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Schluss mit Diskussionen
Von Martina Madner

Abtreibung ist Frauenrecht - punktum. Hier könnte frau eigentlich schon wieder aufhören, denn das Recht auf Abtreibung wird hier nicht zur Diskussion gestellt. Warum also weiterschreiben? Weil andere diskutieren möchten, AbtreibungskritikerInnen, ja, auch welche in den Regierungsparteien FPÖ und ÖVP, auch wenn Ministerin Maria Rauch-Kallat das nicht wahrhaben möchte. John Gudenus, seines Zeichens FPÖ-Bunderatsmitglied, nutzt den Bundesrat als Plenum, ruft dort "gegen eine Kultur der Abtreibung, welche ein staatlich straffrei gestellter Mord ist" auf und spricht sich "eindeutig gegen die Abtreibung aus". Und die ehemalige FPÖ-Abgeordnete Jutta Wochesländer machte im Nationalrat auf Händchen und Füßchen von Embryonen aufmerksam und überlegt laut, dass man die Frist für eine legale Abtreibung "ohne weiteres verkürzen könnte". Selbst Bundeskanzler Wolfgang Schüssel himself soll sich zum Thema geäußert haben: In einer Messe im Stephansdom soll er Abtreibung als Bedrohung bezeichnet haben. Protokoll gibt's davon keines - das ist bei Messen nicht üblich. Die Diskussion wird also nicht nur von radikalen privaten Initiativen, sondern auch von den aktuellen VolksvertreterInnen immer wieder aufgerollt, die "in der Republik das Sagen" haben. Obwohl Abtreibung in den ersten drei Monaten nun seit dreißig Jahren straffrei möglich und damit geltendes Recht ist.
Es ist also immer noch notwendig, Stellung zu beziehen. Diskutiert werden sollte aber nicht das Recht an sich, sondern vielmehr die Begleitmaßnahmen, die gesetzt werden sollten, damit Frauen auch in der Praxis zu ihrem Recht kommen. Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Es geht nicht um Aufklärung, Verhütungsmittel, Sexualkunde oder sonstige Prävention, denn die - so wichtig sie auch sein mögen - kommen, wenn es um Abtreibung geht, zu spät. Es geht vielmehr darum, Frauen vor dem Terror mancher AbtreibungsgegnerInnen zu schützten. Sogenannte Schutzzonen rund um die Kliniken sind notwendig, damit sie nicht noch zusätzlichen Belastungen ausgesetzt werden und Bilder von süßen, angeblich geretteten Kindern oder Embryonen vor die Nase gesetzt bekommen. Juristisch machbar ist das, aber es braucht politischen Willen und eine starke Lobby.
Es geht auch darum, dass Frauen in jedem bundes- oder landesfinanzierten Krankenhaus eine Abtreibung durchführen lassen können. Dass zumindest ein Arzt und eine Ärztin eingestellt werden muss, der oder die zu Abtreibungen bereit ist. Es geht darum, dass chemische Präperate, die für den Frauenkörper schonender sind, auch bei allen GynäkologInnen angeboten werden. Dass es sachliche Aufklärung da-rüber gibt, wie und wo Abtreibungen möglich sind. Es geht darum, dass Frauen nicht gezwungen werden, ihre Beweggründe vor einer Abtreibung darzulegen bzw. eine verordnete Beratung annehmen müssen. Es geht darum, dass bei dieser Entscheidung die betroffenen Frauen das Sagen haben - nicht PolitikerInnen, nicht GynäkologInnen, nicht die Kirchen, nicht die Männer und schon gar nicht sogenannte FürsprecherInnen für "ungeborenes Leben".
Moral hat in dieser Frage nichts verloren. Abtreibung ist normal und nicht das "Übel" oder das "Böse", nicht die "fundamentale Bedrohung der Kultur und der Menschenrechte" wie uns Erzbischof Alois Kothgasser in seinem Hirtenbrief zum Aschermittwoch dieses Jahr weismachen möchte. Frauen sind keine Brutkästen, sie können und sollen selbst über ihren Körper entscheiden, ob und wieviele Kinder sie gebären möchten. Es kann keinen Zwang zur Mutterschaft geben. Abtreibung sollte endlich als ein mögliches Ende einer Schwangerschaft akzeptiert werden. Deshalb ist es nicht hilfreich, Abtreibung vor allem mit Verzweiflung und Notlagen und ausweglosen Situationen von Frauen in Verbindung zu bringen, da diese Zusammenhänge wieder wie notwendige Erklärungen oder sogar Entschuldigungen klingen. Eine Frau, die Unterstützung durch PartnerIn, Familie oder FreundInnen zu erwarten hat und finanziell abgesichert ist, hat das gleiche Recht auf Abtreibung, wie eine Fünfzehnjährige in Ausbildung oder eine Frau nach einer Vergewaltigung.
Deshalb Schluss mit den moralinsauren Bekenntnissen mancher PolitikerInnen. Kümmert euch nicht um das Produkt einer Schwangerschaft, sondern lieber um die Situation von geborenen Frauen (und Kindern und Männern). Hier sind sowohl klare Stellungnahmen pro Abtreibung, als auch echtes Engagement von PolitikerInnen gefordert.

 

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