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„Ich glaube nicht, dass Abtreibung ein Recht ist.“ Äußerungen von fundamentalen LebenschützerInnen, deren Heiligenschein im Namen Gottes erstrahlt, hört man von der „Generation Benni“ jetzt wieder öfter. Den Frieden der „Abtreibungsgesellschaft“ stören die religiösen FanatikerInnen bekanntlich am liebsten vor deren „Tötungsstätten“. Durch „stilles, andächtiges“ Beten, gerne auch mal marathongebetsvigilmäßig 24 Stunden lang, und nicht ohne dabei Abbilder der abgetriebenen Frucht des Leibes umgehängt zu haben.
Manchmal tigern sie auch, wie zum Beispiel beim „1.000 Kreuze für das Leben“-Marsch zum Frauentag in Münster, eindrucksvoll durch die Bezirke, um der Gesellschaft klar zu machen, dass sie vom Aussterben bedroht ist – wenn „das Morden“ weitergeht. Kindsmord, urteilen Human Life International (HLI) & Co, passiert auch schon durch die Einnahme der Pille und durch die Anwendung anderer Verhütungsmethoden.
Mittel und Verbreitung ihres weltweiten Kreuzzuges gegen den „Babycaust“ sind bemerkenswert. Pro-Life-Hardliner-Sprachrohr, Gloria TV, hat unter dem Motto „the more catholic the better“ eine katholische Kanzel im Internet und Bischof Laun ist so was wie der „Schutzpatron“ des Redaktionsteams (Jugend für das Leben) rund um Don Reto Nay. ProChoiceViolence-Videos, die die Gläubigen als Beweis von linken „Missbrauchsversuchen“ hochladen können und das An-den-Pranger-Stellen von „Abtreibern“ stehen neben hetzerischen Reden von „Seelsorgern“ über die unmoralische Verkommenheit der Welt oder entsetzten Kommentaren zu progressiveren Forderungen wie jene von Schutzzonen vor „Kultur des Todes“-Kliniken.
Bedrohlich daran ist vor allem, dass die Politik in verstärktem Maße mit diesen Ansinnen infiltriert und die Fristenlösung wieder thematisiert wird – obwohl die Zahl der Abtreibungen in westlichen Ländern zurückgeht und immer dort am seltensten in Anspruch genommen werden muss, wo der rezeptfreie Zugang zur „Pille danach“ erleichtert ist und Verhütungsmittel am wenigsten moralische Bedenken hervorrufen – und diese auch in einer leistbaren Form angeboten werden. Die Forderung nach einem weltweiten Moratorium gegen Abtreibungen hat in Italien durch Guilian Ferrara einen, nicht nur von KatholikInnen, umjubelten Initiator. Der Fernsehmoderator und Chefredakteur des konservativen Blattes „Il Foglio“ will die Stimmen von WählerInnen für den „wichtigsten zivilen Kampf des 21.Jahrhunderts gewinnen“ und kandidiert bei der vorgezogenen Parlamentswahl Mitte April mit einer „Liste für das Leben“.
Berlusconis ehemaliger Pressesprecher wird den Einzug ins Parlament zwar nicht schaffen, die Unterstützung des Vatikans ist ihm aber sicher und landauf und -ab ist er der Held der kathpress. Der Fall „Silvana“, jener Frau, die in der 21. Schwangerschaftswoche einen legalen Abbruch wegen Chromosomenanomalie durchführen ließ und von einem Angestellten der Klinik auf Verdacht des Missbrauchs der Fris- tenlösung denunziert wurde, zeigt ganz deutlich, wie und wo ProLife-AktivistInnen ansetzen, um ihre Moral wirksam unters Volk zu bringen.
Das italienische Vorbild sorgt jedenfalls für weitere Abtreibungsmoratoriumsappelle. Auch der deutsche Bundestag wird aufgefordert, Artikel 2 (2) des Grundgesetzes „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ mit dem Zusatz „von der Zeugung bis zum natürlichen Tod“ zu ergänzen. Auf abtreibungsmoratorium.de kann darüber abgestimmt werden, in welcher Zeitung (derzeit liegt die FAZ ganz weit vorne) der Mahnbrief an Merkel abgedruckt werden sollte.
Ferraras „Make love, not abortion“-Botschaft wird in Österreich zwar so nicht kommuniziert, aber bei den Landtagswahlen in Niederösterreich trat die Partei Die Christen (mit 8.309 Stimmen fast gleichauf mit KPÖ und BZÖ) in eine ähnliche Bresche, um auf ihren Slogan „leben.werte.zukunft“ aufmerksam zu machen. Ihr Kandidat Nr. 5 war übrigens Dietmar Fischer, HLI-Österreich-Chef. Kein Wunder, dass bei Treffen der Landesorganisationen der Film „Ungeborene wollen leben“ gezeigt wird, um Stimmen zur Einleitung ihres Kinder- und Familienvolksbegehren zu werben.
Dreißig Jahre nach Einführung der Fristenlösung Frauen immer noch als Opfer zu stigmatisieren, für die man das Denken übernehmen muss, während „ethische“ Allianzen für das ungeborene Leben sprechen, beweist, dass aufgrund bevölkerungspolitischer Interessen ein Backslash auf Kosten der Frauen stattfindet, der nicht ignoriert werden sollte.
Ob Kinder oder keine, bestimmen wir alleine.
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