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Als die Studie von Carolin Tener und Tina Ring zu Mädchen-prostitution in Wien am 14. November 2006 präsentiert wurde, war das Medieninteresse groß. Nicht zu Unrecht, handelt es sich dabei doch um ein Thema, dem von den zuständigen Stellen bislang wenig Beachtung geschenkt wurde. Umso erfreulicher ist es, dass nun eine Arbeit vorliegt, die sich der längst überfälligen Behandlung dieser prekären Thematik detailliert widmet.
Zwischen Jänner 2003 und Juni 2004 führten die beiden Studienautorinnen, teils mit Fragebögen, Gespräche mit 25 jungen Frauen, die entweder minderjährig mit der Prostitution begonnen hatten beziehungsweise es auch zum Zeitpunkt der Befragung noch waren. Dabei hat sich gezeigt, dass sich die Biographien der Befragten, die aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen, ähneln. Die Ähnlichkeiten beziehen sich dabei sowohl auf die Vorgeschichte der Mädchen als auch auf ihre gegenwärtige Situation. Sie sind traumatisiert und psychisch labil, das Verhältnis zu ihren Familien ist problematisch, sie verfügen über kurz- oder längerfristige Erfahrungen mit Obdachlosigkeit, manche sind gesundheitlich stark angegriffen. Fast alle haben schon (mehrere) Schwangerschaften hinter sich und manche schon eigene Kinder, dann aber meist keinen Kontakt mehr zu ihnen. Drogenkonsum und Prostitution bedingen einander häufig und bewirken in Kombination eine schleichende Verelendung. Das Milieu, in dem die Mädchen arbeiten, ist außerdem hochgradig gewalttätig. Es kommt immer wieder zu Übergriffen von Zuhältern und Freiern, aber auch die Mädchen untereinander neigen aufgrund von Rivalitäten zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft.
Es gibt Wissensdefizite etwa bezüglich der Vermeidung übertragbarer Krankheiten, die Mädchen nehmen die bestehenden Informations- und Betreuungsangebote teils aus Scham, teils aus Unwissenheit nicht an und haben überhaupt große Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, die sie als fordernde Autoritätspersonen erleben. Die Autorinnen weisen in ihrem Resümee deshalb auch darauf hin, dass es „ein Konzept zu verwirklichen gilt, das diesen Mädchen zuallererst zeigt, dass die Gesellschaft auch an ihnen Interesse hat und dass Hilfe und Unterstützung nicht an Erwartungen geknüpft sind.“
Es wäre also dringend nötig, ein Projekt auf die Beine zu stellen, das ähnlich wie das Projekt „Sperrgebiet“ der Diakonie Hamburg den jungen Frauen neuen Halt gibt und mit ihnen gemeinsam Perspektiven erarbeitet. Das „Sperrgebiet“ gibt es seit 1985, die beiden Autorinnen haben dort im Rahmen eines Praktikums bereits Vorarbeit für ihre Studie geleistet. Es ist Kriseninterventionsstelle und Übernachtungsstätte, Treffpunkt und Beratungszentrum und funktioniert anonym und barrierefrei. Hier können sich die Mädchen in einem familiären Umfeld entspannen, Freundschaften schließen, sie können Erfahrungen austauschen und sich beraten lassen. Da es keine starren Strukturen gibt, kommen die Mädchen freiwillig und nehmen die angebotene Hilfe auch tatsächlich an.
Tina Ring und Carolin Tener, um die es in der letzten Zeit wieder still geworden ist, würden sich ein ähnliches Projekt für Wien wünschen. Da trotz des enormen Medieninteresses von keiner Seite Realisierungsvorschläge gemacht wurden, sind sie selbst
initiativ geworden und sondieren derzeit das Terrain auf allen Ebenen. Die Finanzierung eines derartigen Sozialprojektes ist wie immer schwierig, es wird sich erst zeigen, ob von Bund oder Land die nötigen Gelder lukriert werden können oder ob die Finanzierung eher spendenorientiert über Sozialorganisationen laufen wird.
Ein grundsätzliches Interesse auf kommunaler Ebene scheint jedenfalls vorhanden zu sein, denn das Frauenbüro der Stadt Wien hat bereits die Studie finanziell unterstützt. Es bleibt also abzuwarten, in welche Richtung sich die Dinge in Wien entwickeln werden und was dabei unter dem Strich für die Mädchen herauskommen wird.
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