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Stichwort: Nachhaltigkeit |
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Die Auszeichnung wurde Helga Kromp-Kolb vom Klub der Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen Österreichs verliehen. Ausschlaggebend dabei war, dass die dreifache Stiefmutter sich dafür engagiert, ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Die frisch gebackene Preisträgerin wurde 1948 in Wien geboren. Sie ist Professorin für Meteorologie und leitet seit neun Jahren das Department Wasser, Atmosphäre und Umwelt an der Universität für Bodenkultur in Wien. Ihre wissenschaftlichen Forschungsbereiche reichen von Ozon, Luftreinhaltung, Feinstaub, städtisches Klima, nukleare Sicherheit grenznaher Atomkraftwerke bis zum Klimawandel, sowie dessen regionale bzw. globale Auswirkungen. Bekannt wurde die begeisterte Bergsteigerin hauptsächlich durch ihre Studien und engagierten Kommentare über die Auswirkungen des zivilisationsbedingten Klimawandels. an.schläge: Meteorologie und Klimaforschung, was ist der Unterschied? Helga Kromp-Kolb: Meteorologie ist die Wissenschaft von der Atmosphäre, das ist sozusagen der Überbegriff. Ein Teil davon ist die Klimatologie, jener Teil, der sich mit den mittel- und längerfristigen Entwicklungen des Klimas beschäftigt. Im Gegensatz zur Wettervorhersage, die sich einfach dafür interessiert, wie das Wetter morgen oder in den nächsten zehn Tagen wird. Was ist das Faszinierende an ihrer Arbeit? Wir sind in einer Phase, in der der Mensch das Klima beeinflusst. Das nachzuweisen und das Ausmaß festzumachen ist spannend. Es geht um Fragen, die die Zukunft aller Menschen auf der Erde betreffen. Wie wir handeln, wirkt sich unmittelbar aus, das fasziniert mich. Ich täte mir sehr schwer, mich um ein noch so interessantes Detail zu kümmern, wenn ich wüsste, dass in meinem Bereich richtungsweisende Weichen gestellt werden und ich sag dazu nix. Das ist eine sehr politische Haltung. Wo stößt Wissenschaft an ihre Grenzen gegenüber der Politik? In der Forschung und der Lehre muss man politische Haltungen möglichst zurücknehmen, sonst verliert die Forschung ihren Sinn. Umgekehrt hat Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit? Das ist für mich die notwendige Lebensweise, damit die Menschheit Braucht es, um gehört zu werden, immer erst eine Katastrophe? Es braucht ein Ereignis, es muss nicht gleich eine Katastrophe sein. Die Probleme müssen für die Menschen persönlich erfahrbar werden. Wenn ich sage, die Erdtemperatur ist in den letzten dreißig Jahren um 1,6°C gestiegen, würden die meisten darauf antworten: „Na und!“, wenn ich aber sage, die Schnecken in deinem Garten hat es früher bei uns gar nicht gegeben, die gibt es nur, weil die Winter weniger kalt sind oder ähnliches, dann wird es für den Einzelnen/die Einzelne spürbar. Es dient als Beispiel für das komplexe Problem dahinter. So zu arbeiten ist allerdings enorm schwierig. Wenn wir sagen, die Überschwemmungen werden häufiger und es gibt dann aber drei Jahre keine Überschwemmung, wird behauptet: „Stimmt nicht, der ganze Klimawandel ist ein Schwindel!“ Deshalb bin ich extrem vorsichtig mit Vorhersagen. Naturkatastrophen sind nicht das Charakteristikum für den Klimawandel. Welche Wissenschafterin des 19. bzw. 20. Jahrhunderts ist Ihnen am einprägsamsten im Gedächtnis? Das ist sicherlich Marie Curie. Sie zählt zu den Spitzenfrauen in der Naturwissenschaft. Sie zählt auch zu jenen Frauen, die es in der Wissenschaft sehr schwer hatten. Eine Zeit lang Haben Sie weibliche Vorbilder oder Idole? Eigentlich nicht. Im Forschungsbereich sicher nicht. Für mich ist das „Frau“ nicht so im Vordergrund. Es gibt Lebenshaltungen, die ich an unterschiedlichen Menschen bewundere oder schätze und für mich selbst erarbeiten möchte, aber ob Mann oder Frau ist für mich weniger wichtig. Wurden Sie in Ihrem Studium oder Ihrer beruflichen Arbeit je benachteiligt, weil sie eine Frau sind? Nein, das kann ich nicht sagen. Es gab Leute, die mit mir als Institutsleiter- Würden Sie sich als Feministin bezeichnen? Nein, würde ich nicht. Es würde mich freuen, wenn durch meine Arbeit Vorurteile gegenüber Frauen abgebaut würden und Kolleginnen sich von solchen in ihrer Berufswahl nicht abhalten ließen. Es gibt inzwischen viel wissenschaftlich relevante Literatur und die müsste man kennen, damit man besser weiß, worauf man achten muss und erkennen kann, wo die Schwierigkeiten überhaupt entstehen. Andererseits könnte man auch sagen, jede Frau ist Expertin, weil sie betroffen ist und Erfahrungen gemacht hat. Das ist richtig. Genderissues sind in den Naturwissenschaften gerade groß in Mode. Das kann man als lästig empfinden. Aber ich glaube, es hilft zu fragen: „Gibt es einen frauenspezifischen Faktor?“ Die Schadstoffausbreitung in der Atmosphäre ist nicht geschlechtsspezifisch, aber wenn ich über die Art der Freisetzung von Schadstoffen etwas wissen will oder danach frage, wer diese verursacht, dann ist das plötzlich nicht mehr egal. Für uns relevant ist zum Beispiel der Bereich der Landwirtschaft, da gibt es inzwischen viele genderspezifische Themen. Zum Beispiel? Die österreichische Landwirtschaft ruht mehrheitlich auf den Schultern der Bäuerinnen. Die Arbeitsweisen und Traditionen wurden und werden jedoch von Männern geprägt. Frauen übernehmen immer mehr Verantwortung. Zukünftig wird sich das meines Erachtens in den Arbeits- und Sichtweisen niederschlagen. Sie waren zehn Jahre lang Trainerin des österreichischen Nationalteams im Orientierungslauf. Nein. Aber ich war von Kind an sehr viel in der Natur unterwegs und ich hab Freude am Lesen von Landkarten entwickelt. Mit 24 habe ich das erste Mal an einem Orientierungslauf teilgenommen und festgestellt, dass man dabei ein noch viel tieferes Verständnis für Landkarten entwickeln kann. Der eigentliche Reiz besteht darin, mit einer unbekannten Karte in einer unbekannten Umgebung zu arbeiten. Das gibt’s nur bei Wettkämpfen. Vor 15 Jahren erhielten Sie den Konrad-Lorenz-Preis. Wenn Sie an die nächsten 15 Jahre denken, was wünschen Sie sich persönlich? Mich würde es freuen wenn durch meine lehrende Tätigkeit, eine Generation an WissenschafterInnen hervorginge, die ein größeres Umweltbewusstsein hat und deren Arbeit sich als wertvoll und wichtig erweist. Das gibt der eigenen Arbeit enorm viel Sinn. Forschungsergebnisse sind etwas Schönes und oft notwendig, um etwas zu bewegen. Mir ist aber wichtiger, bei den Menschen ein Bewusstsein zu schaffen, als mich für ein Forschungsergebnis feiern zu lassen ... |