
Film: Vom Leben und Überleben
Der Film, in dem sechs Frauen, die im Konzentrationslager Ravensbrück interniert waren, portraitiert werden, startet am 23. Jänner im Wiener Filmcasino und wird anschliessend in weiteren Bundesländern (Innsbruck, Linz, Wels, Salzburg, Feldkirch, Graz) gezeigt. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für politische Bildung und dem Österreichischen Kulturservice werden vom Filmcasino Schulvorstellungen mit anschliessender Möglichkeit zu einem Gespräch mit Zeitzeuginnen (und nach Wunsch) Regisseurinnen angeboten.
Spielzeit: Der Film läuft im Filmcasino in der Zeit vom 23. 1. 04 -29. 1. 2004.
Schulvorstellungen und ZeitzeugInnenprogramm in Zusammenarbeit mit dem ÖKS:
Mit dem Filmcasino wurden folgende Termine für Schulvorstellungen vereinbart:
Vom 26. 1. 04 bis 28. 1. bietet das Kino Vorstellungen um 9 und um 14 Uhr an.
Am Donnerstag, 29. 1. um 14 Uhr.Anschliessend an den Film gibt es die Möglichkeit, mit ZeitzeugInnen und den Regisseurinnen zu sprechen. U. A. w. g.
Matinee: 25. 1. 2004, 12 Uhr, Filmcasino. U. A. w. g.
Rückfragen und Anmeldung:
Sixpackfilm, Tel.: 526 09 90 0, oderFilmcasino
Margaretenstrasse 78
1050 Wien
Tel.: 581 39 00 10Homepage (ab 12. 1. ): www.videoarchiv.ravensbrueck.at
Synopsis:
Vom Leben und Überleben
Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck / Video(archiv)projekt RavensbrückVom Leben und Überleben
A 2002, Beta SP, Farbe, 110 min
Kamera: Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck, Tina Leisch
Schnitt: Gundula Daxecker
Tonschnitt: Oliver Stotz
Tonmischung: KO.KA Studio; Andreas Wingert
Interviews: Helga Amesberger, Brigitte HalbmayrIn einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Wissenschafterinnen Helga Amesberger und Brigitte Halbmayr wurden vom Team des Video(archiv)projekts Ravensbrück 34 mehrstündige Interviews (über 200 Stunden Zeitzeuginnenschaft) mit Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück aufgezeichnet, um als Oral-History-Archiv der Nachwelt überliefert zu werden.
Vom Leben und Überleben zeigt die Erzählungen von sechs Frauen: Antonia Bruha, Widerstandskämpferin und Wiener Tschechin; Regine Chum, Widerstandskämpferin und als sogenannte "Halbjüdin" rassistisch Verfolgte; Katharina Thaller, Zeugin Jehova; Aloisia Hofinger,- sie hatte eine Beziehung zu einem polnischen Zwangsarbeiter; Rosa Winter, Sintezza und Helene Igerc, slowenische Bäuerin.
Um sich von den meisten Repräsentationsformen zum Thema Nationalsozialismus abzugrenzen, geht der Film stilistisch sehr puristisch und zurückhaltend vor: Keine Sprechertexte, keine häuslichen Umgebungen, Landschaften, experimentelle Symbolstrecken, Musik, Verweise auf eigene Befindlichkeiten etc.. Die Erinnerung, das Sprechen stehen im Mittelpunkt. Durch die Montage der einzelnen Interviewteile entsteht eine kollektive Erzählung, die auch Brüche und Widersprüche zuläßt. Die sechs Frauen vereint ein gemeinsames Ereignis in der Biographie - die Verfolgung durch den Nationalsozialismus - in der Sprache, im Rückblick auf das Erlebte sind sie mehr als unterschiedlich. "Hier ist das andere Österreich versammelt" (Gerhard Botz/Inst. für Zeitgeschichte Wien), die vergessenen Opfergruppen, die heutigen Minderheiten.
Im Film nimmt die Besonderheit Ravensbrücks viel Raum ein: Themen wie sexuelle Gewalt, Zwangsprostitution, Geburten und Kindstötungen finden ebenso Platz, wie Solidarität und Häftlingshierarchien. Aber die Erzählung dieser Frauenbiographien macht nicht wie in den meisten Filmen nach der Befreiung Halt: Es folgt das Chaos der folgenden Jahre, die Heimkehr unter absurdesten Bedingungen und die enttäuschten Erwartungen, die nicht erfolgte Reintegration und Diskriminierung durch die Nachkriegsgesellschaft, mutiges gesellschaftspolitische Engagement und aber auch Gebrochenheit, das Weiterleben mit Ambivalenzen und schließlich die Gegenwart als Ausgangspunkt der Begegnung.
(Gerda Klingenböck)
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