Am 10. März um 18.00 Uhr
laden die Gründungs-
AktivistInnen von
ViennaMix alle ein, die an
Mitarbeit und persönlichem
Kontakt interessiert sind, ins
Extrazimmer des Café Berg
(1090 Wien, Berggasse 8) zu
kommen.

ViennaMix:
T. 0664/210 95 36,
e-mail:
ik-wien@gmx.at

[les.maus]:
e&endash;mail:
les.maus@gmx.at

Lila Tip Lesbenberatung:
Mo-Fr, 17-20.00 Uhr,
T. 01/586 81 50

Wiener
Antidiskriminierungssstelle:
T. 01/4000-998 14 41

Deutschland, MILES

ERMIS

Türkei, Sapphonun Kžzlarž

Rumänien, Accept

Tschechische Republik, Lesba
Ungarn, Hatter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Österreich ist nicht das Paradies, aber...
Lesbische Migrantinnen und schwule Migranten nehmen die Verwirklichung ihrer Interessen selbst in die Hand. Von Helga Pankratz

Von den 8, 67 Millionen in Österreich lebenden Menschen waren im Jahr 2002 insgesamt 708.000 "Ausländer" - so die nach 1950er Jahre-Sprache klingende Bezeichnung der Statistik Austria für Menschen ohne Österreichische StaatsbürgerInnenschaft -, davon rund 320.000 "Ex-Jugoslawen", rund 120.000 "Türken" und knapp 270.000 "sonstige Ausländer". Von den 78.399 Babys, die in Österreich 2002 zur Welt kamen, waren 12,7 Prozent aufgrund der Staatszugehörigkeit ihrer Eltern von vornherein ebenfalls "Ausländer".
Dass rund zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell sind, wird in der Lesben- und Schwulenbewegung häufig betont, wenn die größenmäßige Bedeutung der Gruppe bemüht wird, um der Forderung nach Gleichberechtigung Gewicht zu verleihen. Zu selten wird dabei bedacht, dass viele dieser Lesben und Schwulen keine Mehrheits-ÖsterreicherInnen sind. Wenn wir die statistischen Zahlen auf Frauen im Alter ab den ersten Coming-Out-Schritten umlegen, ergibt sich, dass in Österreich mindestens 20.000 lesbische Migrantinnen und Lesben der Zweiten Generation leben: eine vernachlässigte Größe, aber keine auf Dauer zu vernachlässigende.

Vienna Mix. Ähnliches meinte auch der junge Kulturtheoretiker Yigithan Yenici, als er vor zwei Jahren nach Wien übersiedelte. In Istanbul war er organisatorischer Mittelpunkt der Gruppe "Çinsel Haller", in der Lesben, Schwule, TransGender und Transvestiten gemeinsam für ihre gesellschaftlichen Rechte kämpfen. In Wien suchte er sofort Kontakt zur Lesben- und Schwulenbewegung und war von Anfang an gemeinsam mit schwulen Freunden aus Polen und der Türkei auf den großen Demonstrationen gegen Schwarz-Blau, Rassismus und Gewalt zu finden. Inzwischen hat er auch lesbische Aktivistinnen - von Villa-Lesbenberatung bis HOSI Wien - kennengelernt; er hat mit parteinahen Gruppen wie den Grünen andersrum, mit Instiutionen wie der Antidiskriminierungsstelle und Projekten wie LEFÖ Kontakte geknüpft, um das zu gründen, was in Wien schon viel zu lange fehlte: ViennaMix, eine Selbsthilfe-Initiative lesbischer Migrantinnen und schwuler Migranten. Seit Februar 2004 treffen sich die AktivistInnen rund um Yigithan Yenici regelmäßig in der Rosa Lila Villa.
Als einzige Frau von Beginn an dabei war Anžl Üver. Sie ist in Ankara geboren und aufgewachsen, wo sie mit 19 ihr Coming Out hatte und bei der schwul- lesbischen Organisation "KAOS-GL" und der Lesbengruppe "Sapphonun Kžzlarž" (Sapphos Töchter) mitarbeitete. Als die jetzt 24-jährige Studentin im Novem-ber 2002 nach Wien kam, begann sie sofort, sich feministisch sowie lesben- und schwulenbewegt zu engagieren, ganz besonders auch bei der Gruppe LesMAus.

LesMAus. "Lesbian Migrants in Austria" besteht aus Lesben, die ihrem Status als Migrantinnen oder Frauen der "zweiten Generation" für ihr politisches und persönliches Selbstverständnis den entsprechenden Stellenwert beimessen. Seit 2002 treffen sie sich regelmäßig. Die vielsprachige Lesbengruppe - Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch sind die gängigsten Verständigungssprachen, Türkisch, Slowakisch, Kroatisch und Griechisch wird auch gesprochen - arbeitet an einem (bald fertiggestellten) Video, das sowohl den eigenen Gruppenbildungsprozess dokumentiert, als auch die Einstellungen und den Bewusstseinsstand mehrheitsösterreichischer Lesben.
Am 8. und 9. November 2003 leiteten Frauen von LesMAus und dem Linzer Integrationszentrum von und für Migrantinnen, MAIZ, in der Lesbenberatung der Rosa Lila Villa einen Workshop für Multiplikatorinnen zum Thema Mehrfachdiskriminierung.

