AUF-Eine Frauenzeitschrift
T. 01/533 91 64

AUF work in progress
Symposium zu 30 Jahre AUF-
Eine Frauenzeitschrift, vom
11.-13. November im Albert
Schweitzer Haus, 9.,
Schwarzspanierstraße 13



AUF Besuch

Die AUF-Eine Frauenzeitschrift feiert 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass haben wir unseren Kolleginnen einen Besuch abgestattet. Von Eva Steinheimer

Es wird schon früh dunkel an diesem Oktoberabend, als ich eine Verabredung in der Kleeblattgasse in der Wiener Innenstadt habe. Dort hat die "AUF-Eine Frauenzeitschrift" ihre Räumlichkeiten. Empfangen werde ich von Britta Cacioppo, die derzeit für die alltägliche Büroarbeit zuständig ist. Britta hat für mich schon im Archiv gestöbert und zaubert immer wieder Infos zu Geschichte und Gegenwart der AUF hervor. Nachdem ich mich etwas eingelesen habe, kommen noch Eva Geber, die schon seit den 1970er Jahren dabei ist, und Astrid Jane Rieger vom Redaktionskollektiv vorbei. Zu dritt erzählen sie und ich schreibe fleißig mit.

Die Anfänge. Die erste Nummer der AUF-Eine Frauenzeitschrift erschien im Oktober 1974. Sie sollte Sprachrohr des Vereins AUF "Aktion unabhängiger Frauen" sein und die Themen, Erkenntnisse und Fragen der Neuen Frauenbewegung verbreiten. Nach einiger Zeit erklärte sich die Redaktionsgruppe dann autonom vom Verein AUF, weil sie als kleine Gruppe nicht das Sprachrohr der großen basisdemokratischen Gruppe sein konnte. Denn über "jeden Satz" am Plenum abzustimmen war eine "mühsame Arbeit", erzählt Eva. Aber auch als autonome Redaktion war die Rückbindung an den Verein noch stark. Nach jeder Nummer gab es ein, von den Schreiberinnen teilweise gefürchtetes Zeitungsplenum, bei dem mit Kritik nicht gespart wurde.

Die Inhalte. "Die Themen der AUF waren anfangs absolut Avantgarde. Dann hatten wir irgendwann scheinbar alle Themen durch und begannen die Themen differenzierter neu zu bearbeiten", erinnert sich Eva. Und tatsächlich, ein Blick ins Archiv zeigt, dass viele Themen immer wieder kommen: Gewalt(erfahrungen), Familie und neue Formen des Zusammenlebens, Lesben, Arbeitsbedingungen, Gen- und Reproduktionstechnologien oder auch Sexualität. Diesen Juni ist das bisher vierte Schwerpunktheft zum Thema Sex (Nr. 124) erschienen, zwei (Nr. 82 + 100) erschienen in den 1990ern, das erste stammt aus dem Jahr 1978 (Nr. 15) und war der absolute Aufreger. Am Beispiel dieser vier Hefte sind inhaltliche Entwicklungslinien sehr gut erkennbar. In den 1970er Jahren gab es viele für die frühe Frauenbewegung typische Selbsterfahrungsberichte. Die Offenheit, mit der in Heft Nr. 15 über Sex gesprochen wird, schockiert zwar heute kaum mehr, sehr wohl aber die Eindringlichkeit, mit der die Frauen auch von Gewalterfahrungen oder Abtreibungen unter unwürdigsten Umständen erzählen. Später wurden die Themen breiter, es gab mehr Analysen und allmählich kamen auch feministische Theorien hinein. So begleitete die AUF den Diskurs der Frauenbewegung. "Die Verwissenschaftlichung in den 80er und 90er Jahren war aber zum Beispiel schlecht für die Abozahlen. Heute gibt es wieder eher einen Mix mit mehr persönlichen Bezügen", meint Britta. Ein Blick in die Hefte 82 und 100 bestätigt das: Anstelle von anonymen Erfahrungsberichten sind schon im Inhaltsverzeichnis lauter (Expertinnen-)Namen aufgelistet. Es wird über Pornografie und Beate Uhse geschrieben, Elfriede Jelinek erzählt im Interview, warum nicht länger die "Lust", sondern das Denken ihre Arbeiten dominiert und es geht um Rosa Mayreders Essay über das Wesen der Liebe. Sehr persönliche Texte gibt es aber auch in der Nummer 100, und Humorvolles, wie etwa einen Leitfaden zum Thema "wie angelt frau sich eine Frau". Und natürlich darf auch in den neueren AUF-Sexheften eine AUF-Sexdiskussion nicht fehlen.

