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Im Wandel ihrer Position |
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Wenn in diesen Tagen das erste Internationale Künstlerinnenfestival in Wien stattfindet, so wird bei der Beschäftigung mit dem Programm und den Orten, an denen gespielt und gezeigt werden wird, vieles in mir wachgerufen. Ich werde an Diskussionen über die Berechtigung und Sinnhaftigkeit von reinen Frauenorten und -räumen erinnert. Diskussionen, die vor Zeiten angefangen haben und heute noch nicht beendet sind, ja vielmehr immer wieder angefangen werden. Debatten um Frauenorte, an denen Frauenkunst möglich ist, um seltene Orte, von denen es wenige gibt, immer nur wenige und manchmal noch weniger. Das Künstlerinnenfestival „her position in transition“ findet Raum in solchen Frauenorten, diesmal gibt es aber auch Platz an anderen Orten. Die unterschiedlichsten Veranstaltungsorte in Wien Neubau stellen Platz zur Verfügung. Zentrale Anlaufstelle des Festivals ist das Kosmostheater, das 1999 als Kosmosfrauentheater, als Frauenort für Frauenkunst initiiert wurde. Durch private Initiative und zu einem Großteil durch private Eigenleistungen wurde das Frauentheater in den Räumen des ehemaligen Kosmoskinos in der Siebensterngasse errichtet. Irgendwann fehlte das Geld und das „-frauen“ verschwand. Es blieb das Kosmostheater, aber dennoch „ein weiblicher Spielraum für Kunst“. Kunst, die aus der Auseinandersetzung mit Rollenstereotypen entsteht. Ein frauen- förderndes Konzept also. Förderungswürdig? Wie es scheint nicht in dem nötigen Ausmaß, denn budgetäre Probleme bestimmen den Alltag des Theaters und könnten das Verschwinden des Frauenraumes bedeutet. Woraufhin wieder ein Platz, ein Ort fehlt. Wo aber wäre dann das Festivalzentrum eines Künstlerinnenfestivals? Gäbe es dann überhaupt ein Künstlerinnenfestival, das sich mit Geschlechterverhältnissen und Konstruktionen, Identitäten und Rollen beschäftigt? So eines wie jetzt: Eines, wo Künstlerinnen von Nord, Süd, Ost und West zusammentreffen, ihre Arbeiten zeigen und Diskurse rund um Kunst führen, die ohne den Genderaspekt nicht mehr geht, und Diskurse rund um die Rolle der Künstlerinnen und die der Kunst in der globalen Transformation. Die Idee dazu hatte Barbara Klein vor zwei Jahren. Gemeinsam mit Margit Niederhuber wurde ein Konzept entworfen, die künstlerischen und sozialen Standpunkte (nur) von Frauen zu zeigen. Wo verorten sich Künstlerinnen? Wo ist Her Position in Transition? Zwei Wochen lang wird Raum für Diskussionen in eben jenem Theater, dem Kosmostheater, geboten. Zwei Wochen lang wird der Wiener Bezirk Neubau Raum bieten. Raum für Installationen. Die interaktive Installation „oliva_search“ der Rumänin Olivia Mihaltianu ist das Ergebnis des Nachforschens über die weibliche Identität Olivia mit mehreren Aspekten. Olivia als Stadt, Teller, Rezept. Olivia als Puppe, Haustier, Roman. Olivia gefunden: im Internet, auf Reisen, beim Einkaufen, beim Fernschauen. Die Installation der Polin Malgorzata Bujnicka „Voices from the bags“ lässt Taschen als Symbole des Reisens, Aufbrechens und Ankommens von Migration und Frauenhandel sprechen. Das Öffnen einer Tasche macht die Geschichte der Frau dahinter sichtbar, ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Erinnerungen. Gezeigt werden Reise- und Handtaschen, die Frauen bei sich trugen, als sie nach Österreich kamen. Gehört werden können die Stimmen und Geschichten der Frauen, die die Taschen bei sich trugen. Raum für Musik. Die Performance der Künstlerinnen der deutschen Musik-Performance-Plattform RAGarella und ihr A.p.p.a.R.a.T. stützt sich auf Lebensentwürfe der Riot Grrrl Bewegung. Mechanische Alltagsabläufe tradierter Frauenrollen bilden das zentrale Element des Soundexperiments „Trash-Recyled FEMtronics“. Spannend scheint auch die Musik-Performance von transalpin zu werden. In „leittönen 1“ verschmilzt die traditionell von Frauen gesungene Vokalmusik Osteuropas mit der traditionell von Männern praktizierten Alphornmusik des Alpenraumes. Raum für Film. In der Trickfilmwelt der „Tricky Girls“ werden Träume wahr, sind Hunde innerlich Katzen, gibt es unterirdische Fantasiewelten, passieren ungewöhnliche Dinge in einem Passbildautomaten, Schwerkraft und Sichtbarkeit können verloren gehen. „Tricky Girls“ reflektiert das Thema des Festivals „her position in transition“ in der Trickfilmwelt. Eine Stunde spannende Zeichentrickfilme. Der Frage „Was es bedeutet, Mutter zu sein?