Deutschland. In Deutschland gibt es mit "lubunya" bereits eine lesbisch-schwule Zeitschrift in türkischer Sprache und zahlreiche Gruppen, die auf eine bis zu zehnjährige Tradition zurückblicken. ERMIS, der Verein der Lesben und Schwulen aus Griechenland, hat Treffpunkte in allen größeren Städten. Türkische Vereinsangebote gibt es viele, die sich unter anderem aufgrund des Kriteriums der Nähe - bzw. vor allem der Distanz - zum Islam konstituieren. Anžl Üver, die erklärte Atheistin ist, findet Feministin, lesbisch oder schwul zu sein "total inkompatibel mit dem Koran" und gibt zu bedenken, dass es islamische Länder gibt, aus denen Lesben und Schwule flüchten müssen, um zu überleben. Diese Skepsis bringt sie jeglichem religiösen Fundamentalismus entgegen: "Ich habe sowohl das Alte Testament als auch den Koran gelesen", untermauert sie ihre Überzeugung: "Religionen sind ein Handicap für den Fortschritt auf der ganzen Welt. Sie stecken voller Willkür und Widersprüchlichkeit und nutzen die Angst der Menschen vor dem Tod aus, um sie ein Leben lang zu bevormunden."

Frauensache Integration. Am "1. Bundeskongress türkeistämmiger Homosexueller" - so der offizielle Titel - vom 7. bis 9. November 2003 in Berlin jedenfalls beteiligten sich nur weltliche Organisationen. Religion wurde nicht diskutiert. Die Tagung war vom Berliner Verein GLADT (Gays und Lesben aus der Türkei) und dem LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) organisiert. Anžl Üver war die einzige Frau in der vierköpfigen Delegation aus Österreich. Ihre Begeisterung über die Großartigkeit der Tagung hält sich in den Grenzen einer feministisch-kritischen Würdigung: "Es war interessant, informativ und für uns aus Österreich eine anspornende Ermutigung", meint sie. Dann kommt das Aber: "Von den über 200 TeilnehmerInnen waren höchstens sechzig Frauen. Und es gab nicht einmal einen eigenen Frauen-Workshop unter den entweder schwulenzentrierten oder "gemischten" Angeboten - HIV/ AIDS, Binationale PartnerInnenschaf-ten etc."
Die Liste der prominenten RednerInnen auf der Tagung zeigt allerdings, dass Integration und Emanzipation in der Politik sehr stark "Frauensache" sind: Abgesehen vom schwulen Bürgermeister Klaus Wowereit, referierten die Grüne Bundesrätin Claudia Roth, die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration Marieluise Beck, die SPD-Bundesrätin Lale Akgün, die Berliner Sozialsenatorin Heide Knake-Werner (PDS).

Österreich. Es wird noch ein langer und anstrengender Weg, bis Gesellschaft und politische Kultur in Österreich so weit sind, dass eine Gruppe wie ViennaMix eine Tagung mit so prominenter und qualifizierter RednerInnenliste auf die Beine stellen kann. Vorerst ist der Aufbau einer Infrastruktur für Beratung und Geselligkeit geplant: Qualifizierte, muttersprachliche Beratung im Coming Out soll geboten werden, Unterstützung bei Problemen mit der Familie, Aufklärung über Homosexualität in den MigrantInnen-Communities, Aufklärung gegen Wissensdefizite und Vorurteile in der lesbisch-schwulen Szene. In enger Zusammenarbeit mit Prostituiertenprojekten und der AIDS-Hilfe soll auch ganz gezielt schwulen Strichern geholfen werden, von denen zur Zeit die meisten aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien kommen.
Dass die Handvoll GründerInnen bei ihrer vorbereitenden Kontaktaufnahme mit Frauen-, MigrantInnen- und Schwulen- und Lesbenprojekten in den letzten paar Monaten sehr willkommen geheißen wurden, lässt Gutes für die Zukunft von ViennaMix hoffen. Marty Huber von der Lesbenberatung der Rosa Lila Villa weiß, "dass das teilweise Fehlen muttersprachlicher Beratungsangebote bisher in vielen Fällen eine zu hohe Schwelle darstellte", um von lesbischen Migrantinnen als hilfreiche Einrichtung wahrgenommen zu werden: "Ich finde es hervorragend, dass es neben LesMAus jetzt auch diese Gruppe gibt."

inhalt l über uns l inserieren l abonnieren l archiv l forum.netz l kommentare l wyber.space l links l mail an uns