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Ein Glückskeks fürs
Frauenhaus „Maria liebt Hans. Hans schlägt Maria. Maria ruft an: 0800/
222 555 – Sagen was ist, verändert die Welt!“ oder „Viele
Frauen und Mädchen sitzen zu Hause in der Falle. Vergewaltiger wir
kriegen dich!“ und „Sofortige Absicherung und Grundfinanzierung
des autonomen Tiroler Frauenhauses!“ und immer: „hellwach
– bei Gewalt an Frauen“. So lauten einige der Sprüche
in Tirols neuen Glückskeksen, die seit Anfang August die Runde machen.
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| Diese Idee, Geheimbotschaften zu verbacken wurde im 13./
14. Jahrhundert vom chinesischen Widerstand entwickelt um die Mongolen aus
dem Land zu vertreiben und nun von den Künstlerinnen Carla Knapp und
Angela Zwettler wiederaufgegriffen. Glückskekse, die sogar von Tirols
wichtigster Lebensmittelkette verteilt werden, sollen das Thema Gewalt an
Frauen auch in die letzten Winkel tragen. Zusätzlich wurde von den
Künstlerinnen eine Leuchttafel mit der Aufschrift „hellwach bei
Gewalt an Frauen – observe you – we observe you – we observe“
im Innsbrucker Stadtzentrum aufgestellt und leuchtet nun – ganz und
gar nicht geheim – mahnend vom Balkon des Landesmuseums. Im Herbst
soll die Tafel dann auf Reise gehen und in dörflichen Räumen für
Diskussionen sorgen. Sowohl im Gemeinderat, wo die Aufstellung beantragt
wird, als auch im Gasthaus, in das die Tafel dann vielleicht sogar hineinleuchtet
und die Männerrunden stört. Die Künstlerinnen wollen mit
ihrem Projekt nicht nur der Tabuisierung und Verdrängung der Problematik
von Gewalt an Frauen in die Privatheit entgegenwirken, sondern auch das
autonome Tiroler Frauenhaus, in dem misshandelte Frauen und Kinder Schutz-
und Wohnraum finden, unterstützen.
Gewalt. Nach 25 Jahren steht das Frauenhaus nämlich kurz vor dem
Aus. Sollte es nicht zu einer Restfinanzierung von 127.000 Euro kommen,
sieht sich die Einrichtung gezwungen im Oktober zuzusperren. Aus diesem
Grund haben die Frauenhaus-Frauen auch diesen Sommer wieder eine massive
Pressekampagne gestartet und die Öffentlichkeit mobilisiert. Wie
viele Frauenvereine fürchtet das Frauenhaus seit 1999 immer mehr
um seine Subventionen. 2003 kam es dann auch zu Kürzungen durch die
Stadt Innsbruck und das Land Tirol um circa dreissig Prozent, also fast
einem Drittel der jährlichen Gelder. Die Subventionskürzungen
wurden damals von LH Herwig van Staa (VP) lapidar mit der Behauptung begründet,
es müsse überall gespart werden. Alexandra Weiss vom Vorstand
des Frauenhauses sagt dazu nur: „Das ist absurd und es hat niemand
verstanden angesichts der prestigeträchtigen Großbaustellen
an fast jedem Eck in Innsbruck. Es fehlt an politischem Willen.“
Dieser Eindruck verschärft sich noch aufgrund der Reaktion von LHStvin
Elisabeth Zanon (VP) auf die heurige Darlegung der Finanzprobleme durch
das Frauenhaus. Sie schlägt darauf hin eine öffentliche Trägerschaft
für das Frauenhaus vor. Einer solchen kann sie nach wie vor einige
positive Aspekte abgewinnen, auch wenn nach heftiger Kritik von vielen
Seiten diese Variante einstweilen vom Tisch zu sein scheint. „Durch
eine solche Lösung würden strukturelle und finanzielle Synergieeffekte
zum Tragen kommen, die den Einrichtungen mehr Planungssicherheit geben
und – gerade im Verwaltungsbereich – zu Einsparungen führen
würden. In einem Gespräch mit den Vertreterinnen der Tiroler
Einrichtungen habe ich jedoch bereits klargestellt, dass eine öffentliche
Trägerschaft nicht Muss für eine künftige Lösung ist.“
So Zanon eineinhalb Monate nach dem Vorschlag. Ein Glückskeks. Überhaupt macht es den Anschein, dass die betroffenen
Frauen und Kinder im Frauenhaus, so wie die Mitarbeiterinnen bei der ganzen
Debatte um die Finanzierung ein wenig aus dem Blickwinkel geraten. Die
ohnehin schwere Situation in einem Haus, das seit Jahren ausgelastet ist
und mittlerweile eine Warteliste besitzt, dürfte an die Grenze des
Erträglichen gehen. Doch die Mitarbeiterinnen bemühen sich die
Situation so gut es geht vom öffentlichen Trubel und den Existenzbedrohungen
unbeeinflusst zu lassen, um die Hilfesuchenden nicht zusätzlich zu
belasten. Das scheint auch zu gelingen, denn eine Mitarbeiterin meint:
„Ab und zu fragt eine, aber sie haben genug Vertrauen, dass wir
das schon machen. Eher rufen Frauen an, die früher mal bei uns waren
und erkundigen sich.“ Das Stimmungsbild unter den Mitarbeiterinnen
schwankt zwischen deprimiert und hoffnungsvoll hin und her. Sie beginnen
einerseits laut über Kündigungen nachzudenken, andererseits
baut sie die große öffentliche Anteilnahme auf. „Wir
haben auch total viel Rückenstärkung erfahren“ freut sich
eine. |
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