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Nachbetrachtungen Heute war Plus-Markt-Eröffnung bei mir ums Eck. Eingezwängt zwischen übervollen Einkaufswägen in der Abteilung für Toilettenpapier und breiigfarbigen Strumpfhosen mit der Aufschrift: Die neue Übergröße: Für die Frau mit Dehnungsreserve", da, im alltäglichen und elementarsten Überlebenskrampf, wo Schlüsselanhänger in 1,29 Euro Preisgestalt als Belohnung für den Besuch verteilt werden, ja auch da, mit den Paar Äpfeln und Birnen auf dem immer schwerer werdenden Arm, auch da kann Nachdenken manchmal passieren. |
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Neidisch auf den großen Andrang ob dieser Bestürmung und nur via der üblichen orange-blauen Reklamezettel verbreiteten frohen Botschaft mit den Wahnsinnspreisen", der erfreulichen Info, sich ein paar Cent mehr zu sparen, um dafür wiederum mehr kaufen zu können, wünschte ich mir ein Rezept für einen derartigen Run auf feministische Projekte. Frauen derart motivieren zu können, sich als Feministin zu deklarieren und solidarisch zu vernetzen. Frauen, die mit erhöhtem Puls und angesichts einer lila Sache" feucht glänzende Augen bekommen. Die ihren imaginierten Einkaufswagen namens Verstand und Gerechtigkeitssinn mehr oder weniger elegant durch die Hürden und Fallen partiarchaler Marktschreierei lenken und bei etwaigem Widerstand gegen die Weiterfahrt zum begehrten Zustand anecken. Frauen, die bei den politischen und kulturellen Möglichkeiten feministischer Angebote" nichts anderes tun können als zuzugreifen und mitzumachen, mitzugestalten. Die mit einem: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass eine Frau keine Feministin ist", wie eine Teilnehmerin es bei einem Symposium zu feministischer Kunst aus Lateinamerika formulierte, endlich das leidige Ich bin keine Feministin, aber ..." ablegen. Alles zum Thema Feminismus finden Sie bei ... ebay? Nein, selbstverständlich sind Einkäufe im Supermarkt kein Kampf, jener um politisches, feministisches Engagement und eine selbstbestimmte Freiheit allerdings schon. Aber der Kapitalismus steckt auch in uns allen drin. Und damit die Positionierung am Nischenmarkt", die LeserInnenbefragungen, die Inserate aufgrund der Auflagenbreite, die dazu passenden Merchandisingprodukte wie Buttons, Aufkleber, Postkarten und wie könnte es anderes sein die, zumindest in die Bundesländer reisenden Botschaften auf diversen T-Shirts. Wie schick ist es, Feministin zu sein oder ein an.schläge Abo zu besitzen? Wahrscheinlich weniger interessant für Popkultur interessierte Frauen wie ein Fiber"-Abo, vielleicht weniger von Männern abonniert wie die Emma". Wir mussten uns wenigstens nicht wie die radikallesbische Zeitschrift Ihrsinn" fragen: Lesen Lesben überhaupt noch Gedrucktes, das nicht im Internet erscheint und das nicht kostenlos zur Mitnahme aufliegt?" Die Wahrnehmung politischer Anliegen beginnt überwiegend durch medial taugliche und Aufsehen erregende Auftritte. Bös gesagt, wer sich keine bekennende Mehrheit findet, geht unter und das politische Anliegen wird zum Luxusproblem" stilisiert. Greenpeace setzte während des EU-Lateinamerikagipfels in Wien auf den Sexappeal der 25-jährigen Umweltaktivistin und Sambakönigin Evangelina Carrozzo aus Argentinien, die halbnackt gegen den Bau zweier Papierfabriken in ihrem Heimatland protestierte. Und welche Tageszeitung konnte es sich verkneifen, derart anschauliches, von Kusshändchen begleitendes und für die Umwelt auspackendes Material" nicht auf die verkaufsfördernde Titelseite zu bringen. Wie langweilig gestaltete sich nebst dieser Aktion jene Überwindung des Nicht gehört Werdens" einer handvoll Feministinnen bei der Abschlusskundgebung des Alternativgipfels. Die Rednerbühne musste mühsam erkämpft werden und nur unter standhaftem Protest gelang es ihnen, dass das Mikro wieder aufgedreht wurde, um ihre Kritik an der allgemeinen Deklaration vorzutragen. Ich muss wohl nicht extra betonen, unter welchen Bedingungen das Papier entstand: nachts, als alle anderen bereits bei ihren wohlverdienten Feierabendbieren saßen. Der Intervenciónes feministas" Workshop &endash; mehr lilafarbiger Dekosand und Alibiveranstaltung, nachdem die OrganisatorInnen des Alternativgipfels in aller letzter Sekunde entsetzt bemerkten, da fehlt doch noch was... |