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Ich bin zu jung, um in feministischen Bewegungen dabei gewesen sein zu können. Ich habe einen Job in einem Betrieb, in dem Frauen klar überwiegen und das Gehalt kein Geschlecht kennt. Ich habe keine Kinder, muss mir also nicht über nicht vorhandene Betreuungsplätze den Kopf zerbrechen oder meinen ach so biologischen Mutterinstinkten nachgehen. Ich kann also von Themen, die „uns Feministinnen“ wichtig sind, nicht aus eigener Erfahrung berichten. Und ich bin Feministin, jawohl, und ich frag mich, wo die anderen sind.
In meinem Umfeld gibt’s Frauen, viele Frauen. Sie sind jünger, älter, selbstbewusst, selbstbestimmt, haben Kinder, keine Kinder, gehen arbeiten, sind arbeitslos, studieren, sind interessiert, gebildet. Aber Feministinnen sind sie nicht, bzw. sie lehnen diese Art der Bezeichnung ab. Ich hör’ dann Sätze wie: „Ich bin emanzipiert, aber diese übertriebenen Emanzen nerven mich.“ „Ich bin gegen geschlechtergerechtes Formulieren, das macht alles so kompliziert.“ Ich hör’, abwertend: „Du Feminist.“ Ich hör’ von einer Frau, dass sie sich nicht als Studentin bezeichnen will – sie ist Student. Und ich schreie auf und gleichzeitig erinnere ich mich, dass ich mich auch lange nicht als Feministin bezeichnet hätte. Und ich frage mich, was da los ist, warum es immer wieder, immer noch diese Angst und Abwehr gibt, sich feministisch zu nennen. Klar mag eineR jetzt sagen, dass ein bloßes Benennen ja doch noch nichts ausmacht, dass das Handeln wichtiger ist. Und das stimmt natürlich. Aber: Die genannten Frauen sind für gleiche Rechte, gleiche Löhne, gleiche Chancen. Ist das denn nicht feministisch? Dieses andauernde Ablehnen des F-Wortes macht mich wahnsinnig, dieses andauernde Glauben zu wissen, wie „die Feministinnen“ denn ticken, was die denn wollen, denn natürlich sind wir hässlich, Männerhasserinnen und lesbisch, alles klar. Etwas Information bevor sich eineR positioniert, würde mal nicht schaden, aber da kann sich eineR ja den Mund fusslig reden, das betrifft ja viel mehr als Feministisches.
Hallo Frauen, hallo Männer, wo ist das Problem? Es soll mir erst mal eineR eine „Hardcore-Emanze“ zeigen.
Und wo ist das Problem im Sprechen/Schreiben? Was macht es so unmöglich, Frauen und Männer sprachlich zu benennen? Dass das alles kompliziert macht ist Unfug. Und wenn die männliche Schreibweise uns Frauen auch beinhaltet – warum dann nicht mal nur in weiblicher Form schreiben, die Männer sind dann eh auch mitgemeint?
Wie gut tut es dann, von einem Uni-Prof. zu hören, der genau diesen Vorschlag einer Studentin macht. Und wie gut tut es, von einer Uni-Prof. darauf hingewiesen zu werden, dass es wohl möglich ist, in wissenschaftlichen Arbeiten „ich“ zu schreiben, ja, dass dies sogar aus feministischer Sicht wichtig ist! Ja und dann wieder die Frauen. Die Frauen, denen es reicht, mitgemeint zu werden. Die Frauen, die über eine „politisch korrekte Schreibweise“ sprechen, und fragen, wie denn noch mal schnell diese Anmerkung genau formuliert gehört, die dann am Anfang der Diplomarbeit steht, die aussagen soll, dass sie selbst natürlich Frauen mitmeinen, aber dann doch lieber nur von Männern schreiben, weil das ja sonst alles so kompliziert ist. Das ist so unglaublich heuchlerisch, und ich ärger’ mich jedes Mal, wenn ich genau so eine Anmerkung lese. Nein, ich fühle mich nicht mitgemeint!
Und dann gibt’s da aber noch was. Ich bin Feministin. Ich bin aber auch Gender-Theorie-Anhängerin. Und das mit voller Leidenschaft. Und da kommen sofort wieder die Schreie. „Gender. Oje. Da geht’s ja um Frauen.“ Und dann sitz’ ich in der Vorlesung, und es sind wirklich fast nur Frauen da. Ein, zwei Männer, eventuell. Und ich denk’ mir, warum? Woher kommt diese Gender=Frauenthemen Assoziation, bzw. warum gibt’s das immer noch? Aber mit Gender geht’s dann erst richtig los. Weil: Wenn jetzt Frauen und Männer letztlich nicht definierbar sind (also wenn soziale Geschlechter konstruiert sind und biologische Geschlechter alles andere als eindeutig), sollten wir dann überhaupt wieder und wieder von „den Frauen“ und „den Männern“ reden? Jawohl, auch bei aller Dekonstruktion gibt’s uns Frauen, solange uns immer noch (biologisch) vergeschlechtlichte Rollen und Pflichten zugeschrieben werden, und solange wir in weiten Bereichen genau deshalb benachteiligt werden.
Ich will bitte mehr feministische Frauen. Und mehr feministische Männer. Und mehr feministische egalwelche Geschlechter. Und ich will hören: „Klar bin ich feministisch.“ Und ich will nie wieder hören von übertriebenen Emanzen und komplizierten Ausdrucksweisen. Das gibt’s nämlich alles überhaupt nicht. |