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Dynamische Körper |
an.schläge: Wenn man essenzialistischen Positionen Glauben schenkt, sind Hormone zentral in der Definition dessen, was Geschlecht ist. Kann man das Geschlecht einer Person mithilfe der Hormone in einer Blutprobe bestimmen? Könnten Sie generell etwas zu den Methoden der Geschlechtsbestimmung sagen? Anne Fausto-Sterling: Es gibt keine guten Methoden, um das Geschlecht einer Person zu testen. In der Medizin ist es weithin anerkannt – und das seit vielen, vielen Jahren –, dass man Geschlecht auf einer Reihe verschiedener Niveaus messen kann. Und diese Niveaus passen nicht immer zusammen. Traditionellerweise gibt es die Definition vom chromosomalen Geschlecht: XX oder XY, wenn wir von Menschen sprechen. Und das kann, muss aber nicht in Übereinstimmung sein mit dem hormonalen Geschlecht. Es gibt eine wachsende Bewegung von Transgender Personen, die für sich das Recht einfordern, kein eindeutiges Geschlecht zu sein. Wie kann die zunehmende Sichtbarkeit von Transgender das Konzept der binären Geschlechter destabilisieren? Ich denke, die Transgender-Bewegung macht zwei Dinge auf einmal, die völlig widersprüchlich sind. Zum einen destabilisiert sie die Binarität, verschiebt die Grenzen, vor allem unter Transgender Personen, die sich für ein Leben in dieser Art Zwischenstadium von Transgender-Existenz entscheiden statt für eine komplette Umwandlung. Zum anderen re-etabliert sie die Binarität, weil die dominante Erzählung der Transgender-Bewegung jene ist, dass es sich um Personen handelt, die im falschen Körper geboren sind. Das impliziert, dass es immer einen richtigen Körper gibt, um darin zu leben, und das ist entweder ein männlicher oder ein weiblicher Körper. Und was medizinisch gesehen mit Transgender Personen falsch ist, ist, dass die Seele oder der Geist im falschen Körper ist und was man medizinisch tun muss, um die Person zu behandeln, ist den Körper in Ordnung bringen, ihn in die andere Kategorie verwandeln. Diese Version von Transgenderismus, diese Erzählung vom Geborensein im falschen Körper, re-etabliert die Geschlechterdichotomie und destabilisiert sie meiner Meinung nach nicht. Aber ich glaube, die breitere Transgender-Bewegung von Menschen, die wirklich in uneindeutigen Körpern leben hat einen destabilisierenden Effekt auf die Geschlechterdichotomie. Leute also, die sich für Körper entscheiden, die man auf den ersten Blick nicht einordnen kann. Diese Entscheidung irgendwo im Dazwischen zu leben, ruft auch sehr gewalttätige Reaktionen hervor – es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein gefährlicher Raum zum Leben. Was ein Grund dafür sein könnte, dass Menschen sich für die extremere Version entscheiden und versuchen, einen Körper zu kreieren, der entweder als männlich oder weiblich erkennbar ist. Im Naturhistorischen Museum in Wien gibt es Knochen, die nicht als männlich oder weiblich identifiziert werden konnten. Sie sind zu ähnlich. Materielle Körper ändern sich also und sind veränderbar? Kultur hat einen sehr materiellen Effekt auf Körper, und ich habe auch festgestellt, wie riesig die jungen Frauen auf unserem Campus heutzutage sind. Ich fühle mich wie eine Ameise unter diesen riesigen Frauen. Und ich glaube nicht, dass es nur darum geht, dass Frauen nicht soviel zu essen bekommen haben wie Männer, sondern es geht um die pränatale Ernährung. Zumindest in der Mittelschicht, meine Freunden, die Kinder haben, achten stark darauf, während der Schwangerschaft große Mengen an Proteinen zu essen. Und sie bekommen sehr große Babys. Für Babys ist es heute normal, acht oder zehn Pfund1 zu wiegen. In der Generation meiner Mutter wogen Babys vier, fünf oder sechs Pfund, und ein vier-Pfund-Baby wurde nicht als Frühchen angesehen – es war einfach ein kleines Baby. Es ist also etwas kulturelles, wie gut genährt wir sind und wie wir pränatale Ernährung gestalten. Die Kultur hat die ganze Struktur unserer Körper in bedeutender Weise verändert. |
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