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Ideen vom Hirn raspeln Ich steh’ am hohen Balkone am Turm, umstrichen vom schreienden Stare und lass’ gleich einer Mänade den Sturm mir wühlen im flatternden Haare.” Ähnlich wie im Gedicht Annette von Droste-Hülshoffs „Am Turm”, das eine am Anfang der Ausstellung begrüßt, wehen einer bald tatsächlich die Haare im kühlen Lüftchen Ursula Neugebauers Installation „tour on l’air”. Sieben Dekor-Büsten mit roten Kleidern hängen in einem Kreis angeordnet an der Decke. Eine Büste beginnt sich zu drehen, die anderen folgen, immer schneller werden sie. Ein unheimliches Rauschen. Stille. Nach ein paar Minuten erneut ein Drehen, Rauschen. Wehen. |
Ballet knackt Rollenklischee. Tour on l’air, ein strenger Stil aus dem Ballett, ursprünglich nur Männern vorbehalten, wird von zeitgenössischen ChoreographInnen gekippt: Auch Frauen dürfen durch die Luft wirbeln, es soll Mut gemacht werden, die traditionellen Rollen zu brechen, erklärt die junge spritzige Frau, die durch die Ausstellung begleitet. Eines wird schnell deutlich: Eine Führung ist auf alle Fälle ratsam, auch wenn anhand kurzer Textpassagen versucht wurde die einzelnen Ausstellungsschwerpunkte (unter anderem „Bäuerinnen, Mütter, Alte: Von der Wirklichkeit im Bild, „Erotik”, „Die rebellische Frau. Identitätssuche”) zu skizzieren. Vieles bleibt unentdeckt. Es bleibt beim Versuch. Wie so oft in österreichischen
Museen gelingt die Balance zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig an
(Text-)Information nicht. Unbedarfte der Kunstgeschichte bleiben wahrscheinlich
unbedarft, Lebensdaten oder Kurzbiografien der Frauen sind in der Ausstellung
nicht vorhanden, der Katalog schafft nur marginale Aufklärung. Sehr
schade, denn die Hintergrundgeschichte jeder Einzelnen, sei es als Künstlerin
oder als „nur” Porträtierte ist dermaßen anregend,
dass Spätfolgen des Ausstellungsbesuchs nicht ausbleiben. Folgen einer Ausstellung. Die anfängliche Skepsis gegenüber
einer bereits in vielen Medien rezensierten scheinbaren Mainstream-Ausstellung
verpufft trotz der oben genannten „Meckerpunkte”. Die vom
Hirn geraspelten und im Museumshop-Sackerl (im Bereich der Museumsläden
hat sich in den letzten Jahren doch einiges zum Positiven verändert,
lässt frau die dreißigtausend Versionen von Klimt-, Schiele-
und Kokoschka-Motiven in Form von Magneten, Glasuntersetze, Regenschirmen
und anderen Wahnsinnigkeiten einmal beiseite) verstauten Ideen werden
mit nach Hause genommen. Bedauerlich, dass im Shop nicht mehr Literatur
zur aktuellen Ausstellung aufliegt. |
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