Sexistische Rülpser
von Gabi Horak

Ende Februar im ORF: „Offen gesagt" zum Thema „Europa vergreist. Zuwanderung oder mehr Kinder?", am Podium u.a. Sozialministerin Ursula Haubner (BZÖ), stv. Bundessprecherin der Grünen Eva Glawischnig-Piesczek und — feminists special friend — der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Letzterer war von der Redaktion wohl kaum zufällig eingeladen worden, weiß mensch doch, dass er Frauenrechte radikal in Frage stellt und das auch noch mit Genuss in die Öffentlichkeit posaunt.

Im Laufe der Sendung hatte Laun gleich zwei Mal die Möglichkeit, in aller Ruhe das Recht auf Abtreibung wie auch auf Verhütung in Frage zu stellen und all jene zu beschimpfen, die diese Rechte verteidigen. Und beide Male blieben seine Aussagen völlig unwidersprochen: Keine Reaktion vom Moderator (war klar), keine Reaktion der Sozialministerin (war auch keine Überraschung), aber auch kein Widerspruch von Eva Glawischnig-Piesczek. Ihre Strategie: Diese Aussagen disqualifizieren sich von selbst.

Anfang März in meinem e-mail-Posteingang: Die FPÖ schickte eine Aussendung an die Medien (basierend auf einer Pressekonferenz der Landtagsabgeordneten Veronika Matiasek und David Lasar), in der sie die Wiener Vereinsfinanzierung kritisiert. Die drei Absätze sind ein Sammelsurium an unglaublichen Unterstellungen und entsetzen vor allem durch die offen ausgelebte Ideologie dahinter. Eine Reihe von „Multi-Kulti-, sowie Feministenvereinen" werde hoch subventioniert, wobei deren Aktivitäten doch „im Großen und Ganzen dieselben" wären. Schrecklich: Es gibt „unzählige" Frauen- und Migrantinnenvereine, die doch tatsächlich alle über eigene Infrastruktur verfügen. „Offenbar müsse gerade in diesem Bereich jeder Handgriff extra bezahlt werden." Dabei habe Österreich doch eine tolle Tradition im Vereinsleben: „...tausende ehrenamtliche Mitarbeiter, die oftmals viel Freizeit, Energie aber auch finanzielle Beiträge für ihren Vereinszweck zu opfern bereit sind." So wahnsinnig und unnötig zu kommentieren diese Aussendung auch ist, in diesem Rahmen möchte ich sie doch zumindest zitiert haben. Ansonsten hat sich die Grüne Frauenpolitikerin und Stadträtin Monika Vana für eine Strategie der Nichtbeachtung entschieden. Eine öffentliche Reaktion darauf hätte „den verwirrten Herrn Lasar" nur noch aufgewertet. Solange die Aussendung in anderen Medien keine Resonanz finde, wäre es aber besser, die "sexistischen Rülpser" einfach verhallen zu lassen.

Sowohl Eva Glawischnig-Piesczek als auch Monika Vana haben sich angesichts öffentlicher Aussagen konservativer IdeologInnen für die gleiche Strategie entschieden: Einfach ignorieren. Im Falle der FP-Aussendung war das die richtige Entscheidung. In die Massenmedien und somit an die breite Öffentlichkeit sind diese Sätze nie gedrungen. Im Falle der Laun-Aussagen hätte ich mir zumindest eine knappe Klarstellung gewünscht. Mit dem Weihbischof ist nicht zu diskutieren &endash; schon klar. Aber das Publikum vor den Fernsehschirmen hätte es zumindest einmal hören müssen. Was mir aber in Wahrheit Sorgen macht, ist das gesellschaftliche und mediale Klima, in dem solche sexistischen Grundsatzaussagen überhaupt möglich und akzeptiert sind. Im Falle des ORF wurden sie sogar noch gefördert, allein durch die Einladungspolitik.

Der Kampf um Frauenrechte hört nicht auf. Das wissen die, die kämpfen. Aber rundherum hat sich ein fatales Klima der Ignoranz gebildet. Am Internationalen Frauentag gab es Palmersgutscheine und zehn Prozent Rabatt auf Blumengestecke. Dass der 8. März ein FrauenKAMPFtag ist, für den 129 Textilarbeiterinnen 1908 in New York ihr Leben ließen &endash; auf diese Tradition wird gepfiffen. Viele Frauen, so wird getuschelt, wollen nicht mehr kämpfen, weil sie sich eh recht gleichberechtigt fühlen. Aber nur weil Frau sich an Unrecht gewöhnt hat, ist es nicht weniger Unrecht! Die soziale und ökonomische Situation von Frauen in Österreich hat sich laut AK-Frauenbericht in den vergangenen zehn Jahren deutlich verschlechtert. Und weil uns das wurscht ist, gibt es vom Frauenministerium eben mal keinen Frauenbericht, stattdessen kurz vorm FrauenBLUMENtag den ersten Männerbericht. Absurderweise steht parallel dazu Familienpolitik (oh Schreck: Geburtenrückgang) derzeit ganz hoch im Kurs. Wie eng das alles mit mangelnder Frauenpolitik im Zusammenhang steht, erkennen maximal OppositionspolitikerInnen. Familienpolitik in Form der „Mütterpension" war es auch, woran die orange-rote Koalition in Kärnten zerbrochen ist. Warum hatte die SP diese Koalition nicht schon längst gekündigt? Die täglichen Fußtritte gegen Verfassungsrechte im Ortstafelstreit wären doch Grund genug. Wenn Minderheitenrechte in der Verfassung so nachhaltig in Frage gestellt werden können, frag ich mich, ob wir uns der ebenfalls in der Verfassung festgeschriebenen Geschlechtergleichstellung sicher sein dürfen. Wir müssen unseren Kampf hinter den Blumengestecken wieder hervorzerren und die Bildschirme erobern.