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So viel Euro. So viel Werbung. So viel Sexismus. Auch die Werbebranche will ein Stück vom Eurokuchen mitnaschen und dass dieses Stück meist mit einer ordentlichen Portion Sexismus statt Schlagobers serviert wird, scheint anscheinend niemanden mehr zu stören. „Fußball – so scharf wie noch nie“ bewirbt etwa der Telekommunikationsbetreiber Hutchison 3G seine neuestes Angebot: Wer mit „3 mobil“ telefoniert, kann ab sofort in allen Tarifen auch unbegrenzt mobil fernsehen und zwar in gestochen scharfer Bildqualität.
Und wie kann man eine gestochen scharfe Bildqualität besser und origineller vermarkten als mit fünf scharfen und natürlich halbnackten Frauen, die über den grünen Rasen hüpfen und dabei den Fußball nicht mit den wohlgeformten Beinen, sondern mit einem sexy Hüftschwung ins Tor befördern? Konzipiert wurde das einfallsreiche Motto der Kampagne von der Q Werbeagentur. Die innovative Umsetzung verdanken die SeherInnen der Plakate und der Fernsehwerbung dem Regisseur und Fotografen Florian Seidel. Die Verantwortlichen zeigen sich vom großen Ideenreichtum der eindeutig-zweideutigen Kampagne begeistert: „Das beste MobileTV-Angebot, beworben mit einer gehörigen Portion Erotik und dem 3typischen Augenzwinkern.“
Dass auch die BetrachterInnen der Werbung kurz die Augen schließen, liegt allerdings vermutlich eher an einem fortgeschrittenen Stadium des „Fremdschämens“ als an der wenig originellen Erotik, die hier präsentiert wird. Auch das Internet bleibt nicht von der orangen Invasion verschont. Besucht man/frau die Seite www.schaerfer.at, wackeln als Begrüßung wieder die fünf Damen lasziv mit den Hüften und spielen mit ihren Haaren. Und für jeden Geschmack ist etwas dabei: blonde, braune und rötliche, glatte und lockige Mähnen werden hier um die Finger gewickelt. Nach einem Klick auf den Button „MobileTV“ folgt eine besondere rhetorische Perle: „Schärfere Bälle haben sie noch nie gesehen“. Seichtere Sprüche gehört auch noch nicht. BesucherInnen der Seite, die interaktiver veranlagt sind, können auch eine „DancingLady“ erstellen. Dazu muss nur ein Foto upgeloadet werden und schon kann man sich selber beim Hüftenschwingen zusehen und an ArbeitskollegInnen kann die „Dancing Lady“ auch noch verschickt werden! Woher wissen die bei 3 bloß immer, was ich will?
„dieStandard.at“ weiß, was sie nicht will, und dazu gehören unter anderem auch Werbungen wie diese. Nach dem Eingang von einigen Beschwerden über die kickenden Damen in der Redaktion, erhielt „3“ für diese Werbung die „Zitrone“ (eine Negativ-Auszeichung für sexistische Sager und Werbungen). „Wenn manche glauben, dass nur mit sexistischer Werbung Öffentlichkeit hergestellt werden kann und dies auch gleich noch mit der EURO 2008 verquickt wird, müssen wir uns fragen, was da noch alles an einfallsloser Werbung, speziell im Rahmen der Fußball-EM, auf uns zukommen könnte“, so der Artikel. Bis zur ernüchternden Antwort ist es nicht weit. Beim Warten auf die S-Bahn sprangen mir kürzlich einige Plakate ins Auge, die derzeit in fast ganz Wien präsent sind. Diesmal müssen jedoch Männer ihre besten Stücke in die Kamera halten: „An die Latte“, „Freistoß“, „Handspiel“, sind nur drei der fünf Werbeslogans, mit denen der Unterwäschehersteller Huber derzeit für seine Männerkollektion wirbt. Marketingleiterin Natalie Tauschek meinte dazu gegenüber dem Standard: „Mit unserer neuen Kampagne möchten wir die Marke Huber sichtbar machen. Die zweideutigen Slogans stellen die Verbindung zwischen Fußball und Erotik her“. Hatten wir das nicht heute schon einmal? Zweideutige Slogans sind, so glauben die MarketingleiterInnen und Werbeleute dieser Welt, anscheinend der einzige Schlüssel zu erfolgreicher Werbung. Im Fall von Huber soll das öffentliche Interesse durch die „witzige und erotische Zweideutigkeit der Slogans“ verstärkt geweckt werden.
Doch auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen liegen Huber dabei am Herzen. Die Slogans sollen, laut Aussage der Firma, den befürchteten Beziehungskrisen und dem Sexmangel während der Fußballspieltage trotzen. Wie rührend! In diesem Sinne halten wir kurz inne und danken Huber für die Errettung unseres Sexuallebens während der EURO 2008.
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