“ geht der rumä- nische Dokumentarfilm „Mami!“ von Nita Mocanu und Hajnalka Bessenyei nach. Die aktuelle Situation zu gesellschaftspolitischen Diskussionen rund um Mutterschaft in Rumänien wird anhand der persönlichen Erfahrungen zahlreicher Frauen aufgezeigt. Hintergrund ist der im Sommer 2005 herabgesetzte Kinderbe- treuungszuschuss, der eine breite öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung in Rumänien losgetreten hat. Raum für Performance. Viel Platz wird für Performance aller Art geboten. Die Österreicherinnen Andrea Brunner und Friedericke Grühbaum lassen mit ihrer Gruppe „feuchte wiesen“ Mösen morsen. Mittels Vaginalelektroden werden Impulse übertragen, die akustisch dargestellt werden. Das Begreifen der Körperlichkeit des Denkens, der Geschichte von dem, der schreiben musste, und der, die von diesem Verstehen-Müssen sprach, in der Performance „the phemale philosopher – ein Denkakt in acht Kapiteln“ von Plum Productions wird laut Ankündigung Konzentration erfordern, soll dafür aber mit Sinnlichkeit belohnt werden. Lohnen kann sich auch der Besuch der Theater-Musik-Tanz-Darbietung „Migritude“ der indischen-kenianischen Dichterin und Sprachkünstlerin Shailja Patel. „Migritude“ sucht das Globale in den geheimen Familienschätzen, in der Brautsteuer bestehend aus 18 gesammelten Saris. Das Stück beschreibt Erfahrungen kolonisierter Völker anhand der Schicksale der Familie der Künstlerin und erzählt von den Grenzgängen zwischen reinem Überleben und Selbstdarstellung, zwischen Unsichtbarkeit und Aktivismus. Als innovativste Künstlerin Islands wird Pálína Jónsdóttir gehandelt. Ihr Beitrag für das Künstlerinnenfestival, „The Secret Face“ gibt abstrakte Einblicke in die Gedanken und Psyche einer Frau, um die von Manipulationen „durchwobene“ falsche Gesellschaft zu entlarven. Raum für Lesung. „Wichtig! – Kunst von Frauen“ war der Titel eines zum gleichnamigen Symposium publizierten Buches von Ilse Kilic und Christine Huber. Jetzt, 15 Jahre nach der Publikation, sind einige der damals Beteiligten eingeladen, ihre heutige Position unter Bezugnahme auf die damals publizierten Positionen und Texte zu reflektieren. Nicht ganz Lesung, aber doch Möglichkeit zum Lesen werden Workshop und Leselounge „Rebel Girls, Rebel Wor(l)ds: A Grrrl Zine Reading Room“ bieten. Grrrl zines, Zeitschriften „von und für junge Frauen“ zu Kunst, Musik, Popkultur, Körper, Politik, ... , verschiedenster Länder werden präsentiert. Im Workshop wird Einblick in die Zine-Produktion gegeben. Raum für anderes. Wenn Zeitgenossinnen ihre Lebens- geschichte einem Zuhörer/einer Zuhörerin entlang geogra- phischer Stationen erzählen, dann entstehen „Erzählungen von Orten, Städten und Territorien“, der „Kiosk für nützliches Wissen“, das wachsende Archiv der Gruppe Tulip House. Im Rahmen des Festivals erzählen die Historikerin Erika Weinzierl, die Philosophin Isolde Charim und Amina Handke ihr Leben und ihre Stationen in vier Stunden. Raum für Meinung. Viel Programm. Abwechslungsreich. Irgendwie. Musik fehlt. Oder? Programmheft noch mal von vorne. Oder gleich hingehen ... und Positionen suchen. Kann ich die noch finden, sind sie nicht im dauernden Umbruch, in Transformation? Wo ist meine Position und was ist Kunst für mich? Und wie war das jetzt noch mal mit den Frauenräumen? Und was passiert, wenn ein Ort wie das Kosmostheater nicht mehr ist? Vom 4.–18. März 2006 |