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Gelder im Dschungel
Von Verena FabrisÖffentliche Gelder werden allerorts knapper. Effektives Wirtschaften nennt sich das in der Diktion der westeuropäischen Regierungen. Neoliberalismus ist das Schlagwort dafür: Selbst ist der Mann, selbst ist die Frau - denn wo kämen wir da hin, wenn für alles der Staat zuständig wäre. Schließlich werden unsere Steuergelder für wichtige Dinge gebraucht wie zum Beispiel Dienstautos der Sonderklasse XY von Mercedes für diverse PolitikerInnen.
Im Bereich feministischer Projekte, aber auch etwa im Bereich Migration/Asyl oder im alternativen Kunst- und Kulturbereich geht es bei den zu ersparenden Geldern gemessen am Gesamtbudget um Pimperlbeträge. Das hält aber niemanden davon ab, fleißig dem Sparwahn zu frönen. So gibt es nun auch in der Magistratsabteilung für Frauen der Stadt Wien eine neue Stelle, die unter anderem die Aufgabe hat, Richtlinien für die Subventionsvergabe an kleinere Projekte zu erstellen, will heißen: Darauf schauen, dass keine Geld kriegt, die es nicht verdient.
Eine könnte die Vermutung haben, dass es auch darum gehen könnte, unliebsame alternative Projekte auszuhungern und im besten Fall damit noch Ansehen bei den WählerInnen zu bekommen. Wer braucht denn heute noch feministische Projekte - wir haben eh eine Frauenministerin, die sich um alle Belange der Frauen sorgt. Wer braucht denn heute noch Projekte für AsylwerberInnen - wir lassen eh bald keine mehr rein und die, die schon da sind, werden sich schon fortbringen. Und Kunst und Kultur? Ist doch nur eine Art Dekoration, die ja nun wirklich niemand braucht.
Wer anderer Meinung ist und nicht auf öffentliche Gelder verzichten will, weil es schließlich eine Aufgabe des Staates sein könnte, KünstlerInnen zu fördern, der Ungleichheit der Geschlechter entgegenzuwirken oder Armut zu verhindern oder zumindest zu mindern, die begibt sich in den Subventionsdschungel. Und hat dort so manch interessantes Erlebnis.
Ein besonderer Geldtopf sind EU-Gelder. Besonders auch deshalb, weil es die einzigen öffentlichen Mittel sind, wo theoretisch noch viel zu holen ist. Bis zu zwei Millionen Euro kann zum Beispiel ein zwei Jahre dauerndes EQUAL-Projekt bekommen, ein Teil kommt dabei aus dem Europäischen Sozialtopf, der andere von Seiten des Bundes.
Lustig ist es hier für die Antragstellung verschiedene Tabellen auszufüllen. Zahlen einmal in Prozent anzugeben und drei Monate später dieselben Zahlen in absoluten Zahlen. Eine kleine Rechenaufgabe speziell für ÖsterreicherInnen, weil wir in PISA so schlecht abgeschnitten haben? Oder einfach Bürokratie...
Die meisten dieser Tabellen sind übrigens in einem WORD-Dokument auszufüllen, damit wir auch wirklich rechnen und nicht der Computer, was der Fall wäre, wenn es EXCEL-Tabellen wären. EXCEL-Tabellen hingegen hat so manch eine Magistratsabteilung der Stadt Wien entdeckt. Und so darfst du, wenn du um einen Betrag von 1.500 Euro ansuchst, eine EXCEL-Tabelle mit sechzig Budgetposten für jede etwaige Eventualität eines Kunst/Kulturprojekts ausfüllen. Auch dies ein Bildungsauftrag: Wir lernen, wie ein Großprojekt kalkuliert werden kann, auch wenn wir selbst nur kleine Projekte machen wollen. Oder einfach nur Bürokratie...
Oder aber wir kopieren jedes Jahr aufs Neue unsere unveränderten Vereinsstatuten, damit die Zuständigen, wenn sie unseren neuen Antrag kriegen, bei dem Feld "Vereinsstatuten da: ja oder nein" ein Hakerl machen können, ohne sich umdrehen zu müssen. Eine indirekte Fördermaßnahme für die Papierindustrie und für die Post - denn je schwerer das Kuvert, desto höher das Porto. Oder aber einfach nur Bürokratie...
So kommt es, dass im Subventionsdschungel viel Arbeit steckt, um zum Ziel, der Förderung durch öffentliche Gelder vorzudringen. Arbeit, die nicht gefördert wird, sondern die vor allem kleinere Vereine ehrenamtlich leisten, damit sie dann zur Ehre kommen, einen Brief zu erhalten in dem steht: Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Ihr Projekt für förderungswürdig erachten...
Und doch gibt es sie auch: Jene FördergeberInnen, die ein echtes Interesse an Inhalten an den Tag legen. Jene FördergeberInnen, die unterstützend sind, die anrufen und dich bitten, noch ein Formular auszufüllen, weil dies nun eben die Vorschriften seien. Jene FördergeberInnen, die öffentliche Gelder mit Hirn für die Sache verwalten und nicht mit Hirn für die Vorschriften. Jene FördergeberInnen, die nicht so tun als wäre es ihr privates Geld, das sie zu verschenken hätten an jene, die die meisten Punkte bekommen in ihrem Bürokratie-Spiel. Sie mögen zahlreicher werden. Und die Politik möge einsehen, dass gesellschaftspolitische Arbeit eine Gesamtverantwortung der Gesellschaft ist und nun mal Geld kostet.