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Super, Österreich hat wieder einen Kunstskandal! Nein, nicht den Mann, der die stilisierten Jesusschen Lenden nicht mochte. Den hat doch keineR ernst genommen. Hier handelt es sich um echte Zensur – direkt vom Ministerbüro Bures verordnet. Nicht gehört?
Im Rahmen einer Expertinnentagung zu „Zehn Jahre Gewaltschutzgesetz in Österreich“ hätte Anfang November in Wien eine Ausstellung zum Thema Gewalt an Frauen im Palais Auersperg stattfinden sollen. Hat sie aber nicht, weil zwei der Bilder und die dazugehörigen Bildunterschriften des Künstlerinnen-Duos Carla Knapp und Andrea Zwettler nicht „ministrabel“ waren. Zum einen war das eine abstrakt dargestellte wehrhafte Frau mit nicht-abstraktem Messer in der abstrakten Hand, die unter anderem den Untertitel trug „Vergewaltiger wir kriegen Euch!“. Nicht ministrabel. Zum anderen eine muslimische Frau vor österreichischer Kleinstadt, Aussage: „Wir fordern einen autonomen Aufenthaltsstatus für Migrantinnen!“ Auch nicht ministrabel. Wie auch die „Glückskekse“ nicht. Botschaften gegen Gewalt auf türkisch, serbokroatisch und deutsch: Zur Gänze nicht ministrabel. Und da sind sie zwei Tage vor der Ausstellung drauf gekommen.
Grundsätzlich bin ich ja eine große Freundin der Kunstskandälchen Österreichs. Sie bieten eine Art Volksstück, von den Medien aufbereitet, und mir einen gewissen Unterhaltungswert. Sie folgen einer unauflöslichen Dramaturgie:
Da gibt’s was, was dem Anstand oder sonstigen obskuren Regelwerken widerspricht. Dann wird mit Kunst und Freiheit argumentiert, was vielen von vornherein suspekt ist. Und dann geht’s schon los: Da will wer was verbieten, oder eben nicht, andere regen sich über das Verbot oder Nicht-Verbot auf und es regnet Unter-der-Gürtellinie-Argumente. Toll! Am Besten wird’s immer, sobald Krone und FPÖ sich zu Wort melden. Hier wird die österreichische SpießerInnenseele besser vorgeführt als beim Herrn Karl. Ich würde ja soweit gehen, die Kunstzensur neben Lipizzanern und Mozartkugeln in Schüssel’s „Typisch-Ösis“-Hitliste aufzunehmen. Geschichtlich wäre das ja locker argumentierbar, ab Metternich eine zweihundertjährige Tradition.
Doch leider, in diesem Fall ist alles anders. Kein Schrei nach Sittenpolizei quer durch die Kleinformate. Kein Teer und keine Federn. Dabei gab es wunderbare Wortmeldungen vonseiten des Frauenministeriums: Dass die problematischen Bilder „missverständlicherweise als Forderungen aller an der Konferenz Beteiligten“ aufgefasst werden könnten. Der Hinweis, dass gemeinsam mit der abstrakten Frau „ganz gegenständlich“ ein Messer abgebildet sei. Und zum Drüberstreuen das überstrapazierte Unwort „ministrabel“. Da hätte man sich doch spielend draufsetzen können! Aber: Das Standard-Forum ist fast lahm. Wo sind denn bitte die rechtspatriarchalen PosterInnen hingekommen? He, da wollen sich Frauen gegen Vergewaltiger wehren! Mit Messern! Ist das keinen Krone-Leserbrief wert?
Aber zugegeben: Ich hätte es ohne die an.schläge-Aussendung auch nicht mitbekommen. Daher weiß ich jetzt auch gar nicht, über was ich mich mehr aufregen soll: dass die Zensur ausgehend vom Frauenministerium mit derart lächerlichen und peinlichen Argumenten gebracht wurde, oder dass das heimlich und quasi über Nacht geschah. Zufälligerweise kurz vor der Eröffnung. Und dann gar keine Ausstellung zustande kam, weil entgegenkommende Angebote der Künstlerinnen kategorisch abgelehnt wurden. Mündlich. Eine schriftliche Wortmeldung des Frauenministeriums gab es nämlich erst, als die AUF-Redaktion mit einem offenen Brief protestiert hatte. Als alles schon vorbei war. Eine breitere Öffentlichkeit hatte also gar nicht die Möglichkeit, im Vorhinein über die Ausstellungsabsage informiert zu sein.
Und genau an diesem Punkt wird’s knusprig: Denn Zensur ist eine Sache, aber Zensur plus Totschweigen noch mal eine ganz andere. Über die EU-Unterhose lachen wir bis heute, aber wer redet über wehrhafte Frauen? Scheinbar niemand. Und das finde ich sehr bedenklich.
Eine Stellungnahme der Künstlerinnen findet sich unter:
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