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Das zwölfte Symposium der 1975 gegründeten International Association of Women Philosophers (IAPH) in Rom stattfinden zu lassen, war nicht unumstritten. Nicht alleine dem Differenzfeminismus der Italienerinnen, auch der italienischen Art, Theorie zu betreiben, begegneten einige Frauen des IAPH-Vorstandes mit naserümpfendem Dünkel. Ebenso wie der ganz unakademischen Einladungspolitik. Zum Thema „Thinking Experience“ Erfahrungsberichte zu liefern, waren nicht alleine Philosophinnen, sondern „alle Frauen des Denkens“ aufgerufen, auch jene der „Praxis“. Offenbar folgten wenige diesem Aufruf, auf den Podien saßen jedenfalls keine reflektierenden Proletarierinnen. Die italienischen Grandes Dames und ihre Zöglinge umgaben sich dort ausnahmslos mit Gleichgestellten und -gesinnten. Gute Absicht blieb auch der angekündigte Wunsch nach reger Diskussion und kritischem Austausch. Denn diskutiert wurde nicht. Zum einen, weil die als „Workshops“ ausgezeichneten Vortragsblöcke großteils auf italienisch und ohne Übersetzung abgehalten wurden. Zum anderen, weil einfach keine Zeit dafür vorgesehen war.
„Affidamento“, sich anvertrauen, und „Autorität“ kennzeichnen gemeinsam ein Verhältnis, das der italienische Feminismus in Analogie zur Mutter-Tochter-Beziehung denkt und sich für jede Begegnung zwischen Frauen wünscht. Zur Diskussion und damit zum Sich-Anvertrauen kam es aber auch bei den großen Podiumsdiskussionen mit Simultanübersetzung nicht. Autorität vermittelten die Hauptrednerinnen wie Luisa Muraro hingegen durchaus. Muraro gehört neben Adriana Cavarero und Chiara Zamboni zu den Gründerinnen der Diotima-Gruppe, die 1984 in Verona entstand und nach der Frau benannt ist, die Sokrates das Wesen der Liebe gelehrt haben soll. Erwähnt wird sie in Platons „Symposion“, selbst anwesend ist sie dort nicht, weshalb die Italienerinnern ihren Namen als Hinweis auf das Fehlen von Frauen in der (Philosophie-)Geschichte wählten. Aber auch mit Diotimas Weisheit in Liebesdingen wird die Namenswahl etwas zu tun gehabt haben. Fehlen doch nicht alleine die Frauen, sondern mit ihnen vor allem die „weibliche Differenz“ und damit auch eine immer irgendwie „gefühligere“ Sicht der Dinge.
Verteidigt wird diese Differenz von den Italienerinnen mittlerweile vor allem gegen andere Feministinnen, Hauptgegnerinnen sind dabei „die Postmodernen“, denen in gewohnter Mutternatur-Rhetorik eine „Fruchtlosigkeit“ des Denkens vorgeworfen wird. Überdies seien sie am Irakkrieg und anderen Weltübeln schuld, wie Muraro so laut ins Mikro donnert, dass immerhin die Hoffnung bleibt, die übertönte Übersetzung vielleicht nicht recht verstanden zu haben.
Hoffnung auf Verständigung wecken jedoch auch die meisten anderen Vorträge nicht. Barbara Duden, die der „postmodernen“ Judith Butler einst aufgebracht vorgeworfen hat, Frauen um ihren Unterleib gebracht zu haben, wirkt in dieser Gesellschaft zwar beinahe friedlich. Aber auch sie scheint seit ihren einstigen Attacken die Entwicklung anderer Feminismen nicht weiter verfolgt zu haben und erzählt in Rom ihre Geschichte der Schwangerschaften zum zigtausendsten Mal ohne neue Pointe.
Erfahrung, um die es bei der Konferenz ja vor allem gehen sollte, begreifen auch die übrigen Rednerinnen nahezu unisono als weibliche. Die bereits seit Jahrzehnten unermüdlich gegen diese „weibliche Erfahrung“ vorgebrachte Kritik einer darunter nicht subsummierbaren schwarzen, lesbischen, migrantischen Lebenswelt wird hier weder laut noch berücksichtigt. Und auch die wenigen Vermittlungsversuche, wie jener der österreichischen Philosophin Silvia Stoller, zwischen einem essenzialistisch verstandenen weiblichen Erfahrungshorizont und einem Ansatz, der kontingente Erfahrung zum Ausgangspunkt einer strategisch eingesetzten weiblichen Identität macht, wirken ein wenig anachronistisch. Schließen doch auch sie mit keinem Wort an die langen Debatten an, in deren Verlauf Andrea Maihofer bereits vor über zehn Jahren mit ihrem Werk „Geschlecht als Existenzweise“ solch einen Versöhnungsversuch unternommen hat. Ganz und gar unversöhnlich bleibt Luisa Muraro aber ohnehin bis zum letzten Satz ihrer wütenden Tiraden. „Ich bin eine Frau.“ schließt sie. Punkt. |