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Ein kurzer Brief zum langen Abschied
Von Angela Heissenbeger

Acht Jahre an.schläge, abzüglich zwei Jahre teilweiser Karenz, das sind: drei Frauenministerinnen, zwei Nationalratswahlen, zwei Gemeinderatswahlen, eine Bundespräsidentschaftswahl - und damit verknüpft die Geschichte einer Zeitschrift, die ein Spiegelbild des gesellschaftlichen, politischen und sozialen Wandels in diesem knappen Jahrzehnt zeigt.
Als ich im März 1995 mein AkademikerInnentraining bei den an.schlägen begann, war noch vieles anders. Was nicht heißt, dass wir zufrieden waren. Gewiss, wir hatten eine Frauenministerin, die Johanna Dohnal hieß. Aber es erschien uns fast selbstverständlich, dass es sie gab. Und natürlich kritisierten wir sie heftig und stritten Jahr für Jahr ums Geld. Das war Teil unseres Jobs. Von anfänglich drei Frauen, die ehrenamtlich und unbezahlt die Zeitschrift produzierten, mauserten sich die an.schläge innerhalb von drei Jahren zur Arbeitgeberin von bis zu fünf angestellten Mitarbeiterinnen, was sich nachhaltig auf die Qualität unserer Arbeit niederschlug. Auch öffentliche Anerkennung blieb nicht aus: 1997 befand der Österreichische JournalistInnen Club, die an.schläge seien ein "unter schwierigsten ökonomischen Bedingungen seriös gemachtes, streitbares Magazin", und verlieh uns den Claus Gatterer-Preis für sozial engagierten Journalismus. Ein Jahr später gab's wieder einen Preis: Ich erhielt für zwei an.schläge-Artikel zum Thema Volksgruppen den Menschenrechtspreis des Presseclubs Concordia.
Auf das Hoch folgte bald ein Tief, und in diesen zyklischen Phasen bewegen sich die an.schläge bis heute. Kaum hat sich ein neues Redaktionsteam formiert und gut eingearbeitet, sind die Förderungen für die jeweiligen Arbeitsplätze auch schon wieder abgelaufen. (Nie dachten wir, dass wir uns für diese Förderungen später vor einem Untersuchungsausschuss rechtfertigen würden müssen. Manches ändert sich eben doch.) Die Umsätze reichen bei weitem nicht, um wichtige Mitarbeiterinnen zu einem angemessenen Gehalt weiterbeschäftigen zu können. Einige bleiben trotzdem. Vorübergehend.
Auf Dohnal folgte Prammer, auf Prammer Sickl. Wir glaubten nicht, dass es noch schlimmer kommen könne. Doch dann kam der Männerminister. Für unsere gut gepflegte Streitkultur kam uns plötzlich die Partnerin abhanden - schade eigentlich. Und um die Höhe der Subventionen mussten wir auch nicht mehr kämpfen - es gab gar keine mehr. Doch das Orchester, als das wir uns in einer Supervision einmal charakterisierten, spielt - manchmal mit kleineren Dissonanzen - seit 1994 kontinuierlich seine Symphonie. Neuen Strömungen gegenüber aufgeschlossen, immer am Puls der Zeit. Auf den Relaunch 2000, der die Zeitschrift innen und außen komplett ummodelte, sind wir noch heute stolz. Nach nur wenigen Monaten Vorbereitungszeit, neben der "normalen" Produktionstätigkeit, ohne vergleichbare Erfahrung - das muss uns ein Mainstream-Medium erst nachmachen.
Irgendwann war ich mit Anfang 30 zur Ältesten im Redaktionsteam herangereift und bildete mit Verena Fabris das Chefinterviewerinnenteam. Gemeinsam wohnten wir historischen Momenten bei, etwa als uns eine ernste, von durchverhandelten Nächten schwer gezeichnete Barbara Prammer im Parlament empfing - zwölf Stunden später war die große Koalition Geschichte. Oder als uns Heide Schmidt zum Abschiedsinterview in die Klubräume des Liberalen Forums lud, völlig entspannt und gelöst zwischen riesigen Papier- und Zeitungsstapeln, die sie binnen einer Woche noch wegzuschaffen hatte, rauchte und über das Charisma von Jörg Haider philosophierte. Oder: Johanna Dohnal, die in sich zusammengesunken und nur wenig mehr als Heide Schmidt rauchend in den Polstern des Café Ritter kauerte und von Widerstand und Revolution predigte, während ihre Haltung und Mimik einzig Resignation ausdrückten. Verständlicherweise.
Wo stehen die Frauen Österreichs heute? Rekordarbeitslosigkeit, nach der Karenz beruflich chancenlos, als Pensionistinnen verarmt. Unter den offiziellen Repräsentantinnen keine einzige Parteichefin, von einer Bundespräsidentin ganz zu schweigen. Die Themen haben sich seit der ersten Frauenbewegung - mit Ausnahme des Frauenwahlrechts - nicht wesentlich geändert. Und bei jeder Wahl hoffen wir, dass sich etwas zum Positiven ändert.
Drei Jahre schwarz-blaue Koalition konnten die an.schläge nicht umbringen, doch die Zeitschrift steht auf sehr gebrechlichen Beinen. Vielleicht kommt mit einem neuen Team wieder ein Aufschwung. Und auch Österreich steht abermals vor einem möglichen Wendepunkt. Beiden viel Glück!

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