Rampenfiber - Platz da!
Am letzten Sommerwochenende veranstalteten einige Frauen(1) von „fiber. werkstoff für feminismus und popkultur“ das Festival „rampenfiber“. Mit Konzerten, Diskussionen, Workshops und einigem mehr zum Thema Musik und Feminismus. Von Beate Hausbichler

 

„Mein Name ist Courtney. Schüttel meine verdammte Hand.“ So Tanja Witzmann alias Courtney Love zu Yoko Ono (Frauke Steiner) in der Performance „Bad in Bed with Yoko and Love“, mit der das Festival eröffnet wurde. Passend, denn die beiden Künstlerinnen sind wohl ein Paradebeispiel dafür, wie Frauen in Konnex mit Männern in erster Linie wahrgenommen und als Künstlerinnen negiert werden. Dass es nicht an einem Mangel an Musikerinnen, Performerinnen und weiblichen DJs liegt, dass sich auf Bühnen und hinter Mischpulten vorwiegend Männer tummeln, machte das Festival jedenfalls deutlich. Christiane Rösinger sieht Gründe dieser Überrepräsentation treffend formuliert in „Männer-Gesangsvereinsseilschaften“ (Interview Puls TV). Tausendsassarin Rösinger, neben ihrer Tätigkeit als Musikerin betreibt sie auch ein Label(2) und ist journalistisch umtriebig, war als Musikerin und Diskutantin beim Festival vertreten.
Mit den verschiedensten Widersprüchen zwischen derartiger Vielseitigkeit und dennoch unsicheren ökonomischen Verhältnissen setzte sie sich bei einem der vier Panels auseinander. Auch die Wiener Musikerin Birgit Denk und Labelbetreiberin und DJ Patricia Enigl hatten einiges zu erzählen: über das Zusammenfallen von Privatperson und Künstlerin, über ständiges Kontakteknüpfen während die (Selbst)Vermarktung immer im Auge behalten werden muss – das klingt wahrscheinlich nicht nur anstrengend. Nach Diskussionen, die auch die Schwierigkeiten des Daseins einer „Rampensau“ (O-Ton Bernadette la Hengst) thematisierten, stimmten die Konzerte versöhnlich. Dass die vier von „Pantskirt“(3) „einfach rocken – darauf ist Verlass“, wusste eine der „rampenfiber“- Organisatorinnen schon im Vorhinein. Auch Karin Fisslthaler alias Cherry Sunkist(4) und Mass Kotki(5) aus Polen riefen kollektive Begeisterung hervor.
Manche Performances lösten aber auch Diskussionen unter den ZuschauerInnen aus, wie der Auftritt von „Who killed Bambi“(6). Während auf einer Seite der Hörreichweite die Nachahmung herkömmlicher „Sexyness“ bemängelt wurde, spekulierte eine andere Konzertbesucherin darüber, dass diese Versuche der originalgetreuen Wiederholung von „Sexysein“ – wenn es so etwas überhaupt gibt – schon fast wieder subversiv wären. Einigkeit herrschte über die großartigen, frisch gegründeten „Bonanza Jellybeans“(7). Und schließlich Bernadette La Hengst(8): Für all jene, die ihr ohnehin genial-poppiges aktuelles Album „La Beat“ bereits kannten, zeigte sich, dass es bei einer Live-Performance von La Hengst noch eine ordentliche Draufgabe gibt.
Was sich aber bei Konzerten im Fluc leider immer wieder als Wermutstropfen herausstellt, sind die doch sehr zahlreichen Rempler, Ausdruckstänzer und Gröler, die dieses Lokal als ihren persönlichen Stammtisch betrachten. Eine feministische Besetzung dieses Raumes war so nur schwer möglich.
Die Überlegung der Organisatorinnen, keinen Eintritt zu verlangen, um den Zugang zum Festival so offen wie möglich für alle zu gestalten, hat neben der schwierigen Finanzierung (das Festival wurde nur durch die mageren Subventionen und die noch magereren Spenden möglich) leider auch diesen weiteren Nachteil mit sich gebracht.
Am letzten Festivaltag wurden im Rahmen eines Filmwettbewerbs(9) Kurzfilme, Videoperformances und Dokumentationen gezeigt. In der Musikkomödie „Mein kleines Häuserl“ von Bettina Schiel und Stefanie Görtz wurde, wie schon in der spannenden Performance zum Auftakt des Festivals, das „Doppelbett“, auch hier ein Symbol von Heteronormativität, lustvoll verbraten.
Den Anspruch zu zeigen, wie umfangreich und vielseitig das Schaffen von Musikerinnen und Künstlerinnen ist, hat „rampenfiber“ wohl eindeutig einlösen können.
Aber auch Probleme wurden sichtbar, die sich bei einem deklariert feministischen Festival dieser Größe auftun. Etwa, was es bedeutet, Veranstaltungen dieser Art in breit etablierten Räumen durchzuführen, die nicht von vornherein nur wohl gesonnenes Publikum garantieren.

(1) Das Festival veranstalteten die fiber-Frauen Beatrice Bösiger, Stephanie Kiessling, Sara Paloni, Hanna Sohm und Angela Tiefenthaler
(2) www.flittchen.de
(3) www.pantskirt.com
(4) www.cherry-sunkist.net
(5) www.mass-kotki.net
(6) www.whokilledbambi.net
(7) Kontakt: denice.fredriksson@gmx.net
(8) www.lahengst.com
(9) Das Siegerinnenvideo von Freya Hattenberger „Sirene“ ist von 1. bis 5. November bei der Kunstmesse „Art Cologne“ in Köln zu sehen.