Debatten. Diskussionen sind sehr wichtig für das Wesen der AUF. Das Redaktionskollektiv trifft sich nicht bloß, um eine Zeitung zu organisieren, sondern auch um inhaltlich zu debattieren. Die Themen werden intern aufgearbeitet. Auch geschrieben wird meist im Team, da wird dann an Formulierungen gefeilt und Positionen werden weiter verfeinert. Britta beschreibt die Abläufe in der AUF als "basisdemokratisches Chaos", doch das mache die AUF eben aus. Das Kollektiv ist in ständiger Veränderung und in seiner Zusammensetzung sehr heterogen, was auch zu Konflikten führt. Trotzdem meint Eva: "Die AUF funktioniert, weil sie keine starren Strukturen hat. Gerade die Nicht-Struktur ermöglicht die positive Lösung von Konflikten". Entscheidend für das Selbstverständnis der AUF-Frauen ist, dass es um viel mehr als nur eine Zeitschrift geht. Astrid beschreibt das so: "Die Frauen kommen hier rein. Werden hier sozialisiert und gehen anders wieder raus." Das erinnert doch an die Aufbruchstimmung der 1970er Jahre. Und Eva ergänzt: "Die AUF hat so einen Sog. Bevor sie eingeht, kommen doch immer wieder neue Frauen dazu. Denn die AUF ist ein Flaggschiff der Frauenbewegung und darf nicht sinken."

Immer weiter. So erscheint die AUF seit dreißig Jahren ohne Unterbrechung. 1978 gab es allerdings einmalig ein nur vier Seiten starkes Protest-Frust-Heft. Die Redaktionsfrauen beklagten sich über zunehmende Selbstausbeutung und Überarbeitung. So gab es über die Jahre immer wieder Tiefpunkte. Die Entscheidung, finanziell völlig autonom zu bleiben, macht das Überleben zwar schwierig, ermöglicht es aber auch gleichzeitig. Denn alle Arbeiten vom Schreiben übers Redigieren bis zum Layout geschehen ehrenamtlich. Die Streichung einer Subvention bedeutet da-her nicht das Aus. Heute erhält die AUF ausschließlich die Presseförderung. Von 1985 an bekam sie auch eine Frauenprojekteförderung, damit ist aber seit 1993 Schluss. Der damals zuständige Sozialminister Hesoun (er war zu dem Zeitpunkt gerade Hauptakteur der "Grabsch-Affäre" im Parlament) war nach der oben zitierten Sex-Nummer (Heft 82) so entrüstet, dass er den Akt der AUF mit der Anweisung "Nie wieder subventionieren" versah. Ein "Nie wieder", an das sich sämtliche NachfolgerInnen noch immer brav halten. Die AUF besteht aber dennoch weiter.
Da sich das Kollektiv wie gesagt ständig ändert, kam es dazu, dass beim Relaunch 2002 plötzlich das altbekannte AUF-Logo mit der Faust verschwand, was intern wie extern starke Reaktionen hervorrief. Schließlich wurde aber dann doch klar, dass die AUF-Frauen wieder politischer sein wollten und seither prangt die Frau, die von einem Frauenzeichen eingerahmt kämpferisch die Faust in die Höhe streckt, als neues Logo auf jedem Cover.
Zusätzlich zur vierteljährlich erscheinenden AUF-Eine Frauenzeitschrift produziert das Redaktionskollektiv übrigens sechsmal im Jahr die AUF-Info - früher als dünne Beilage zum Schwerpunktheft, seit 1998 als eigenständiges Medium, das neben Terminen und Rezensionen auch immer mehr Kommentare und aktuelle redaktionelle Artikel bringt.

30 Jahre. Heuer ist es Zeit zu feiern. Anlässlich ihres runden Geburtstags lädt die AUF vom 11. bis 13. November zum "AUF - work in progress" Symposium ins Albert Schweitzer Haus. Laut Ankündigung wollen die Veranstalterinnen "bisheriges Wissen mit der Gegenwart verbinden, aus der Geschichte lernen, auf ihr aufbauen und Wissen nutzbar machen". Gestartet wird am Donnerstag um 18 Uhr mit Vorträgen von Frigga Haug und Gerda Neyer. Am Freitag gibt es zur selben Zeit im BROT & ROSEN eine Podiumsdiskussion zum Thema "Die verschiedenen Straßen des ’einzig richtigen' Weges" zu verschiedenen Strategien der Frauenbewegung. Und am Samstag finden von 10 bis 18 Uhr Workshops statt, bei denen unter dem Motto "Was uns treibt" zu Themen wie Frauenräume, Migrantinnen, Zivilgesellschaften, Globalisierung und anderes mehr diskutiert werden kann.
Ab 20 Uhr gibt es dann ein großes Abschlussfest im FZ mit Performances von Miki Malör, Martina Cicek und vielen anderen sowie einer DJane-line.
Nach all den Erzählungen wird es für mich Zeit zu gehen. Ich habe die angenehme Stimmung sehr genossen. Zum Abschied teilen wir uns noch einen Mini-Sekt. Irgendwie scheint ein Schluck Sekt hin und wieder auch zum Erfolgsrezept der AUF zu gehören. Aber mehr als das ist es die persönliche Verbundenheit der Frauen zur Bewegung oder wie es Eva beschreibt: "Die AUF ist für mich nicht Arbeit, sondern eine persönliche Notwendigkeit. Ich brauche das politisch für mich." Na dann: AUF die nächsten dreißig Jahre!

 

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