-Interview. Die Ausstellung „Mahrem. Anmerkungen zum Schleier“ der Kuratorin Nilüfer Göle im project space wurde erstmalig als Teil des „Non Western Modernities Project 1“ in der Universität Istanbul gezeigt. In der Wiener Version fehlt leider ein Teil der Skulpturen.
In der Kunst des Feminismus gab es für Österreich immer große Einzelgestalten wie VALIE EXPORT oder Maria Lassnig, die sich zwar deutlich von den männlichen „Geniekünstlern“ und deren Kunstformen abhoben, aber doch zum Teil recht einsam blieben. Interessant ist, dass die Universitätsprofessorin für Postkonzeptuelle Kunst Marina
Grzinic in ihrem neuen Buch „Re-Politicizing Art, Theory, Representation and New Media Technology“ auch für Jugoslawien hauptsächlich berühmte feministische Einzelkünstlerinnen wie Sanja Ivekovic, Vlasta Delimar oder Tanja Ostojic analysiert, obwohl Grzinic selbst immer wieder Teil von feministischen Gruppen wie „The Borders of Control No. 4“ war und ihre Videoarbeiten gemeinsam mit Aina Smidt
produzierte.
Grzinic fordert eine Kontextualisierung der Kunstarbeiten aus dem ehemaligen Jugoslawien, das eben nicht nur als geografischer, sondern als politischer und sozialer Raum im historischen Kontext sichtbar bleiben muss. Eine Entpolitisierung, eine Entleerung der Kunstwerke in Richtung einer Ästhetisierung ginge mit dem Transport so genannter „Balkan Kunst“ in den Westen oft Hand in Hand. Das schöne rote Mohnfeld von Sanja Ivekovic als Zentrum der Dokumenta 12 schrammte in diesem Zusammenhang auch knapp die Kurve – unzählige Erinnerungsfotos lächelnder BesucherInnen benutzten den farbenprächtigen Hintergrund, der eigentlich an den Kampf afghanischer Frauen erinnerte. Zweimal täglich erschallten revolutionäre Lieder aus dem Lautsprecher. Eine Kunstarbeit, die durch textliche Kontextualisierung funktionierte.
Grzinic kritisiert die Trennung der südost- bzw. westeuropäischen Bewegungen einer Kunst des Feminismus. Doch gehören eigentlich Auftritte der Frauenband „Boye“ aus Novi Sad oder der Wiener Frauenband „Future Blues“ in Maribor vor dem Krieg zur „Kunst des Feminismus“? Die Foto-Ausstellung von Maja Vouda im Salzburger Frauenzentrum? Gehört die Instandsetzung des besetzten Frauen- und Lesbenzentrums in der Metelkova, ehemaligen Militärbaracken in Ljubljana, durch Handwerkerinnen des Wiener Autonomen Frauenzentrums 1991 oder 92 dazu? Oder sogar die „Selbstbehauptungskurse“, die während des Krieges Frauen und Mädchen im Zagreber und Belgrader Frauenzentrum erhielten? Oder die Transparente-Aktion gegen Nationalismus, die die schwer bewachte Frauen-Friedens-Konferenz in Zagreb störte? Kunst des Feminismus bleibt auf jeden Fall mit Performance, mit Aktion im öffentlichen Raum verbunden.
*Boye fürchtet sich nicht. Titel einer Kassette der Frauenband „Boye“ vor dem Krieg
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