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ClaraLuzia wird als Geheimtipp der Singersongwriterszene gehandelt. Mika Vember besticht mit ihrer Fertigkeit auf der Djembe, der Gitarre und mit ihrer unglaubliche Stimme. Wer sind die beiden?
Erst einmal Alalie Lilt...
Clara Humpel, ressourcenschonende, ordnungsunfähige Feministin mit Sprachschwierigkeiten. Bis 2005 Leaderin der Band Alalie Lilt mit Liedern der Sprachlosigkeit, seither Soloprojekt ClaraLuzia.
Sprachlosigkeit also. Sprachlos bin auch ich wieder einmal. Sprachlos, weil die Musik so schön ist, sie kaum zu beschreiben ist, weil die Musik, wenn ich recht überlege, eigentlich schon lange in meinem Leben ist und in vielen Situationen ganz wichtig war. Clara Humpels Musik bewegt mich also und das schon seit bald zehn Jahren, seit ich zum ersten Mal Lieder von ihr hörte. Damals noch auf einer Musikkassette. Drei Lieder waren darauf. Die Kassette ist tot. Ich hab sie zu sehr beansprucht. Dann 1999 das erste Konzert einer Band, die sich nie formiert hat. Eine Band, die einfach passiert ist, weil die Sängerin und Schreiberin nicht allein auf der Bühne stehen wollte, vielleicht Angst hatte, und ihre Schwester fragte, ob sie nicht auch mitspielen könnte. Irgendwann waren es fünf Leute mit Auftritten in Wien und rundum, eine CD namens „cyclopedia", auf FM4 konnten sie gehört werden und auf den Konzerten wurde es immer enger. Ich weiß noch, am Anfang gab es da eine Frau, die viel Platz zum Tanzen brauchte, weil sie ihre Beine so hoch warf, und ihn auch hatte. Ende letzten Jahres bekam ich dann kaum noch Luft, so eng war es, und die Tänzerin hab ich nicht mehr gesehen. Das war eines der letzten Konzerte von Alalie Lilt, denn Ende letzten Jahres zog sich Clara Humpel aus der Band, die sich nie gegründet hatte, aber sechs Jahre existierte, zurück, um solo weiter Musik zu machen &endash; eigentlich nur kurz nachdem die zweite Alalie Lilt CD „what is gone doesn't necessarily disappear" erschienen war.
...dann ein Soloprojekt...
Ein Soloprojekt also. Zweimal hab ich ClaraLuzia nun live gehört und seither mag ich ohne die Homepage nicht mehr leben, denn da gibt es schon ein paar Lieder als Vorgeschmack auf die CD, die im April erscheinen wird. Die Homepage, übrigens www.claraluzia.net, bietet auch anderes: Schöne Zeichnungen, „filigran und arg, da ist so eine Stimmung in den Zeichnungen, die ich mit der Musik verbinde, die ich mache", sagt die Sängerin, und die Songtexte, die sind auch auf der Homepage und das ist sehr gut so. Die Texte sprechen von ihr, auch wenn die Sängerin sich sprachlos fühlt. „Look what a lucky gal I am the only thing I have to fight is homophobia racism and sexism look what a lucky gal I am today I take a day off kiss the woman that I love and watch the sun above" (lucky gal) und in einem Lied, das sie schon mit Alalie Lilt gespielt hat „fine guess I'm doing fine I sleep at night and work all day and in between there's some time to drift away .... sometimes I praise escapology cause it's the only way to be when you learn and you see how cruel people can be" (fine). In einem anderen Lied heißt es: ãErdrückt bin ich von Eindrücken, die an meiner Ausdruckslosigkeit scheitern" und das ist der Grund für ihre Sprachlosigkeit. Einfach nicht mehr die Worte zu finden, weil alles unerklärbar und unbeschreibbar ist. „Eigentlich bin ich schon ein recht kopfiger Mensch und wenn ich keine Erklärung habe, dann kann ich sehr schlecht damit umgehen ... wenn ich einen Namen dafür hab, dann tu ich mir leichter, weil ich dann ein wenig Kontrolle darüber habe oder wenigstens die Illusion der Kontrolle". Sie schreibt und singt von einer Ohnmacht und über Veränderungen, die eben nicht erklärbar sind. „I can tell you know that things change like they always do". Dementsprechend sind ihre Texte für mich zu verstehen. Und die Musik selbst? Wie soll ich die beschreiben? Geht das überhaupt? Ein paar Adjektive oder Vergleiche mit anderen Gruppen und vorstellen kann sich ohnehin keine was darunter, wenn sie die Musik noch nicht gehört hat: perfekt, vielseitig, in den Bauch gehend und nicht aus dem Kopf zu bekommend, jedes Mal aufregend neu und spannend &endash; so ist sie die Musik, so, dass ClaraLuzia selbst manchmal gar nicht glauben will, dass es ihre Musik ist und dass ihre Emotionen diese Musik sind. „Wahrscheinlich kann man immer noch besser sein oder den Ton noch schneller treffen, aber grad bei der Musik ist das ja nicht der Punkt ... Emotionen sollen transportiert werden". Und das spürt eine.
...und ein anderes Soloprojekt.
Aber noch mal zurück zur Homepage von ClaraLuzia. Auf der findet sich freilich noch etwas Spannendes. Mika Vember. Die anglophile Trommlerin und Zweitstimme, die auch eine Erststimme ist. Sie hatte eine Band noch bevor sie ein Instrument spielte oder sang. Der Chef der Blasmusik ihrer Herkunftskleinstadt lernte ihr das Gitarrespielen, Singen lernte sie nie und nun macht sie unglaublich kraftvolle „girl with guitar" Musik. Die Musik - wie sagt sie selbst? - „war früher sehr verkopft, und nun ist sie zu 90 Prozent so Liebes- und Beziehungskram. In der Musik ist mein gelebtes Element." Sie funktioniere für sie als „externer Datenspeicher". „Wenn ich ein Lied singe, besonders wenn ich live singe, kann ich mich an Sachen erinnern, die ich schon längst vergessen hatte, und Begebenheiten können dann sehr präsent werden." Zum Großteil ist ihre Musik, wie auch bei Clara Humpel, autobiographisch. Die musikalische Zusammenarbeit der beiden übrigens ergab sich, weil beide sich großartig fanden, nachdem sie sich jeweils live gehört hatten.Bedenken, dass ihr eigenes Musikprojekt zu kurz kommen könnte, hat Mika Vember kaum. Vielmehr schätzt sie den Input, den die Zusammenarbeit bringt, und kann ihr einiges abgewinnen. Adjektive und Vergleiche mit anderen Bands brauchen hier nicht zu stehen und die, die wissen wollen, was nach dem „aber" kommt (lieb dich, aber ... - so ein Songtitel von Mika Vember), sollte in nächster Zeit die Ohren offen halten. |